Österreicher nach IS-Angriff auf Ölfeld in Libyen weiterhin vermisst

8. März 2015, 17:34
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Außenamts-Generalsekretär Linhart: "Weder Lebenszeichen noch Todesbeweis" – Behörden arbeiten eng mit Tschechien und Libyen zusammen

Wien/Linz/Tripolis – Nach einem Angriff der jihadistischen Organisation "Islamischer Staat" (IS) auf ein Ölfeld in Libyen werden ein 39-jähriger Oberösterreicher und mehrere andere Personen, darunter auch ein Tscheche, weiterhin vermisst. "Es gibt derzeit von dieser Gruppe von Ausländern weder ein Lebenszeichen noch einen Todesbeweis", teilte Außenministerium-Generalsekretär Michael Linhart am Sonntag mit.

Im Anschluss an eine weitere Sitzung des Krisenstabes am Sonntag unter Linharts Leitung hieß es aus dem Außenministerium, dass nach wie vor kein Kontakt zu der seit Freitagnachmittag "vermissten Gruppe von Ausländern" bestehe. Dem Krisenstab gehören Vertreter des Außenministeriums, des Innenministeriums und des Verteidigungsministeriums an.

Personengruppe verschwunden

Mit Sicherheit wisse man zurzeit nur, dass die für eine internationale Ölfeldmanagementfirma beschäftigte Personengruppe verschwunden sei, hieß es zudem aus dem Außenministerium. Nachdem es keinerlei Kontakt zu der Gruppe der Vermissten gebe, seien auch keine Forderungen – etwa nach Lösegeldern – eingegangen. Somit wurde ein entsprechender Bericht der Tageszeitung "Österreich" (Sonntag), die am Vortag zunächst unter Berufung auf nicht näher genannte libysche Quellen über die Vermissten berichtet hatte, bestätigt.

"Die Attacke auf das Ölfeld dürfte durch eine Gruppe von IS-Terroristen erfolgt sein, die aus der Gegend von Sirte stammen", teilte Linhart weiter mit. "Die IS-Terroristen aus Sirte waren bekanntlich in der Vergangenheit unter anderem auch für die brutale Hinrichtung einer Gruppe von koptischen Christen verantwortlich."

"Das Außenministerium ist mit allen betroffenen Staaten sowie mit den libyschen Behörden in engem Kontakt. Mit unseren tschechischen Kollegen stimmen wir uns eng ab, ein tschechischer Experte wurde auch in die Beratungen des österreichischen Krisenstabs eingebunden", erklärte Linhart weiter. "Darüber hinaus halten wir selbstverständlich engsten Kontakt mit anderen befreundeten Staaten und Institutionen, die in dieser Region über besondere Expertise verfügen." Seitdem das Außenministerium über diese Situation informiert worden sei, stehe Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) "laufend in direktem telefonischem Kontakt" mit seinen Amtskollegen aus den betroffenen Staaten.

Botschaft in Tunesien eingeschaltet

Auch die österreichische Botschaft in Tunesien ist eingeschaltet, da die österreichische Botschaft in Libyen wegen der dortigen bewaffneten Auseinandersetzungen geschlossen wurde. Ein österreichischer Experte sei von Wien nach Djerba in Tunesien geschickt worden, um die Kollegen an Ort und Stelle zu unterstützen, hieß es aus dem Außenministerium.

Die übrigen Mitglieder der Gruppe von Vermissten kommen dem Vernehmen nach von den Philippinen, aus Pakistan und aus dem Sudan. Seit der IS-Attacke auf das zentrallibysche Ölfeld Al-Ghani am Freitag galten mindestens sieben Ausländer als vermisst. Das bestätigte Libyens staatliche Ölgesellschaft am Samstagabend. Bei dem Angriff wurden nach Agenturmeldungen elf Sicherheitsleute getötet. Einige davon seien enthauptet worden. Die Armee hatte laut einem Sprecher der Al-Ghani-Ölanlagen nach dem Eintreffen von Verstärkung bereits am Freitag wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Die Mitarbeiter des Ölfeldes seien in die nahegelegene Stadt Zillah geflohen, hieß es.

Nach Angaben der "Kronen Zeitung" (Sonntagsausgabe) soll der 39-jährige Oberösterreicher aus Linz stammen. Einem Großcousin zufolge soll der 39-Jährige "noch vor einer Woche zum Heimatbesuch in Linz" gewesen sein, berichtete die "Kronen Zeitung" weiter. Der Vermisste soll eine Unteroffiziersausbildung absolviert haben. Weder die Polizei Oberösterreich noch das Innenministerium wollten den Fall kommentieren. An beiden Stellen verwies man an das Außenministerium, welches die Berichte zur Person des vermissten Österreichers weder bestätigte, noch dementierte.

In Libyen liefern sich seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Herbst 2011 rivalisierende Milizen erbitterte Kämpfe um die Kontrolle von Städten und Ölfeldern. Schon am Dienstag hatten radikale Islamisten die Ölfelder Al-Mabruk und Al-Bahi rund 200 Kilometer südlich der Küstenstadt Sirte in ihre Gewalt gebracht. Die Nationale Ölgesellschaft drohte mit der Einstellung der Ölförderung, sollte sich die Sicherheitslage nicht bessern. Die Ölförderung ist seit dem Sturz Gaddafis massiv eingebrochen. In Libyen ist auch der österreichische Ölkonzern OMV engagiert. Auch die OMV-Produktion steht wegen der prekären Sicherheitslage seit einiger Zeit still. (APA, 8.3.2015)

  • Die IS-Terroristen überfielen das Ölfeld Al-Ghani am Freitagnachmittag.
    foto: reuters

    Die IS-Terroristen überfielen das Ölfeld Al-Ghani am Freitagnachmittag.

  • Artikelbild
    grafik: apa
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