Teurer Tunnel, touristische Träume

9. März 2015, 05:30
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Da ein Naturschutzgebiet dazwischenliegt, sollen zwei oberösterreichische Skigebiete über eine Standseilbahn verbunden werden

Linz – Außer Streit steht, dass es Oberösterreichs Skigebiet Wurzeralm an Attraktivität fehlt. Alte Lifte und fehlende Beschneiungsanlagen führten dazu, dass immer weniger Gäste ihren Skiurlaub in der Pyhrn-Priel-Region verbringen. Auf der Suche nach Möglichkeiten zur Belebung des Wintertourismus scheiden sich jedoch die Geister.

Vor allem eine wieder ins Spiel gebrachte Idee, das Familienskigebiet Wurzeralm und die Höss in Hinterstoder zu verbinden, sorgt für Unruhe. Nachdem aus naturschutzrechtlichen Gründen eine Gondel über das Warscheneck nicht möglich ist, soll es nun durch das Karstgestein gehen. Ein 4,5-Kilometer-Tunnel von der 1800 Meter hohen Frauenkar-Bergstation der Wurzeralm bis zum unteren Loigisttal in Vorderstoder steht zur Diskussion. Die Fahrt mit der unterirdischen Standseilbahn würde für 800 Höhenmeter zehn Minuten dauern. Für die Verbindung von Vorderstoder nach Hinterstoder müssten weitere Liftanlagen gebaut werden. Mindestens 100 Millionen Euro würde die Schaffung dieser Skischaukel kosten, besagen erste Schätzungen.

Trotz dieser enormen Kosten wird an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet. Mit dem Ergebnis ist demnächst zu rechnen. Die Gemeinden Hinterstoder und Vorderstoder haben in ihren Gemeinderatssitzungen jedenfalls die notwendigen Flächenwidmun-gen bereits beschlossen. Die Hinterstoder-Wurzeralm-Bergbahnen (Hiwu) AG will vor der Präsentation der Machbarkeitsstudie nichts Näheres zu den Tunnelplänen sagen.

Ablehnung von Megaprojekt

Umso lauter melden sich dagegen die Alpinvereine und die Grünen zu Wort. Dieser Eingriff in die Natur sei völlig unverantwortlich. So sah das auch die SPÖ - zumindest bisher. SPÖ-Naturschutzsprecherin Gerda Weichsler-Hauer stößt sich zumindest an der Dimension des Vorhabens. Ihre Partei habe deshalb zu dem "unverhältnismäßigen Megaprojekt eine klar ablehnende Haltung".

Vorige Woche nun lud der rote Landesparteichef und Landesrat Reinhold Entholzer zur Talstation der Wurzeralm-Bahn nach Spital am Pyhrn. Mit von der Partie bei der Pressekonferenz: sein Parteigenosse Ägidius Exenberger, Bürgermeister und Hotelier in Spital sowie eine treibende politische Kraft hinter dem Tunnelprojekt. Nach der Visite äußerte sich der Landeschef deutlich verhaltener als Weichsler-Hauer. Da er keine Details zu dem Tunnelprojekt kenne, wolle er auch nicht über die Sinnhaftigkeit entscheiden.

Bevor er deswegen streite, wolle er jetzt lieber über die Sanierung der Wurzeralm sprechen: Erneuerung des Frauenkar-Sessellifts, Schneekanonen für die Gammering-Talabfahrt. Das allein würde rund 18 Millionen Euro kosten. Entholzer, ressortmäßig für die SPÖ-regierten Gemeinden zuständig, kündigte eine Finanzierungsbeteiligung an. Jedoch will er auch den Mehrheitseigentümer der Hiwu-AG in die Pflicht nehmen: Peter Schröcksnadel.

Die Hutterer Höss in Hinterstoder soll mit dem kriselnden Skigebiet Wurzeralm über einen 4,5 Kilometer langen Tunnel verbunden werden, um mehr Touristen auf die Wurzeralm zu locken. Mindestens 100 Millionen Euro soll das kosten. (Kerstin Scheller, DER STANDARD, 9.3.2015)

  • Die Hutterer Höss in Hinterstoder soll mit dem kriselnden Skigebiet  Wurzeralm über einen 4,5 Kilometer langen Tunnel verbunden werden, um  mehr Touristen auf die Wurzeralm zu locken. Mindestens 100 Millionen  Euro soll das kosten.
    foto: apa / herwig grabner

    Die Hutterer Höss in Hinterstoder soll mit dem kriselnden Skigebiet Wurzeralm über einen 4,5 Kilometer langen Tunnel verbunden werden, um mehr Touristen auf die Wurzeralm zu locken. Mindestens 100 Millionen Euro soll das kosten.

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