Produktionsschule als Sprungbrett für Jugendliche

6. März 2015, 13:55
5 Postings

Überbrückungsmaßnahme soll Jugendliche auf dem Weg in eine berufliche oder weitere schulische Ausbildung unterstützen

Wien - Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen noch nicht bereit sind, nach Ende der Schulpflicht eine weiterführende Ausbildung oder Schule zu machen, sollen künftig in "Produktionsschulen" gezielt darauf vorbereitet werden. Das erklärte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) am Freitag vor Journalisten. Im Pilotjahr 2014 durchliefen fast 1.300 Jugendliche das Angebot, heuer sollen es 2.000 sein.

Bei einer Produktionsschule handelt es sich um eine auf ein Jahr ausgelegte Überbrückungsmaßnahme auf dem Weg in eine berufliche oder weitere schulische Ausbildung. Jugendliche werden auf mehreren Ebenen unterstützt: Praktisches Arbeiten wird in einem Trainingsmodul erlernt, in der "Wissenswerkstatt" versuche man auch schulische Defizite aufzuholen, außerdem gibt es verschiedene persönlichkeitsbildende sowie Sport- und Bewegungsangebote, erklärte Charlotte Welzl, die mit der "Volkshilfe Jobfabrik" eine solche Einrichtung stellvertretend leitet.

Die meisten Teilnehmer hätten "schlechte Startvoraussetzungen", viele schlechte Erfahrungen in der Schule gemacht und könnten nur dementsprechend durchwachsene Zeugnisse vorweisen. Wenn dann gleich die ersten Absagen auf der Suche nach Lehrstellen folgen, führe das zu Demotivation. Dem könne man gegensteuern, indem die Jugendlichen in Trainings fordernde, aber machbare Aufgaben bearbeiten. Oft müsse erst gelernt werden, dass ihre Arbeit auch etwas wert sein kann, so Welzl.

Berufliche Assistenz

Solche Angebote seien wichtig, "auch wenn es da oder dort länger dauert und viel Unterstützung braucht", so Hundstorfer angesichts der Tatsache, dass Menschen mit lediglich einem Pflichtschulabschluss ein sechs Mal so großes Risiko haben, arbeitslos zu werden oder von Altersarmut betroffen zu sein. Integriert werden die Produktionsschulen - ob das Angebot dann flächendeckend auch so heißen wird, sei noch offen - in das "Netzwerk Berufliche Assistenz" (NEBA). Über diese Initiative, die österreichweit etwa 200 Anbieter repräsentiert, wurden im vergangen Jahr 48.800 behinderte, in irgendeiner Form benachteiligte oder ausgrenzungsgefährdete Jugendliche betreut, erklärte Günther Schuster vom Sozialministerium. 35.500 davon wurden im Rahmen des "Jugendcoachings" unterstützt. Hier zeige sich, wer eine intensivere Vorbereitung im Rahmen einer Produktionsschule brauche.

Neu ist das Konzept allerdings nicht: Die erste solche Einrichtung wurde bereits vor acht Jahren in Linz ins Leben gerufen, erklärte Hundstorfer. Mit der Integration in das im vergangenen Jahr mit 78,5 Mio. Euro vom Sozialministerium finanzierte NEBA-Netzwerk fasse man seit Beginn des Jahres nun bundesweit 42 Projekte an verschiedenen Einrichtungen unter einem Dach zusammen. (APA, 6.3.2015)

Share if you care.