Gehaltsschere knabbert an Vorsorgepolster

6. März 2015, 05:30
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Frauen verdienen weniger als Männer. Damit bleibt auch weniger Geld, das auf die hohe Kante gelegt werden kann

Wien - Frauen verdienen im Schnitt um 40 Prozent weniger als Männer. Jede zweite berufstätige Frau arbeitet zudem Teilzeit. Diese zwei Fakten führen auch in der finanziellen Vorsorge für Frauen und in ihrem Sparverhalten zu erheblichen Nachteilen.

Durchschnittlich werden von Frauen 185 Euro monatlich auf die Seite gelegt. Männer können auf einen dickeren Sparstrumpf blicken: Sie sparen monatlich 238 Euro. Auf ein Jahr gerechnet, ergibt das einen Unterschied von 636 Euro beim Sparbetrag. Langfristig, etwa auf 30 Jahre, wären das 19.080 Euro (unverzinst und nicht inflationsbereinigt), rechnet die Erste Bank in der Studie "Frauen, Geld und Vorsorge" vor, für die von Imas im Jänner 505 Österreicher ab 18 Jahren befragt wurden.

Loch in der Geldbörse

Beide Geschlechter zwacken zudem rund 40 Prozent vom Sparbetrag für andere Familienmitglieder - etwa Kinder - ab. Das hat zur Folge, dass Frauen letztlich nur 111 Euro monatlich für ihre eigene Vorsorge bleiben, bei Männern sind es 143 Euro. Spätestens im Alter machen sich diese Einbußen bemerkbar und können ein großes Loch in die Geldbörse reißen. Für Birte Quitt, Vertriebsleiterin der Erste Bank, ist besonders besorgniserregend, dass sich "jede dritte Österreicherin nie die Frage stellt, ob sie fürs Alter genug spart".

Die Einkommensunterschiede werden laut Studie von jeder dritten Österreicherin bewusst wahrgenommen. "Die Gehaltsschere schneidet am Vorsorgepolster deutlich mit", sagt Quitt bei der Präsentation der Studie. 94 Prozent der Österreicher sind demnach davon überzeugt, dass eine Teilzeitanstellung Nachteile bei der Altersvorsorge und den Pensionszahlungen mit sich bringt. "Teilzeitkräfte haben schlechtere Karrierechancen, davon sind neun von zehn Frauen überzeugt. Das alles wirkt sich schlecht auf den Gehaltszettel aus", fasst Quitt zusammen. Zudem lassen auch Karenzzeiten den finanziellen Polster schrumpfen: Zwei Drittel der Österreicherinnen empfinden die Einbußen durch Karenzzeiten bei der Vorsorge als groß.

Der Bereich Geld ist auch in Beziehungen ein großes Thema. In sechs von zehn Beziehungen ist der Mann der Hauptverdiener, in nur zwei von zehn Fällen ist es die Frau. Verdient der Partner mehr, geben 78 Prozent an, dass sie finanziell vom Partner abhängig sind und den Lebensstandard ohne ihn nicht halten könnten.

Gemeinsame Angelegenheit

Die Finanzen sind in vielen Beziehungen aber mittlerweile auch gemeinsame Angelegenheit: 71 Prozent der Österreicher sprechen sich mit dem Partner bei finanziellen Entscheidungen ab. Jedes zweite Paar hat aber streng getrennte Konten, 26 Prozent haben zusätzlich ein Gemeinschaftskonto. Ebenso viele haben nur ein gemeinsames Konto. "Wichtig ist, dass man über die partnerschaftlichen Finanzen Bescheid weiß", sagt Quitt. Den Überblick übers Ein-- und Auskommen mit dem Geld haben bei Österreichs Paaren meist beide gemeinsam. Während aber 28 Prozent der Frauen sagen, sie haben die Kosten und das Geld allein im Blick, sind es nur 19 Prozent der Männer, die das angeben.

Jeder zweite Mann füllt laut der Umfrage neben dem Sparstrumpf für die Kinder auch jenen der Partnerin, ein Viertel der Frauen tut das für ihren Mann. Besonders in Zeiten, in denen der Mann Alleinverdiener sei, sei es wichtig, dass er auch für seine Frau spare. "Das sollte offen angesprochen werden", rät Quitt.

Die Expertin empfiehlt Frauen, schon früh mit der Vorsorge zu beginnen. Ab dem ersten Gehalt sollte regelmäßig ein Betrag auf die Seite gelegt werden. Über die Jahre würde der Zinseszinseffekt auch für einen Mehrertrag sorgen. Rund drei Monatsgehälter sollten für kurzfristige Ausgaben verfügbar sein. Investitionen sollten mittelfristig geplant werden, damit kein finanzieller Engpass entsteht. Auch die Altersvorsorge sollte früh angedacht werden. Denn, so fasst Quitt zusammen: "Finanzielle Unabhängigkeit steht nicht im Widerspruch zu einer guten Partnerschaft. Das hat nichts mit Misstrauen zu tun." (bpf, DER STANDARD, 6.3.2015)

  • Frauen verdienen im Schnitt um 40 Prozent weniger. Damit bleibt auch weniger für die Altersvorsorge. Dass sich jede dritte Österreicherin nie die Frage stellt, ob sie fürs alter genug spart, findet Erste-Bank-Expertin Birte Quitt "besonders besorgniserregend".
    foto: dpa/peter kneffel

    Frauen verdienen im Schnitt um 40 Prozent weniger. Damit bleibt auch weniger für die Altersvorsorge. Dass sich jede dritte Österreicherin nie die Frage stellt, ob sie fürs alter genug spart, findet Erste-Bank-Expertin Birte Quitt "besonders besorgniserregend".

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