Drogenkonsum: Therapie statt Verfolgung

Kommentar6. März 2015, 17:36
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Wenn nun Expertinnen und Experten dafür plädieren, die Grenzmenge für Cannabisprodukte zu erhöhen, ist das grundvernünftig

Die Einstellung der Österreicher kann man auch dem heimischen Liedgut entnehmen: "Jetzt trink' ma noch a Flascherl Wein, holloderoh!" animiert schon seit 1962 zum Griff nach dem Glas. Einem Griff, den laut einer neuen Studie 200.000 Landsleute zu exzessiv betreiben: Sie trinken mindestens zweimal pro Woche sechs Gläser oder mehr.

Es sind nicht nur die in den Medien beschriebenen Jugendlichen, die exzessivem Trinken frönen. Tatsächlich ist das Problem relativ gleichmäßig auf alle Altersgruppen verteilt. Arbeitslose und ungelernte Arbeiter suchen allerdings übermäßig häufig Trost und Vergessen in Korn, Bier, Schnaps oder Wein.

Gleichzeitig betreiben Exekutive und Justiz einen enormen Aufwand, um Cannabisdealer und -konsumenten zu erwischen. Exakt 22.798 Anzeigen wurden im Jahr 2013 bei der Staatsanwaltschaft erstattet, es kam zu mehr als 7000 Verurteilungen. Beschäftigen musste sich die Staatsanwaltschaft aber mit jeder einzelnen, auch wenn sie dann zurückgelegt wurde.

Wenn nun Expertinnen und Experten dafür plädieren, die Grenzmenge für Cannabisprodukte zu erhöhen, ist das grundvernünftig. Noch viel vernünftiger ist es, das so eingesparte Geld nicht einfach ins Budget fließen zu lassen, sondern für Therapiemöglichkeiten zu verwenden - egal, ob gegen legalen oder illegalen Konsum.(Michael Möseneder, DER STANDARD, 7.3.2015)

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