Entlausen ist ein politischer Akt

6. März 2015, 13:50
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Ein Forscherteam führte eine Langzeitbeobachtung bei den Berberaffen von Gibraltar durch

Wien - Dass das stundenlange gegenseitige Entlausen von Affen nicht ausschließlich ein Akt der Hygiene ist, ist bekannt. Wenn die Tiere das Fell von Artgenossen sorgfältig von Ungeziefer, Kletten und Schmutz befreien, dann stärken sie damit auch die sozialen Bande innerhalb der Gruppe. Dazu gehört aber auch ein gewisses Maß an Berechnung, denn die Tiere achten sehr genau darauf, wem sie wieviel Aufmerksamkeit widmen.

Ein tschechisch-österreichisches Forscherteam berichtet in "PLOS ONE" vom Ergebnis einer Langzeitbeobachtung der einzigen wildlebenden Primaten Europas, den Berberaffen (Macaca sylvanus) von Gibraltar. Die Forscher hatten zwei Paarungssaisonen lang im dortigen "Upper Rock"-Nationalpark registriert, wie oft 17 Berberaffen-Weibchen einer Kolonie einander das Fell pflegten und bei wem sie dies taten.

Es ist alles Politik

Die festgestellten Tendenzen: Weibchen putzten einander öfter, wenn sie verwandt oder "befreundet" waren. Außerdem erwiderten sie solch einen Dienst und pflegten jenen Affenweibchen öfter das Fell, von denen sie zuvor selbst verwöhnt worden waren. Die Forscher konnten zudem häufiger beobachten, dass ein rangniederes Weibchen ein ranghöheres pflegte, als umgekehrt.

Es war zwar nicht der Fall, dass sie sich eine unmittelbare Gegenleistung davon erwarten konnten, aber dies könnte sich langfristig für sie auszahlen, erklärte Bernard Wallner vom Department für Anthropologie der Universität Wien. "Grundsätzlich tun sich niederrangige Individuen schwer, sich höherrangigen zu nähern, weil sich diese eigentlich nicht mit ihnen abgeben wollen", sagte er. Durch Fellpflege könnten jedoch auch Tiere mit niedrigem Rang in den Einflussbereich höherrangiger Tiere kommen und damit möglicherweise an sozialem Status zulegen.

Außerdem fanden die Wissenschafter heraus, dass die Berberaffenweibchen öfter jene Artgenossen verwöhnten, von denen sie aggressiv behandelt wurden. "Das ist mehr oder weniger als Demutsgeste und Besänftigung zu betrachten, damit man das nächste Mal nicht wieder Aggressionen abbekommt", so Wallner. (APA/red, derStandard.at, 6.3. 2015)

  • Berberaffen und Menschen sind die einzigen Primaten Europas - und leben in Gibraltar auch in unmittelbarer Nähe zueinander.
    foto: reuters/anton meres

    Berberaffen und Menschen sind die einzigen Primaten Europas - und leben in Gibraltar auch in unmittelbarer Nähe zueinander.

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