Moody's stuft Land Kärnten empfindlich herab

6. März 2015, 23:11
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Die Ratingagentur Moody's hat die Bewertung Kärntens um vier Stufen gesenkt, auch der Ausblick ist negativ

Wien - Die Ratingagentur Moody's hat die Bewertung Kärntens um vier Stufen, von A2 auf Baa3 gesenkt und den bisher stabilen Ausblick auf negativ gesetzt. Baa3 ist die letzte Stufe, die noch nicht "spekulativ" ist. A2 signalisierte hingegen eine sichere Anlage. Die Maßnahme sei eine Reaktion auf die von der FMA gestartete Abwicklung und das Zahlungsmoratorium für die ehemalige Hypo Alpe Adria, jetzt Heta.

Moody's erinnert in einer Aussendung am Freitagabend daran, dass Kärnten bei einem Jahresbudget von 2,2 Mrd. Euro für rund 10 Mrd. Euro an Heta-Papieren haftet. Die jetzige Verschlechterung des Ratings spiegle das deutlich gestiegene Risiko Kärntens bei Klagen von Anleihegläubigern, bei weiteren Maßnahmen der Finanzmarktaufsicht FMA und bei einer weiteren Abwertung von Heta-Anleihen wider. Dadurch könnte ein substanzieller Teil der Haftungen schlagend werden, was die Liquiditätsreserven Kärntens überfordern und eine "außerordentlicher Stützung durch den Bund" nötig machen könnte.

Bund würde unterstützen

Moody's hält es weiter für "sehr wahrscheinlich", dass der Bund Kärnten im Fall von Liquiditätsproblemen außertourlich unterstützen würde. Diese Einschätzung rettet Kärnten das Baa3, denn ohne gäbe es nur ein ba3, drei Stufen niedriger und gerade noch "spekulativ" (non investment grade). In dieser Stufe wäre bereits "bei Verschlechterungen mit Ausfällen zu rechnen". Positiv für Kärnten sind auch die robuste laufende Gebarung der letzten Jahre, moderate direkte Verschuldung und eine solide Liquidität.

Der negative Ausblick, den Moody's Kärnten verpasst hat, geht auf das Risiko einer Pfändung des Landes nach weiteren FMA-Entscheidungen und das hohe Klagsrisiko zurück. Eine weitere Verschlechterung des Ratings droht, wenn es während der Abwicklung der Heta Probleme gibt oder insbesondere wenn es zu einer Auslösung der vollen Haftungen kommen sollte. Auch aus Rechtsstreitigkeiten könnten sich Veränderungen ergeben, die zu einer weiter Abstufung führen.

Auch Pfandbriefbank droht Herabstufung

Zuvor hatte Moody's bereits bekanntgegeben, eine Ratingverschlechterung für Schuldscheine der Pfandbriefbank zu prüfen. Diese ist die operative Einheit der Pfandbriefstelle, über die Landeshypos und die Bundesländer wechselseitig für einander haften. Auch diese Prüfung sei eine Reaktion auf das Zahlungsmoratorium für die Heta.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wiederum erklärte, sie gehe weiter davon aus, dass die Republik Österreich den systemrelevanten Banken des Landes im Notfall mit außerordentlicher Unterstützung unter die Arme greifen würde. Diese Einschätzung gelte auch nach dem Zahlungsmoratorium für die Heta.

Daher gebe es bei S&P "keine unmittelbare Auswirkung auf Bank-Ratings in Österreich" durch die Maßnahme vom vorigen Wochenende, heißt es in einer Stellungnahme. Die Entscheidung der Republik, Zahlungen einzustellen und die Schulden für ein Bail-in (einen Schuldenschnitt) vorzubereiten, zeige zwar die wachsende Bereitschaft Österreichs, die Last von Bankenpleiten an Gläubiger weiterzugeben. Allerdings sei die Heta eine Abbaueinheit ohne Systemrelevanz.

Anderes vorgehen bei systemrelevanten Banken

"Zumindest kurzfristig" hält es S&P für wahrscheinlich, dass die Behörden bei systemrelevanten Banken anders vorgehen würden als bei der Heta und dabei insbesondere Banken wie Erste Group, RZB, RBI oder Bank Austria außerordentliche Regierungsunterstützung zur Verfügung stellen würden.

Die schon seit Juni 2014 vergebene negative Kreditaussicht (CreditWatch placements with negative implications) für die Systembanken zeige bereits die wachsenden Zweifel von S&P über die künftige Sicherheit solcher Unterstützung. Die Zweifel beruhen auch auf den stärkeren Instrumenten zur Abwicklung von Banken. Dabei gebe es noch offene Fragen, wie die Bankenabwicklung in der Praxis funktioniert. Der aktuelle Kommentar sei aber keine Ratingaktion, hält S&P fest. (APA, red, 6.3.2015)

  • In Kärnten ist nur die Landschaft idyllisch.
    foto: apa/barbara gindl

    In Kärnten ist nur die Landschaft idyllisch.

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