Wien-Museum: Fläche wird verdoppelt

5. März 2015, 17:01
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Schweizer Architekt Emanuel Christ leitet Wettbewerbsjury

Wien – Der Wiener Karlsplatz soll eine entscheidende architektonische Aufwertung bekommen. Für den lange diskutierten Um- und Ausbau des maroden Wien-Museums neben der Karlskirche fiel jetzt der Startschuss. In einem international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb wird bis Ende des Jahres ein Siegerprojekt ermittelt werden. Der Spatenstich ist für 2017 geplant.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) zeigte sich bei der Vorstellung der Wettbewerbsjury im Atrium des Museums euphorisch: Es handle sich um ein "städtebauliches Großprojekt im Zentrum Wiens mit internationaler Dimension".

Dem nun gestarteten Vorhaben war eine jahrelange Standortdebatte vorausgegangen. Von Überlegungen, das Museum im Bereich des Hauptbahnhofs anzusiedeln, nahm die Politik letztlich Abstand. Man entschied sich für eine zeitgenössische Adaptierung des denkmalgeschützten Haerdtl-Gebäudes am Karlsplatz.

Spielraum für gesamten Karlsplatz

Das Haus aus dem Jahr 1959 war der erste Museumsneubau der Zweiten Republik. Obwohl dem Architekten Oswald Haerdtl (1899-1959) in der damaligen Ausschreibung nur der vierte Platz zugesprochen wurde, kam er mit seinem reduziert modernen Entwurf am Ende doch noch zum Zug.

Heute, so Wien-Museum-Finanzdirektor Christian Kircher, habe der Haerdtl-Bau Risse und Wasserschäden. Auch die 55 Jahre alte "Frischluftanlage" sei natürlich nicht mehr zeitgemäß. Die Weichen für das Neubauprojekt habe man schon im Vorjahr durch die Übersiedlung des Museumsdepots nach Himberg gestellt. Mit dem Neubau will man jetzt eine Verdoppelung der Ausstellungsfläche erreichen. Die Nettonutzfläche soll von derzeit 6.900 auf 12.000 Quadratmeter ausgeweitet werden.

Als Vorsitzender der Wettbewerbsjury wurde der Architekt Emanuel Christ vorgestellt. Der 45-jährige Schweizer verfügt über Erfahrung in der Adaptierung historischer Museumsbauten, etwa mit dem von ihm geplanten Landesmuseum Zürich und dem Kunstmuseum in Basel. Als seine Stellvertreterin in der Vergabejury agiert die Wiener Architektin Elke Delugan-Meissl, die ursprünglich gerne selbst am Wettbewerb teilgenommen hätte, wie sie sagt.

Beide Architekten wollen sich für eine Einbeziehung des gesamten Karlsplatzes starkmachen: "Es gibt Spielraum, um über das Museum hinauszudenken", so Christ. Den klotzartigen Haerdtl-Bau gelte es zu öffnen. Als Fremdkörper sieht man den Bau nicht, er sei vielmehr selbst "wichtigstes Ausstellungsstück" und habe geschichtliche Relevanz.

2016 soll von der Zürich-Versicherung auch für das benachbarte Winterthur-Haus ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Die Schließzeit des Wien-Museums will der designierte Direktor Matti Bunzl zur Bespielung der zahlreichen Außenstellen nutzen. Teile der Sammlung sollen auch "on tour" geschickt werden, etwa in die USA und nach Japan. Die Eröffnung des neuen Museums ist für 2020 geplant. (Stefan Weiss, DER STANDARD, 6.3.2015)

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