Burnout und Steuertricks: Was hinter Microsofts "Minecraft"-Kauf steckt

8. März 2015, 14:56
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Computerspiel stand auch zum Verkauf, weil der Gründer von seinen "Fans" genug hatte

Als Kind spielte Markus Persson gern mit Lego – und programmierte schon im Alter von acht Jahren ein erstes simples Computerspiel. Mittlerweile hat Persson mit "Minecraft" das "Lego unserer Generation" erfunden, wie der Videospiel-Professor Ian Bogost vom Georgia Institut of Technology erklärt. Hunderte Millionen Mal wurde das Spiel, in dem Nutzer mit kleinen Blöcken Gegenstände erschaffen können, mittlerweile heruntergeladen. Seit rund einem halben Jahr passiert all das unter der Ägide von Microsoft – der IT-Gigant konnte Minecraft vergangenen September überraschend für 2,5 Milliarden erwerben. Das Magazin "Forbes" hat nun erstmals ausführlich die Hintergründe des Deals beleuchtet.

Zuvor über Ausverkauf geschimpft

Fakt ist: Der Zeitpunkt für den Minecraft-Kauf war ideal, für beide Seiten. Davor hatte Persson einen Ausverkauf immer ausgeschlossen, Monate zuvor noch heftig auf Oculus VR geschimpft, nachdem es von Facebook übernommen worden war. Doch Persson war seiner Rolle in Minecraft überdrüssig geworden. Als "Notch" war er in der Spielwelt omnipräsent, erklärte Regeln und schlichtete noch jeden komplizierten Streitfall. Daran hatten die Millionen an Profit, die Minecraft seit Jahren abwarf, wenig geändert.

"Spieler sind gemein"

Doch zusehends wurden die Minecraft-Spieler wütend und ausfällig gegen ihre Gründer. Er verstünde nicht, "warum die Fans so gemein sind", so Persson gegenüber Forbes. Als Minecraft im vergangenen Juni neue Lizenzen einführte, die den Verkauf von Objekten zwischen Spielern einschränkten, wurde es Persson zu viel: Hunderte boshafte Tweets verfolgten ihn, noch mehr E-Mails gingen ein. "Will irgendjemand meinen Anteil an (Minecraft-Betreiber, Anm.) Mojang kaufen, damit ich in meinem Leben vorankomme?", schrieb Persson auf Twitter.

30 Sekunden bis zum Anruf

Als Mojang-CEO Carl Manneh diese Nachricht sah, wusste er, dass es bald rundgehen würde. Denn schon zuvor waren große Firmen Schlange gestanden, um Minecraft zu übernehmen oder zumindest zu investieren. Doch der Tweet löste eine Explosion aus: Schon dreißig Sekunden, nachdem Manneh ihn entdeckt hatte, klingelte sein Smartphone. Am anderen Ende der Leitung: Microsoft. Darauf folgten Electronic Arts, Activision und andere Gaming-Giganten.

Microsoft wollte Geld sparen

Am Ende entschied sich Persson für Microsoft. Obwohl er seinen Tweet in Rage abgesetzt hatte, wurde der Reiz, Minecraft hinter sich zu lassen, immer größer. Gleichzeitig stimmte Microsoft den meisten Bedingungen der Minecraft-Macher zu. Wie Forbes enthüllt, steckt dahinter, dass der IT-Konzern bis zu 93 Milliarden Dollar in Europa bunkerte. Wollte man diese Summe in die USA überführen, müssten eine Menge an Steuern nachgezahlt werden. Da war es sinnvoller, 2,5 Milliarden davon in Minecraft zu investieren. Schlussendlich war die größte Übernahme der Gaming-Branche also "nichts als ein Steuertrick", so Forbes.

Sinnsuche

Tatsächlich wird Minecraft auch weiterhin allen anderen Spieleplattformen erhalten bleiben. Xbox One-Nutzer sollen lediglich vorab Exklusivinhalte erhalten. Persson will indes an einem neuen Spiel arbeiten. Doch seit dem Deal lebt der Neo-Milliardär vor allem in Saus und Braus: Er kaufte sich die teuerste Villa in Beverly Hills und soll regelmäßig hunderttausende Dollar beim Fortgehen ausgeben. Seine neue Firma bezeichnet er als "Kindergarten für Erwachsene", die zündende Idee ist ihm noch nicht gekommen. Den Deal mit Microsoft bereut er trotzdem nicht, auch wenn er sich selbst durchaus als Verräter sieht. "Es ging nicht ums Geld, sondern meine geistige Gesundheit", so Persson abschließend. (fsc, derStandard.at, 8.5.2015)

  • Minecraft ist vor allem bei Jüngeren beliebt, es gilt als das "Lego" der jungen Generation
    foto: reuters/jackson

    Minecraft ist vor allem bei Jüngeren beliebt, es gilt als das "Lego" der jungen Generation

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