MH370-Suche: "Hier geht es nicht ums Geld"

Interview6. März 2015, 11:00
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Noch nie in der Geschichte der zivilen Luftfahrt wurde eine Passagiermaschine in einem derart isolierten Gebiet vermisst. Die Australierin Judith Zielke leitet die Suche

STANDARD: Wie läuft die Suche nach dem Wrack von MH370?

Judith Zielke: Bis heute haben wir etwa 40 Prozent jener Region abgesucht, die wir als Priorität erachten. Das sind etwa 24.000 Quadratkilometer im Süden des Indischen Ozeans. Wir arbeiten mit vier Schiffen. Die Reise per Schiff von der der westaustralischen Küste ins Suchgebiet dauert sechs Tage. Die Mannschaften sind in der Regel für 30 Tage am Stück im Einsatz. Dazu kommen insgesamt zwölf Tage Hin- und Rückfahrt. Wir machen Sonaraufnahmen des Meeresbodens und schauen, ob wir Wrackteile entdecken.

STANDARD: Glauben Sie persönlich, dass sich das Wrack dort befindet?

Zielke: Die Information, die wir als Grundlage für die Suche nehmen, basiert auf Fakten. Kontakt des Flugzeugs mit den Satelliten ist die Basis für diese Information. Dazu gibt es noch andere Daten, etwa der Anruf per Satellitentelefon, der mit dem Flugzeug gemacht wurde, und die Kontakte mit Bodenstationen, die es hatte. Natürlich ist diese Information nicht auf den Punkt genau; deshalb haben wir eine so große Suchzone. Aber die Truppe, die diese Strategie ausgearbeitet hat, ist aus den besten Experten zusammengesetzt. Wir wollen die beste Region für die Suche finden, und dort sind wir im Moment.

STANDARD: Diese Suche ist extrem teuer. Wie lange wollen Sie damit noch weiterfahren?

Zielke: Entschuldigung, aber hier geht es nicht ums Geld. Die 26 Länder, die zu Beginn an dieser Suche beteiligt waren, haben ihre eigene Zeit zur Verfügung gestellt, ihre eigenen Mittel und Ressourcen. Sie haben ihre Kosten selbst getragen. Das ist also ein Gruppeneinsatz. Er zeigt nicht nur den Grad der internationalen Zusammenarbeit, sondern auch die Bereitschaft dieser Länder.

STANDARD: Wenn es nicht ums Geld geht, worum geht es dann?

Zielke: Wir schulden es den Familien der Menschen an Bord, ihre Fragen zu beantworten. Sie wollen wissen, was mit ihren Liebsten geschehen ist. Das ist entscheidend. Zusätzlich wollen Flugpassagiere wissen, was passiert ist - damit sie sich nicht sorgen müssen beim Reisen. Wir werden bis Mai in der gegenwärtigen Zone weitersuchen und das Flugzeug bis dann hoffentlich finden. (Urs Wälterlin, DER STANDARD, 6.3.2015)

Judith Zielke leitet das internationale Expertenteam des Joint Agency Coordination Centre in Canberra, das nach Flug MH370 sucht.

  • Judith Zielke bleibt optimistisch, dass das Wrack gefunden wird.
    foto: urs wälterlin

    Judith Zielke bleibt optimistisch, dass das Wrack gefunden wird.

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