Österreichisch geprägt

Kolumne5. März 2015, 17:09
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Für einen Öslam sollte auch noch Platz sein

Als Begründung der Notwendigkeit eines neuen Islamgesetzes hat Außenminister Sebastian Kurz angegeben, es gehe darum, einen "Islam österreichischer Prägung" zu installieren.

Man muss nicht religiös sein, um schon aus Respekt eine solche Verquickung von Glauben und Alpinpatriotismus gruselig zu finden. Der Prophet hätte vermutlich einiges anders gemacht, wäre ihm geoffenbart worden, welches Schicksal seinen Lehren zuteilwerden soll. Wenn es Sunniten, Schiiten und einige andere Sekten gibt, sollte für einen Öslam auch noch Platz sein, dachte man offenbar und gab der neuen Richtung im Dialog mit Saudi-Arabien auch gleich ein humanes Bekenntnis. Jetzt fehlt nur noch die ebenso konsequente Etablierung eines Katholizismus österreichischer Prägung. Wer will schon katholische Imame, die vom vatikanischen Ausland gesteuert werden?

Wie viele junge Muslime der Islam österreichischer Prägung vom Abgang in den Jihad abhalten kann, wird man sehen. Es bleibt jedenfalls Kurzens Verdienst, uns mit seiner Formulierung die Augen dafür geöffnet zu haben, wie viele Angelegenheiten fern von Glaubensdingen, die man auch vernünftig und sachlich betreiben könnte, stattdessen mit einer österreichischen Prägung versehen sind. Bankgeschäfte zum Beispiel, zumal auf föderalistischer Basis. Wo waren die Landeshauptleute, die alles besser zu können vorgeben als jede Bundesregierung, als ihr Kärntner Kollege sein Bundesland in den Ruin trieb? Alle außer in Wien haben sie Hypo-Banken. Jetzt, wo sie für Kärnten haften sollen, sind sie richtig bös. Eine einzige Katastrophe entdeckte spät der oberösterreichische Landeshauptmann, und sein Vorarlberger Kollege überkugelte sich an Mannesmut: Würde Jörg Haider noch leben, er würde ihm glatt die Rechnung schicken! Aber Glück im Pech - jetzt wird man sich halt beim Bund schadlos halten.

Österreichisch geprägt ist auch der Umstand, dass sich vier Finanzminister am Problemfall Hypo verschleißen mussten, ehe der fünfte, und auch erst dank eines neuen europaweiten Bankenabwicklungsregimes, den Mund für ein Versprechen voll nehmen konnte, die Bank werde die Steuerzahler künftig nichts mehr kosten. Ein umso vageres Versprechen, als im selben Atemzug der Hinweis folgte, dies würde sich natürlich auf die Steuerreform auswirken - auf Kosten der Steuerzahler, auf wessen sonst?

Österreichisch geprägt auch die Hoffnung, der parlamentarische Untersuchungsausschuss zum Hypo-Skandal werde Unerhörtes zutage fördern und wie ein reinigendes Gewitter durch das Land fegen. Die einzig interessante Frage, wo sind die rund zwanzig Milliarden und fließen sie an die Steuerzahler zurück, wird wohl ebenso wenig beantwortet werden wie jene, ob sich politische Verantwortung irgendwann einmal auch realisieren lässt.

Anders realisieren lässt, als in ihrer österreichisch geprägten Form der Versorgung auf Feldern, auf denen sie endlich ihre wahre, zu Hause unerkannte Begabung spielen lassen können. Endlich kann sich nun auch die Ukraine freuen, österreichisch geprägt und so gerettet zu werden. Da wird sich Putin giften. (Günter Traxler, DER STANDARD, 6.3.2015)

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