Bas Dost hat nicht getroffen

Porträt5. März 2015, 15:05
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Im Cup passierte dem Wolfsburger Ungewöhliches: Er schoss kein Tor. Dabei ist der Niederländer in der Form seines Lebens

Wien - Bas Dosts Geschichte ist entgegen landläufigen Meinungen eine ungewöhnliche. Der Wolfsburger Shootingstar, der weltweit treffsicherste Profi 2015, ist "just a regular boy", ein durchschnittlicher Junge, wie der niederländische Sportjournalist Jan Mannega im Gespräch mit derStandard.at beteuert. Aber ein durchschnittlicher Junge schießt keine elf Tore in sechs Spielen, und der trifft auch nicht alle 66 Minuten - öfter als Messi und Cristiano Ronaldo.

"Bum Bum Bas"

Das tut aber Bas Dost, der mit 25 Jahren wie noch nie zuvor im Rampenlicht steht. Dabei war er in seiner Jugend ein unauffälliger Spieler. "Mit 17 debütierte er in der ersten Mannschaft des niederländischen Zweitligateams Emmen, ich war mit dabei auf der Tribüne, und ich kann mich an keinen einzigen Moment seines Debütspiels erinnern", erzählt Mannega, der selbst aus Emmen stammt und für das "Dagblad van het Noorden" schreibt.

"Bum Bum Bas", wie in die Wolfsburger Fans nennen, ist ein Wandervogel. Er ist in Deventer geboren, mit sechs zog er mit seinen Eltern nach Coevorden. Dort lernte Dost das Spiel beim Klub Germanicus. Schon bald zog es ihn zum einzigen Profiverein der Gegend, zu Emmen. Hier spielte Dost von seinem zwölften bis zum neunzehnten Lebensjahr. Man sah ihm an, dass er ein Gefühl für Tore hatte. "Er traf immer wieder, man sah, dass er der Einzige in der Mannschaft mit Potenzial war", sagt Mannega.

Nur Almelo sah in ihm Fantasie

Nach sieben Jahren wollte Dost Emmen verlassen, er wusste, dass beim Kleinstadt-Verein mit noch kleinerem Budget keine Karriere möglich sein würde. Interessenten gab es kaum, Heracles Almelo, eine sogenannte Fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter Liga, war immerhin bereit, 300.000 Euro für den späteren Neun-Millionen-Euro-Stürmer zu bezahlen.

In Almelo passierte etwas, das seine Karriere bis zum heutigen Tage beeinflussen sollte. Dost wurde in die U20-Nationalmannschaft einberufen. Ab diesem Moment ist der Name des Goalgetters ein Begriff. Bei Almelo steigert er seine Torquote weiter, der Rechtsfuß trifft in 61 Spielen 17-mal, SC Heerenveen wurde auf ihn aufmerksam.

Der Durchbruch

Heerenveen ist das Team in der holländischen Eredivisie, auf das die großen Mannschaften Ajax, Feyenoord und PSV mit Argusaugen schauen. Spieler wie Arnold Bruggink oder Klaas-Jan Huntelaar kommen von dort. Dost wird also nicht nur dank seiner Körpergröße von 1,90 Metern oftmals mit dem Schalker verglichen.

Heerenveen wird auch für Dost zum Sprungbrett. Doch der Anfang verlief schwer. Dost spielte kaum unter Trainer Jan Everse, der seine Stammaufstellung suchte, aber nicht fand. Unter Nachfolger Ron Jans wurde Dost aber zum Schlüsselspieler. Im Dezember 2011 erzielte er im Spiel bei Excelsior Rotterdam alle fünf Tore zum 5:0-Auswärtssieg. Es war sein Durchbruch. In dieser Saison traf Dost in 34 Eredivisie-Einsätzen 32-mal. Feyenoord, Ajax und PSV standen Schlange, um ihn zu holen. Zu spät.

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Dost: Tore en masse.

Felix Magath, der 2012 in Wolfsburg dirigierte, suchte gerade einen Ersatz für den Bosnier Edin Dzeko. Und fand Bas Dost. Doch der Kroate Ivica Olic war gesetzt als Stürmer. Erst als Magath entlassen wurde und Dieter Hecking das Zepter übernahm, näherte sich Dost der Startelf. Doch immer noch blieb ihm oft nur ein Platz auf der Tribüne. Verzweiflung machte sich breit.

Nicht die erste schwierige Phasen in seiner Laufbahn, wie Mannega erzählt. Manche Spieler geben in einer derartigen Situation auf. Und auch Dost überlegte seinen Abschied. Doch er entschied sich anders - und wird in dieser Saison für seine Geduld belohnt. Vier Tore gegen Leverkusen waren der bisherige Superlativ, am Mittwoch dann null gegen Leipzig im Cup. Dost schmollte, als er ausgewechselt wurde, dem Trainer wurde der Handschlag verweigert. Er dachte wohl, diese Zeiten seien vorbei. (Tamas Denes, derStandard.at, 5.3.2015)

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