Vom Suchen und Auswählen eines neuen OMV-Chefs

9. März 2015, 11:46
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Am Mittwoch nächster Woche könnte der Aufsichtsrat der OMV eine Vorentscheidung über die neue Spitze treffen. Ein Personalfinder erzählt, wie so ein Auswahlprozess abläuft und warum Diskretion wichtig ist

Wien - Alle namhaften Führungskräfte mit direktem oder indirektem Bezug zu Energie oder verwandten Themen sind in den vergangenen Monaten auf einer Liste von Korn Ferry gelandet. Der Personalfinder ist vom OMV-Aufsichtsrat im Herbst mit der Suche nach einem Nachfolger für Gerhard Roiss an der Spitze des Mineralölkonzerns beauftragt worden. Am 18. März wird das 15-köpfige Gremium eine Vorentscheidung treffen.

Dem Aufsichtsrat sitzt noch ÖIAG-Chef Rudolf Kemler vor, die treibende Kraft hinter Roiss' Ablöse. Kemlers Tage sind ebenfalls gezählt. Aus der ÖIAG, die den 31,5-Prozent-Anteil der Republik an Österreichs wichtigstem Unternehmen hält, wird die ÖBIB (Österreichische Bundes- und Industriebeteiligungsholding). Bei der OMV-Hauptversammlung am 19. Mai wird der Konzern auch einen neuen Aufsichtsratschef erhalten.

Drunter und drüber

Durch die vorzeitige Auflösung des Vertrags von Roiss Mitte 2015, die vom OMV-Aufsichtsrat am 9. Oktober 2014 beschlossen wurde, ist Dynamik in die Sache gekommen. Plötzlich schien David Davies, Finanzchef der OMV und Generaldirektorvize, die einzige Konstante im Führungsteam zu sein, zumal auch Produktionsvorstand Jaap Huijskes seinen vorzeitigen Abschied angekündigt hatte.

Gasvorstand Hans-Peter Floren, der sich Wortgefechte mit Roiss lieferte, musste weichen; sein Bereich wurde mit dem von Vorstandsdirektor Manfred Leitner verantworteten Raffinerie- und Tankstellengeschäft fusioniert.

Hausberater der OMV

Korn Ferry ist der Hausberater der OMV, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen geht. Über die Jahre hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt, wozu auch Verschwiegenheit zählt. Beim Thema OMV gibt man sich denn auch verschlossen. Nicht so Mladen Kasagic, Chef des Headhunters TheXecutives. Er hat kein OMV-Mandat und kann sagen, wie Personalfindung geht.

"Es ist ein strukturierter, recherchebasierter Prozess, wo man in der Projektvorbereitung sehr viel Zeit aufwendet, das richtige Profil zu erstellen", sagte Kasagic dem STANDARD. Im Schnitt landeten 60 bis 100 Personen auf der Liste. Vorab sei zu klären, welche Industrien man adressiert. "Im Fall der Roiss-Nachfolge nur Leute aus dem Öl- und Gasbereich oder auch aus der Chemie? Soll man Personen aus dem Konsumgüterbereich ansprechen, oder würden solche mit Telekom-Background auch passen? Im konkreten Fall meine ich, Konsumgüter eher nicht, weil zu weit weg von den Prozessen und Vertriebskanälen der OMV."

Erste Anfrage telefonisch

Die erste Kontaktaufnahme erfolge telefonisch und sei nicht einfach. Kasagic: "Die Leute sind viel unterwegs, es soll vertraulich sein, die meisten haben zwei, drei Leute, die sie abschirmen."

Dann gelte es auszuloten, ob prinzipiell Interesse vorhanden sei und ob der Kandidat in das Anforderungsprofil passt. Ist dem so, folge ein persönliches Interview, normalerweise auf neutralem Boden. Aus der Longlist wird eine Shortlist. Diese ist dann die Entscheidungsgrundlage für den Aufsichtsrat. Selbstverständlich müsse alles sehr diskret sein. Denn am Ende gebe es einen Sieger und niemand soll wissen, dass die anderen 70, 80 oder mehr Personen in den Prozess involviert waren.

Findungsprozess dauert halbes Jahr

Von den ersten Vorbereitungen bis zur Entscheidung dauere es in der Regel ein halbes Jahr. Bleibe dann noch die Frage, wie schnell sich der Kandidat oder die Kandidatin aus einem bestehenden Vertrag lösen kann oder nicht.

Wenn es um die Bestellung einer neuen Führungskraft wie aktuell im Fall der OMV geht, ist Diskretion oberste Priorität. Ein Personalberater lässt sich dennoch in die Karten schauen und sagt, was Sache ist. (Günther Strobl, DER STANDARD, 9.3.2015)

  • Wenn es um die Bestellung einer neuen Führungskraft wie aktuell im Fall der OMV geht, ist Diskretion oberste Priorität. Ein Personalberater lässt sich dennoch in die karten schauen und sagt, was Sache ist.
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    Wenn es um die Bestellung einer neuen Führungskraft wie aktuell im Fall der OMV geht, ist Diskretion oberste Priorität. Ein Personalberater lässt sich dennoch in die karten schauen und sagt, was Sache ist.

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