Endlich Karriere!

7. März 2015, 08:30
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Der Karrieresprung Michael Spindeleggers hat nicht überall die Würdigung erfahren, die er verdient

Der Karrieresprung Michael Spindeleggers hat nicht überall die Würdigung erfahren, die er verdient. Dabei hat er sich endlich den Lebenstraum jedes gewesenen ÖVP-Ministers erfüllt: selbstständiger Unternehmer. Als "selbständiger Unternehmer", wie sich der ehemalige ÖVP-Chef nunmehr bezeichnet, will er von Wien aus den Wiederaufbau der Ukraine lenken und das Land nach westlichem Vorbild reformieren, konnte der "Kurier" melden. Eine Aufgabe, des Schweißes der Edlen wert.

Burundi oder Tschetschenien

Andere, die mit ihm das gleiche Politikerschicksal teilten, haben es nicht so gut getroffen. Josef Pröll lenkt irgendetwas bei Raiffeisen, Maria Fekter vielleicht eine Schottergrube, Molterer lenkt nichts, aber dafür in der Europäischen Investitionsbank, und Hans Jörg Schelling hat noch etwas Zeit, sich zu entscheiden, ob er demnächst den Wiederaufbau in Burundi lenken oder Tschetschenien nach westlichem Vorbild reformieren will.

Wenn du ein solches Angebot erhältst, stürzt du dich natürlich mit Begeisterung in die Arbeit. Den Ukrainern ist die Agentur noch nicht bekannt, aber das wird schon werden. Zu einer Vergütung, die sich an internationalen Tarifen orientiert, kommt für Spindelegger ein beträchtlicher moralischer Vorteil, wie der in Wien festsitzende ukrainische Oligarch Dmitri Firtasch in der "Presse" erläuterte: In Österreich war er Politiker, der von Wahlen abhängt wie ein Drogensüchtiger. Jetzt ist er Privatmann. Er braucht von den Ukrainern nicht gewählt zu werden.

Neben Purkersdorf die Ukraine aufhalsen

Dass Demokratie die Drogensucht befördert, gilt in breiten Kreisen des Landes, das Spindelegger nun nach westlichem Vorbild reformieren soll, als erwiesen. Um Österreich zu reformieren, war er nicht drogensüchtig genug, aber jetzt ist Entzug angesagt. Auf der Suche nach einem Komplicen setzte er einen überraschenden Schritt. "Spindelegger hat mich kontaktiert, es ist ein interessantes Projekt", sagte Schlögl laut "Kurier" zur APA.

Der ehemalige SPÖ-Innenminister tut sich aber schwer, Spindis Lockrufen in das dreiköpfige Direktorium zu folgen. "Es kann keine Tätigkeit sein, die mich zeitlich allzu sehr belastet. Ich bin in erster Linie Bürgermeister", beschied er Neugierigen. Verständlich - sich neben Purkersdorf auch noch die Ukraine aufhalsen zu lassen kann einen leicht überfordern. In Österreich müssen politische Genies bekanntlich erst tot sein, um Direktor der Agency for the Modernisation of Ukraine werden zu können, und auf Schlögl trifft das noch nicht ganz zu. Aber der Titel hätte was - angehängt an Bürgermeister von Purkersdorf.

Entfesselungskünstler

Ein sozialer Aufstieg wie der Spindeleggers ruft natürlich Neider auf den Plan. In der "Presse" ließ es Oliver Pink nicht an Häme fehlen, als er glaubte, den Aufsteiger ihren ukrainischen Lesern als großen Entfesselungskünstler vorstellen zu müssen. Er hat aber auch Sebastian Kurz erfunden, der Ihnen sicher schon untergekommen ist. Und vor der Parlamentswahl 2013 tänzelte er im TV-Studio herum wie Wladimir Klitschko in seinen besten Zeiten. Zu erkennen ist Herr Spindelegger relativ einfach - googeln Sie einfach "Loriot".

Da ging der politische Analyst vom Schlage eines Claus Pándi Mittwoch in der "Kronen Zeitung" schon tiefer. Es klingt wie ein Witz, ist aber wahr. Michael Spindelegger arbeitet jetzt für ukrainische Oligarchen. Eine bessere, also seriöse Beschäftigung war auf dem angespannten Arbeitsmarkt offenbar nicht zu finden.

Die Ehre Österreichs

Der "Krone" ging es dabei um die Ehre Österreichs. Nun bleibt es jedem selbst überlassen, wofür man sich hergibt. Aber diese Angelegenheit betrifft die Reputation des Landes und ihres politischen Führungspersonals. Nach den halblustigen Erfahrungen mit Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner als Generalsekretärin des eigenartigen Saudi-Zentrums findet nun wieder ein ÖVP-Politiker Zuflucht in einer obskuren Organisation. Das sagt nicht wenig über die berufliche Qualifikation von Spitzenpolitikern aus.

Dagegen verwahrte sich einen Tag später Michael Jeannée. Scherz und Ironie ohne: Ich freue mich für Sie, dass Sie wieder "da" sind, säuselte er und haute den Sack, den Esel meinend: Logo, dass da so manch spitze Feder genüsslich zuschlug. Wie jene des "Presse"-Kolumnisten Oliver Pink, der den Ukrainern empfiehlt, um ihren neuen "Entfessler" Michael Spindelegger kennenzulernen, bräuchten sie bloß "Loriot" zu googeln.

Man kann es einfach nicht allen recht machen. Aber das ist eine Erfahrung, für die der neue ukrainische Direktor nicht erst die "Krone" brauchte. (Günter Traxler, 7.3.2015)

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