Manager wären lieber Hausfrauen und Hausmänner

8. März 2015, 16:20
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Die aktuelle globale Studie der Berater von Accenture bringt deutliche Ausstiegsfantasien im internationalen Management zutage

Mehr als die Hälfte der Führungskräfte international würden gerne zu Hause bleiben. In Österreich sagen das sogar 60 Prozent der Frauen im Management und 54 Prozent der Männer. Insgesamt sind derzeit auch nur rund 40 Prozent der Frauen und Männer im Management mit ihrem Job zufrieden - 2014 zeigten sich noch 62 Prozent der Frauen und 65 Prozent der Männer jobzufrieden. Damals haben auch nur 40 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer mit einer Karriere als Hausfrau/Hausmann geliebäugelt.

Unzufriedenheit und Ausstiegsfantasien in den Kreisen der Wirtschaftseliten steigen also steil an. Das ist das dramatische Ergebnis der aktuellen Befragung des Beratungshauses Accenture, in der alljährlich zum Weltfrauentag 3600 Führungskräfte (Einsteiger bis Top-Level) in 30 Ländern befragt werden.

Arbeitsdruck und Arbeitszeit

Als Auslöser für die Unzufriedenheit wird ein Gemisch aus zu viel Arbeitsdruck, zu langen Arbeitszeiten (vor allem von den Jungen genannt) und zu geringer Bezahlung genannt. Und warum bleiben sie dann in ihren Jobs? Materielle Verlockungen, Status und Sicherheit: Aufhören könnten sie sich finanziell nicht leisten, behaupten die Befragten. Ob sie wohl, solcherart zerrissen, besonders engagiert, empathisch und voller Leidenschaft im Job arbeiten?

Jedenfalls haben sie ein reines Selbstbild, was zentrale Leadership-Kompetenzen betrifft: 96 Prozent attestieren sich selbst, gute Zuhörer zu sein, 98 Prozent halten sich für Multitasker in der Arbeit. Allerdings: 36 Prozent berichten, dass Unterbrechungen und Ablenkungen (Anrufe, spontane Meetings und Besucher) dafür sorgen, dass sie nicht ihr Bestes geben, oft den Fokus verlieren, weniger qualitätvoll arbeiten und die Kontaktqualität zu ihren Teams daher abnehme.

Leadership-Qualitäten

Eine gute Mischung aus Kommunikationsvermögen sowie den Fähigkeiten, Change zu managen und andere zu inspirieren, ist laut Befragung der Top-Kanon der Leadership-Qualitäten. Allerdings bieten offenbar nur 38 Prozent der Unternehmen Softskill-Trainings in diesen Bereichen an. Apropos Lernen: On-the-Job-Trainings halten 80 Prozent für effektiver als formale Trainingseinheiten, und 66 Prozent meinen auch, Hands-on sei viel wichtiger.

Insgesamt erscheint die internationale Managementtruppe als sehr technologieaffin, aber 52 Prozent bezeichnen es als eine der größten Herausforderungen, mit der rasenden technologischen Entwicklung mitzuhalten. Für 62 Prozent der Frauen und für 54 Prozent der Männer ist die technologieinduzierte dauernde Erreichbarkeit und Zugänglichkeit eine Bürde.

Aussichten für Frauen

International sagen 52 Prozent, dass ihre Unternehmen heuer mehr Frauen für das Senior Management aufbauen als 2014. 64 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer in Österreich sehen ihre Unternehmen Gas geben beim Vorbereiten von Frauen für Führungspositionen. Aber nur sechs Prozent Frauen und 20 Prozent Männer in Österreich erwarten bis 2030 deutlich mehr Frauen in digital zentralen Positionen, etwa der eines Chief Technical Officer CTO.

International sind die Leute da optimistischer: 71 Prozent sagen, es werde für Frauen schon vorangehen in solchen Schlüsselpositionen. (Karin Bauer, DER STANDARD, 7./8.3.2015)

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