Wie sich die Architektur aufs Studium auswirkt

6. März 2015, 09:00
98 Postings

Die Planung der Uni-Gebäude hat Einfluss auf das Wohlbefinden von Studierenden

Wien – 12,5 Stunden pro Woche verbringen Studierende durchschnittlich an der Uni in Lehrveranstaltungen. Das ergab die Studierenden-Sozialerhebung 2011. Zusätzlich bringen sie 19 Stunden für "sonstige Studientätigkeiten" auf. Viele von ihnen tun das an der Uni: Sie lernen auf der Bibliothek oder arbeiten in der Gruppe.

Verbringt man viel Zeit an einem Ort, will man sich dort auch wohlfühlen. Entscheidend dafür sei vor allem die Architektur, sagt Architekturpsychologin Rotraut Walden von der Uni Koblenz. Sie prüft, wie beispielsweise Gebäude das Erleben und Verhalten von Menschen beeinflussen.

Für ein Uni-Gebäude bedeutet das etwa, dass es Einfluss auf die Noten der Studierenden haben kann. "Wer sich wohler fühlt, leistet auch mehr", sagt Walden. In einem Raum ist das abhängig von Faktoren wie Licht, Temperatur, Lärm oder behindertengerechter Gestaltung. Ebenfalls ist wichtig, dass die Nutzer Kontrollmöglichkeiten haben; dass sie Wände gestalten oder den Sonnenschutz regulieren können.

Zusätzlich ist Licht wichtig für die Gesundheit der Nutzer. Durch ein gut geplantes Gebäude könne sich auch die Studienzeit verkürzen. Die Studierenden fehlen weniger und können ungestört arbeiten. "Wohlbefinden, Arbeitsleistung und Kommunikation hängen zusammen", sagt Walden. Die Architektin Elke Delugan hat bereits mehrere Bildungsgstätten geplant, unter anderem den FH-Campus in Wien. "Der Kontext, in dem das Gebäude steht, ist zu berücksichtigen", sagt Delugan.

Beim FH-Campus war der Gedanke: offene Räume, viel Licht und Begegnungszonen, wo Personen in Kontakt treten können. Schmale, lange und dunkle Gänge seien ein No-Go. "Man kann spezifisch planen, um gewisse Reaktionen hervorzurufen", sagt sie. Etwa "konzentrierte" Orte schaffen, wo man nicht abgelenkt wird.

Fehlende Rückzugsorte

Diese Rückzugsmöglichkeiten sind es, die in einem Uni-Gebäude wichtig sind, sagt Umweltpsychologe Alexander Keul von der Uni Salzburg. Viele wünschen sie sich - oft fehlen sie. Studierende säßen in den Pausen "wie bestellt und nicht abgeholt in einer Ecke, wo es nicht einmal Steckdosen gibt".

Zu Wort kommen Studierende selten: Beim FH-Campus in Wien wurden sie nicht in den Prozess eingebunden. Ob das passiert, entscheidet die Hochschule. Für Umweltpsychologe Keul kann ein Raumkonzept aber nur in "Interaktion mit den Nutzern" entstehen, denn die seien "die Experten ihrer Umwelt".

Bei einer Hochschule kommen allerdings viele Wünsche zusammen. "Alle basisdemokratischen Planungsprozesse müssen sauber ausgeführt werden. Da ist es schwierig, wenn nicht alle Beteiligten konstruktiv sind", sagt Ernst Eichinger von der Bundesimmobiliengesellschaft.

Beim WU-Campus hat es funktioniert: Die Studierenden wurden in einer Umfrage nach ihren Wünschen gefragt, und diese wurden dann bestmöglich umgesetzt. "Mittlerweile geht man auch in der Freizeit auf die WU", sagt Keul. So solle es auch sein. Denn eine Hochschule sei keine "Wissensfabrik", wo nur die Lehre zentral ist.

Für Delugan soll die Architektur auch die Lehre, die dahintersteht, verkörpern: "Vor 650 Jahren haben Uni-Gebäude auch anders ausgesehen, die Uni Wien hat etwas Festungshaftes im Vergleich zum WU-Campus." Offenheit, Transparenz und Flexibilität neuer Gebäude sollen auch im Kopf stattfinden. "Es wäre schön, wenn die Architektur es schafft, dass man offener im Kopf wird", sagt sie.

Ob der WU-Campus so funktioniert, wie er geplant wurde, ist unklar. "Die Qualität der Lehre wird jedes Semester erhoben, die der Uni nicht", kritisiert Keul.

Evaluationen seien auch im laufenden Betrieb notwendig. So könne man Störfälle nachbessern: "Uni-Gebäude haben ein langes Leben, es dauert, bis sich das einpendelt." (Selina Thaler, DER STANDARD, 5.3.2015)

Share if you care.