Winston Churchills Hutmacher droht Pleite

7. März 2015, 15:00
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Borsalino, der berühmte Hutmacher aus Alessandria, will Gläubigerschutz. Er ist überschuldet, die Finanzpolizei ermittelt

Der britische Premier Winston Churchill, US-Präsident Theodore Roosevelt, der letzte Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow - sie alle haben ihn getragen: den Borsalino. Und neben ihnen viele Filmstars: Humphrey Bogart in Casablanca, Marlon Brando, Marcello Mastroianni, zuletzt Leonardo DiCaprio in The Great Gatsby (2013). Sie alle passten zum Hut, und der Hut passte zu ihnen. Die Kopfbedeckung aus Alessandria wurde sogar zu einem Filmtitel: Alain Delon und Jean-Paul Belmondo trugen in Borsalino von 1970 als Banditen die entsprechenden Hüte.

Borsalino ist eine der bekanntesten Stilikonen Italiens - der Name bürgt für höchste Qualität und ist Inbegriff des gepflegten Herrenhuts. Der piemontesische Fabrikant hat unzählige Modelle im Sortiment - das wichtigste und bekannteste ist freilich der "Fedora": ein weicher Filzhut aus Kaninchenhaar, dessen Krempe vorn leicht nach unten geknickt ist und dessen Krone an der Vorderseite an beiden Seiten eingekniffen ist. Der "Fedora" ist der Hut der Gentlemen und Gangster: Italiens Ex-Staatspräsident Giorgio Napolitano verließ den Quirinalspalast nie ohne seinen Borsalino - aber auch von Chicagos Gangsterboss Al Capone gibt es kaum Fotos ohne.

Kampf ums Überleben

Doch nun kämpft die Hutfabrik ums Überleben: Das Unternehmen, das in den letzten zwanzig Jahren mehrmals die Besitzer gewechselt hat, ist überschuldet. Der Mehrheitsaktionär, der Mailänder Finanzjongleur Marco Marenco, hat sich vor Monaten ins Ausland abgesetzt und wird per Haftbefehl gesucht. Die Finanzpolizei führt ein Verfahren wegen Steuerbetrugs in Millionenhöhe.

Das Management will nun Gläubigerschutz beantragen, berichtet die Zeitung La Stampa. So könnten die rund 130 Mitarbeiter weiterbeschäftigt und eventuell ein neuer Investor gefunden werden.

Hart umkämpfter Markt

Ob dies gelingen wird, muss sich weisen. Zwar handelt es sich bei Borsalino um einen der stärksten italienischen Markennamen, aber die Branche kämpft gegen den Zeitgeist: Sowohl der Borsalino als auch der Stetson, sein amerikanischer Konkurrent, wurden von Baseball-Caps verdrängt. Wer trägt heute noch einen Borsalino, der gut und gern 200 bis 500 Euro kostet? Der Versuch, mit Accessoires zu diversifizieren und eine Franchisekette nach Vorbild von Benetton oder Stefanel aufzuziehen, funktionierte nicht wirklich.

Gegründet wurde Borsalino 1857 von Giuseppe Borsalino in dessen Heimatstadt Alessandria. Zur Jahrhundertwende wurden bereits 2500 Hüte täglich produziert. Nach Giuseppes Tod im Jahr 1900 expandierte Sohn Teresio Borsalino. Vor dem Ersten Weltkrieg verließen jährlich zwei Millionen Borselinos die Fabrik, die Zahl der Beschäftigten betrug 2500. Drei von fünf Hüten gingen ins Ausland, großteils in die USA, wo kaum ein Mann ohne Hut auf die Straße ging. Heute produziert Borsalino jährlich 100.000 Hüte. (Dominik Straub aus Rom, DER STANDARD, 7.3.2015)

  • Auch das ist ein Borsalino, handgemacht wie alle anderen.
    foto: reuters/garofalo

    Auch das ist ein Borsalino, handgemacht wie alle anderen.

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