Unternehmensgründungen: Orientierung im Förderdschungel

13. März 2015, 09:00
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In Österreich stehen für Gründer viele Fördertöpfe zur Verfügung. Bei der Beantragung dieser Zuschüsse gibt es jedoch wichtige Punkte zu berücksichtigen, damit etwa das EU-Beihilfenrecht nicht verletzt wird. Über Möglichkeiten und Stolpersteine

Wien – Der Weg zur Bank wegen eines Gründungskredits führt oft so schnell wieder aus der Filiale, als er hoch motiviert hinein geführt hat. Fehlende Sicherheiten und mangelnde Unterlagen sind oft die Gründe dafür, warum eine Bank bei der Umsetzung von Ideen nicht hilft oder helfen kann. Einen Ausweg bieten hier Förderungen, die es für verschiedene Bereiche und für die unterschiedlichen Entwicklungsstadien eines Unternehmens gibt.

In Österreich gibt es viele verschiedene Töpfe, aus denen Förderungen vergeben werden:

  • AWS Die Austria Wirtschaftsservice GesmbH hat mehrere Instrumente. Sie vergibt zinsgünstige Kredite, Zuschüsse und übernimmt auch Garantien – etwa für Bankkredite. Mit dem Gründerfonds (siehe Folder links) erfolgen auch direkte Beteiligungen an Unternehmen. Förderungen beantragen können alle Unternehmen, ausgenommen jene, die im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft tätig sind. Für sie gibt es die
  • ÖHT, die Österreichische Hotel- und Tourismusbank GesmbH. Sie vergibt Förderungen und Kredite und übernimmt auch Haftungen gegenüber Kreditinstituten.
  • KPC, die Kommunalkredit Public Consultig GmbH fördert Maßnahmen, die zu einer Verringerung der Umweltbelastung führen. Schwerpunkte sind Energiesparen, Energieversorgung und Mobilität.
  • FFG Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft hat sich auf die Förderung von unternehmensnaher Forschung und Entwicklung spezialisiert.
  • AMS Auch das Arbeitsmarktservice bietet Förderungen an, vor allem für die Aufnahme von Mitarbeitern und für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern.

Zudem gibt es auch mehrere Landesförderstellen – einen guten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten bietet etwa die Homepage der Wirtschaftskammer Österreich, die auch eine eigene Beratung zum Thema Gründung und Förderung anbietet.

  • Zeitpunkt Wer sich entschließt, eine Förderung für sein Projekt zu beantragen, muss das rechtzeitig tun, sagt Kurt Leutgeb, Leiter der AWS-Abteilung Garantien und Prämien. Denn ein zu spät eingebrachter Antrag sei ein häufiger Stolperstein. Eingebracht werden muss der Antrag bevor ein Projekt beginnt. Also bevor eine Maschine gekauft oder eine notwendige Weiterbildung begonnen wird, nennt Leutgeb im Gespräch mit dem STANDARD Beispiele. Wichtig ist das seit Sommer 2014 wegen dem EU-Beihilfenrecht. Immer wieder komme es vor, dass Anträge zu spät einlangen, weswegen eine Ablehnung erfolge. Unterlagen Die für den Förderantrag notwendigen
  • Unterlagen sowie die Beschreibung des Geschäftsmodells und die Umsatzplanung müssen vorhanden sein. Immer wieder komme es laut Leutgeb vor, dass Unterlagen fehlen, was den Förderantrag dann verzögere.
  • Durchrechnung Die Frage, um die es bei diesem Punkt geht ist: Kann ich die Finanzierung für ein Projekt auch rückführen. Was von Jungunternehmern zwar bedacht wird sind Posten wie die Zinsen auf das Fremdkapital. Vergessen werde laut Leutgeb aber häufig auf die Betriebsmittelfinanzierung, also auf laufende Kosten wie etwa die Miete. "Es wird sich dann schon ausgehen", ist ein Satz, den Leutgeb dann oft hört. Wenn das Geld knapp werde, weil unvorhergesehene Dinge passieren – was bei einer Neugründung in der Natur der Sache liege – werde das Geld dann rasch knapp. Auch die Frage, wann mit ersten Umsätzen zu rechnen ist und wie man die Kosten bis dahin finanziert, ist eine, die sich Jungunternehmer zu selten stellen. Hier rät Leutgeb dazu, auch einen Berater zu engagieren, der solche Fragestellungen mit den Gründern erarbeitet. Je mehr Gedankenleistung im Vorfeld erbracht wird, desto weniger bedrohlich können unvorhergesehene Dinge sein.
  • Abrechnung Ist ein Projekt – etwa im Rahmen einer Förderung – abgeschlossen, muss dieses auch abgerechnet werden. Dafür braucht es Rechnungen, Umsatztabellen und andere Unterlagen. Die Disziplin, Rechnungen ordentlich abzulegen, zu beschriften und zu sortieren, zeige sich in der Praxis aber selten. Auch das gehört für Leutgeb zu den klassischen Stolpersteinen, denn am Ende brauche es auch eine gute Buchhaltung und wer das nicht von Beginn an darum kümmert, hat am Ende einen bürokratischen Aufwand, der Nachfolgeförderungen wieder verzögern kann.

Wer sich an Geldgeber erst einmal herantasten möchte, kann das mit dem Equity-Finder der AWS tun. Auf dieser Plattform sollen Projekte und Investoren zueinanderfinden. 500 Unternehmen präsentieren sich dort derzeit – 264 Investoren sind registriert. Ziel des AWS ist es, jährlich eine Milliarde Euro an Finanzierungsleistung zur Verfügung zu stellen. 2013 wurden in Summe 915 Mio. Euro investiert. 593 Mio. Euro wurden als Kredite vergeben, 196 Mio. Euro in Form von Garantien übernommen, rund 100 Mio. Euro an Zuschüssen verteilt, 16 Mio. Euro als Eigenkapital verteilt und 10 Mio. Euro für Coaching zur Verfügung gestellt.

Auf jeden Fall sollten sich Jungunternehmer nicht scheuen, einen Antrag auf Förderung zu stellen. Selbst wenn dieser nicht durchgeht, bekommt der Antragsteller vom AWS immer auch ein Feedback, warum es nicht geklappt hat. Oft seien es noch Hausaufgaben, die erledigt werden müssen. Dann könne ein Projekt auch erneut eingereicht werden, denn eine Ablehnung heiße nicht, dass man die Chance verpasst hätte, betont Leutgeb. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 13.3.2015)

  • Wie viel Geld brauche ich, um mein Unternehmen zu starten? Was kostet die Expansion? Fragen wie diese sind für Jungunternehmer oft nur schwer zu beantworten, aber wichtig für die Kapitalgeber.
    foto: reuters/dado ruvic

    Wie viel Geld brauche ich, um mein Unternehmen zu starten? Was kostet die Expansion? Fragen wie diese sind für Jungunternehmer oft nur schwer zu beantworten, aber wichtig für die Kapitalgeber.

  • Kurt Leutgeb: "Gründer müssen ihre Hausaufgaben machen".
    foto: ho

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  • Informationen zum aws-Gründerfonds I

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  • Informationen zum aws-Gründerfonds II

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