Aufrüsten am Golf

Kommentar8. März 2015, 17:19
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Saudi-Arabien als größter Waffenimporteur

Es gibt eine Branche, die sich ganz besonders über eine Verhandlungslösung im Atomstreit mit dem Iran freuen dürfte: die Rüstungsindustrie. Die Aussicht, dass der Iran aus der internationalen Schmuddelecke herausgeholt werden könnte - was seinen regionalen Aufstieg, der mit der US-Intervention im Irak 2003 seinen Ausgang genommen hat, weiter befördern würde -, schlägt sich in den Rüstungsimporten auf der arabischen Seite des Persischen Golfs nieder: Saudi-Arabien hat 2014 um 54 Prozent mehr für Rüstungsgüter ausgegeben und damit Indien als größten Waffenimporteur abgelöst, meldet der Business-Analyst IHS am Wochenende.

Den iranischen Technologievorsprung im nuklearen Bereich versuchen die Golfaraber durch die Hochrüstung ihrer Armeen - ein Bereich, den der Iran eher vernachlässigt - auszugleichen. Es wird damit gerechnet, dass die saudische Kauflust heuer weiter über fünfzig Prozent auf bis zu knapp zehn Milliarden Dollar steigt, aber schon jetzt geben Saudi-Arabien und die kleinen Vereinigten Arabischen Emirate zusammen mehr aus als ganz Westeuropa.

Die goldene Nase verdienen sich vor allem die US-Waffenindustrien, aber Saudi-Arabien ist etwa auch zum größten Abnehmer Kanadas aufgestiegen. In Deutschland beginnt die Union zu quengeln, dass die SPD ihre Ablehnung des Verkaufs von schweren Waffen an Saudi-Arabien aufgeben muss. Krisenregion hin, Blogger Badawi her. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 9.3.2015)

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