Debüt im neuen Auktionsloft

6. März 2015, 17:11
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Bilanz zur ersten Ressler-Auktion: Verkaufsquote unter den Erwartungen, Umsatzziel erreicht

Einst waren Palais sein Arbeitsplatz - bis 1993 jenes des Dorotheums, bis Mitte 2013 dann das Kinsky an der Freyung -, nun ist es ein Loft: Vergangenen Herbst bezog Otto Hans Ressler mit der "Ressler Kunst Auktionen GmbH" sein Quartier in der Brotfabrik, konkret in der Galerie Ostlicht. Und Peter Coeln gehört neben einem Immobilienentwickler und einem Finanzberater auch zu den Partnern des neu gegründeten Auktionshauses.

Montagabend dieser Woche gab Ressler unter eigener "Firmenfahne" sein Versteigerungsdebüt. Auf dem Menüplan stand Kunst der Klassischen Moderne und Zeitgenössisches der Generation nach 1945: 169 Kunstwerke hauptsächlich österreichischer, aber auch deutscher, französischer oder amerikanischer Herkunft. Zum Aufruf gelangten 164 Positionen. Im Vorfeld waren je zwei Arbeiten von Fritz Wotruba (Güsse) und Günter Brus (Mischtechniken) und ein Aquarell von Maria Lassnig aufgrund von Authentizitätsfragen zurückgezogen worden.

Schade, murrte Philipp Konzett, "die Bruse" hätten ihm gefallen, als Draufgabe zu Arbeiten von Beuys, Arnulf Rainer und Maria Lassnig, die er sich jüngst bei Sotheby's in London aus dem Angebot gefischt hatte. Als Trostpflaster liebäugelt der Galerist nun mit Oswald Oberhubers vorerst ohne Gebot verbliebenem Gemälde Große Rechnung (1953, Rufpreis 20.000 Euro) - Nachsatz: für seine Privatsammlung, nicht zur Aufstockung des Warenlagers.

Ursula Krinzinger sicherte sich derweilen zum marktüblichen Wert von 32.500 Euro (inkl. Aufgeld, exkl. Folgerecht) Bruno Gironcolis Aluminiumskulptur Soax Lup von 1969 und Herbert Liaunig ein Tusche-Epos von Markus Prachenksy von 1965 (7500 Euro). Die im Schatten der Kollektion des Leopold-Museums wachsende Sammlung II wurde an diesem Abend gleichfalls ergänzt: um Wander Bertonis Bronze Liegende aus den 1960er-Jahren (31.250) oder zwei Mischtechniken von Walter Pichler (5625 bzw. 8125), für die Diethard Leopolds Ehefrau Waltraud erfolgreich ihr Täfelchen lüpfte.

Die bunten, aus einer französischen Sammlung stammenden Kreationen Niki de Saint Phalles gefielen weit über den Rufpreisen: Die Polyester-Eisen-Keramik Mann im namens Charly (1981/82, E.A. VII/VII) wanderte für 60.000 (75.000) Euro nach Belgien ab, der Hund gleicher Machart kam dagegen für 26.000 Euro in einem österreichischen Rudel unter.

Die spannendste Ansteigerung bescherte ZERO-Künstler Otto Piene: Nicht weniger als 16 Telefonbieter buhlten um Lovely Princess (1983), deutsche Interessenten hatten jedoch das Nachsehen, für 81.250 Euro wanderte das Werk aus der Rauch-und-Feuer-Bilder-Serie in die Schweiz ab. Den höchsten Zuschlag erteilte Ressler bei je 125.000 Euro: für Cindy Shermans nun in die USA reisenden Silbergelatine-Abzug Untitled film still #83 sowie für ein Schüttbild von Hermann Nitsch von 1983. Letzteres markiert den neuen Auktionsrekord, bewilligt von Peter Coeln für dessen Privatkollektion. Die Verkaufsquote blieb mit 50 Prozent deutlich unter den Erwartungen, die anvisierte Million schaffte Otto Hans Ressler mit 1,3 (inkl. Aufgeld) dennoch. Die finale Bilanz steht noch aus: Denn der Nachverkauf findet bis 24. März über eine Online-Auktion statt. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 7./8.3.2015)

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