Orca-Weibchen übernehmen nach der Menopause häufig Führungsrolle

8. März 2015, 16:39
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Die Lebenserfahrung der nicht mehr fortpflanzungsfähigen Tiere erhöht gerade in Notzeiten die Überlebenschancen ihrer Artgenossen

Exeter – Schwertwale gehören zu den ganz wenigen Spezies, deren weibliche Angehörige nach der Menopause noch einem jahrzehntelangen Leben entgegensehen. Britische Forscher berichten nun im Fachblatt "Current Biology", dass auch die nicht mehr fortpflanzungsfähigen Orca-Weibchen in der Gruppe eine wichtige Rolle spielen: häufig die Führungsrolle.

Vor allem in schlechten Zeiten, wenn das Nahrungsangebot knapp ist, übernehmen die älteren Weibchen demnach die Führung der Gruppe und erhöhen so die Überlebenschancen ihrer Artgenossen.

Hohes Alter

Schwertwale, Kurzflossen-Grindwale und Menschen sind nach bisherigem Kenntnisstand die einzigen Spezies, deren Vertreterinnen nach der Menopause noch länger leben. Aus evolutionärer Sicht sei allerdings nicht ganz klar, warum das so ist, schreiben die Forscher. Schließlich sei der evolutionäre Hauptzweck, die Fortpflanzung, nicht mehr möglich. Einer Hypothese zufolge hilft ihre Lebenserfahrung aber den Artgenossen in schlechten Zeiten.

Die Forscher um Lauren Brent von der University of Exeter (Großbritannien) prüften nun diese Annahme an einer Population von ortstreuen Schwertwalen Orcas im Nordpazifik, vor den Küsten der USA und Kanadas. Diese Schwertwale fressen vor allem Königslachs (Oncorhynchus tshawytscha). Die Weibchen bekommen ab etwa 40 Jahren keinen Nachwuchs mehr, können aber ein Alter von mehr als 90 Jahren erreichen. Männliche Schwertwale werden hingegen selten älter als 50 Jahre.

Ökologisches Wissen

Für ihre Studie werteten die Forscher Daten aus, die das US-Center for Whale Research in den vergangenen 35 Jahren gesammelt hatte. Zudem analysierten sie Videoaufzeichnungen von den Beutezügen der Tiere aus den Jahren zwischen 2001 und 2009. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Gruppen meist von Weibchen angeführt wurden, die ihre Menopause schon hinter sich hatten.

Vor allem in mageren Jahren, wenn die Lachse rar waren, übernahmen die älteren Weibchen die Führung. Das Wissen und die Erfahrung der älteren Weibchen sei also von erheblicher Bedeutung für die Population. "Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass Weibchen nach der Menopause das Überleben ihrer Verwandten durch die Weitergabe ökologischen Wissens erhöhen können", erläuterte die Erstautorin der Studie, Lauren Brent.

Geteilte Informationen

Der Vorteil durch die Weisheit der Älteren könne erklären helfen, warum weibliche Schwertwale und Menschen noch lange weiterleben, auch wenn sie sich nicht mehr fortpflanzen können. Beim Menschen werde oft angenommen, dass die Menopause nur ein Produkt der modernen Medizin und verbesserter Lebensbedingungen sei, ergänzt der Studienleiter Darren Croft. Es gebe aber zunehmend Hinweise darauf, dass die Menopause beim Menschen mehr ist als das.

"In Jäger-und Sammler-Gesellschaften helfen Frauen nach der Menopause ihren Verwandten - und fördern so die Verbreitung ihrer Gene - indem sie Nahrung teilen. Vielleicht haben sie darüber hinaus noch eine andere wichtige Aufgabe: Die Weitergabe von Informationen." (APA/red, derStandard.at, 8.3.2015)

  • Eine Orcaschule schwimmt im Nordpazifik. Wo es lang geht, bestimmen oft ältere Weibchen.
    foto: david ellifrit/center for whale research

    Eine Orcaschule schwimmt im Nordpazifik. Wo es lang geht, bestimmen oft ältere Weibchen.

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