Südkorea: US-Botschafter bei Küchenmesserangriff verletzt

6. März 2015, 08:20
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Ermittlungen wegen versuchten Mordes - Polizei prüft Verbindungen zu Nordkorea

Seoul/Washington/Pjöngjang - Nach der Messerattacke auf den US-Botschafter in Südkorea hat die Polizei Haftbefehl für den Täter beantragt. Gegen den 55-jährigen Südkoreaner Kim Ki-jong werde wegen versuchten Mordes ermittelt, teilte die Polizei in Seoul am Freitag mit. Die südkoreanische Polizei prüft außerdem mögliche Verbindungen des Attentäters zu Nordkorea.

Bisher gebe es noch keine klaren Beweise, sagte Bezirkspolizeichef Yoon Myung Soon. Die Polizei versuche aber herauszufinden, ob der Mann möglicherweise gegen das Nationale Sicherheitsgesetz verstoßen habe. Das 1948 erlassene Gesetz verbietet jeglichen Kontakt zu Nordkorea und stellt sogar die mündliche oder schriftliche Unterstützung des Nordens unter Strafe.

Wunde mit 80 Stichen genäht

Der polizeibekannte Aktivist hatte den 42-jährigen Mark Lippert am Donnerstag während einer Vortragsveranstaltung in Seoul mit einem Küchenmesser an einem Arm und am Gesicht verletzt. Dabei forderte er lautstark die Wiedervereinigung Nord-und Südkoreas und verurteilte ein gemeinsames Militärmanöver Südkoreas mit den USA, das vor wenigen Tagen begonnen hatte. Lipperts Wunde musste mit 80 Stichen genäht werden. Nach Angaben der Ärzte geht es ihm aber schon wieder besser. Mit bleibenden Schäden am Gesichtsnerv rechnen sie nicht.

Kim wurde am Tatort überwältigt und festgenommen. Kim erklärte den Berichten zufolge durch seinen Anwalt, er habe allein gehandelt und keine Mordabsichten gehabt. Die Ermittler werfen ihm vor, den Tod Lipperts in Kauf genommen zu haben. Der vorbestrafte Attentäter ist offenbar ein überzeugter Nationalist, der die USA als das Haupthindernis für eine Wiedereinigung Nord- und Südkoreas ansieht. Wie nach der Attacke herauskam, reiste er 2006 und 2007 mehrfach nach Nordkorea. Nach dem Tod des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-il im Jahr 2011 wollte er in Seoul angeblich sogar ein Denkmal für ihn aufstellen lassen. Nordkorea hatte die Messerattacke als "gerechte Bestrafung" gelobt. (APA, 6.3.2015)

  • Botschafter Mark Lippert wurde mit einem Rasiermesser angegriffen.
    foto: reuters/yonhap

    Botschafter Mark Lippert wurde mit einem Rasiermesser angegriffen.

  • Der verdächtige Angreifer ist offenbar kein Unbekannter. 2010 soll er schon den japanischen Botschafter angefallen haben.
    foto: reuters/yonhap

    Der verdächtige Angreifer ist offenbar kein Unbekannter. 2010 soll er schon den japanischen Botschafter angefallen haben.

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