Linux-Entwickler verklagt VMware wegen GPL-Verletzung

6. März 2015, 08:45
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Virtualisierungsexperte verwende für seine proprietären Produkten Code aus dem Kernel

Wer freie Software nutzen will, muss sich auch an die jeweiligen Lizenzbedingungen halten. Eine Erkenntnis, die offenbar noch immer nicht bei allen Unternehmen angekommen ist. Entsprechend hat Linux-Kernel-Entwickler Christoph Hellwig nun vor dem Landgericht Hamburg eine Klage gegen den Virtualisierungsexperten VMware eingebracht.

Verstoß

Der Vorwurf: VMware verletze seit Jahren konsequent - und bewusst - die GNU General Public License (GPLv2), die beim Kernel als Lizenz genutzt wird. Diese schreibt bei der Nutzung darunter freigegebener Software die Veröffentlichung des Source Codes vor. VMware nutze nun den Linux Kernel als Basis für den eigenen, proprietären vmkernel ohne dessen Quellcode freizugeben.

Gescheiterte Gespräche

Der Vorwurf ist keineswegs neu: Erstmals wurde er im Jahr 2007 erhoben, bereits seit Ende 2011 ist die Software Freedom Conservancy (SFC) mit VMware im Gespräch, um eine außergerichtliche Lösung zu finden. Offenbar ohne Erfolg: Die Rechtstabteilung des Unternehmens hatte vergangenes Jahr mitteilen lassen, dass man keinerlei Pläne hege, der Forderung nach Freigabe des Source Codes nachzukommen.

Ein Vergleich zwischen Linux-Kernel und vmkernel soll verdeutlichen bei welchen Teilen sich VMware bedient hat.

Die Finanzierung der Anwaltskosten übernimmt nun die SFC, als Anwalt fungiert Till Jaeger, der in der Vergangenheit bereits mehrfach die Einhaltung der GPL vor Gericht durchgesetzt hatte. Neu ist im aktuellen Fall allerdings, dass es nicht einfach um die Weiterverbreitung eines unter der GPL veröffentlichten Stücks Software geht, sondern um eines, für das Teile entnommen und mit proprietärem Code kombiniert wurden. Die GPL ist in dieser Hinsicht eindeutig: Auch abgeleitete Werke müssen im Source Code veröffentlicht werden. Vor Gericht wurde so ein Fall bisher aber noch nie durchgesetzt.

Reaktion

Bei VMware ist man sich zwar keiner Schuld bewusst, geht aber öffentlich lieber nicht auf die konkreten Vorwürfe ein. Statt dessen betont man lieber allgemein, dass man sich seit Jahren selbst aktiv an der Open-Source-Community mit Eigenentwicklungen beteilige. (apo, derStandard.at, 6.3.2015)

  • Bei VMware ist man sich keiner Schuld bewusst. Im Bild: CEO Pat Gelsinger.
    foto: yuya shino / reuters

    Bei VMware ist man sich keiner Schuld bewusst. Im Bild: CEO Pat Gelsinger.

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