Wie man als Modeblogger Geld verdient

6. März 2015, 06:19
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Von wegen Hobby - mit Modeblogs lässt sich auch in Österreich Geld verdienen. Arbeitsalltag gibt es als Blogger keinen

Das Leben ist schön auf Modeblogs. Manchmal bunt und schrill, an anderen Tagen schlicht und in Grautönen gehalten - jedenfalls sieht es immer verdammt gut aus und zeigt die neuesten Produkte, lecker aussehendes Essen und Trinken und vor allem schöne Menschen. Modebloggerinnen - und man muss wirklich bei der weiblichen Form bleiben, denn in Österreich dominieren hier ganz klar die Frauen - gehen Einkaufen, Kaffee trinken, auf Business Dinners und glamouröse Events, fotografieren und schreiben darüber.

foto: reuters
Männliche Fashion-Blogger gibt es in Österreich kaum. Bei internationalen Modeschauen sitzen Blogger oft in der ersten Reihe zwischen berühmten Modejournalisten.

Eine Job-Description die für viele traumhaft klingt. Aber: Besteht der Arbeitsalltag der Modebloggerinnen wirklich nur aus Dolce Vita? Und wie lässt sich damit Geld verdienen? Ist Modebloggerin ein Job?

Für viele Modebloggerinnen zählen Klischees vom glamourösen Leben zu den Schattenseiten ihres Jobs. Denn ja, es gibt in Österreich einige Frauen, die das bloggen hauptberuflich machen und auch davon leben können. Die zwanghafte Art ein Leben zu präsentieren, das nur vor der Kamera stattfindet, nervt zum Beispiel Maria Ratzinger, Betreiberin von Stylekingdom, manchmal am Bloggen. "Aber das ist bei Celebrities ja auch nichts anderes. Und im Grunde genommen sind manche Blogger schon zu Celebrities geworden - es gibt Leser, die mit ihnen Selfies machen wollen", sagt Ratzinger. Sie war 2007 eine der ersten Modebloggerinnen Österreichs, angefangen hat sie damit als Ausgleich zum Studium. Leben kann Ratzinger vom Bloggen zwar nicht, "aber ich habe dadurch einen Weg gefunden mit dem ich heute Geld verdiene. Das sind PR-Aufträge, Events, etc."

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Selfie-Time: Die Bloggerin für Übergrößen, Tess Munster, trifft in einem Shoppingcenter auf Fans.

Den klassischen Arbeitstag gibt es für Modebloggerinnen nicht - ein für die meisten als positiv wahrgenommener Punkt: "Jeder Tag sieht anders aus, das ist das Spannende an meiner Arbeit", sagt Anna Phoenix. Seit 2010 führt sie den Blog Mangoblüte. Die Abwechslung könne aber auch anstrengend sein: "Es gibt kein Wochenende oder Urlaub - man kann nicht einfach abschalten und ist über Facebook, Instagram oder E-Mail ständig erreichbar", sagt Phoenix. Manchmal erschlage sie die Flut an Mails und Anfragen.

Aufwachen und Instagram checken

Auch andere Bloggerinnen beginnen den Arbeitstag schon mit Instagram und Facebook checken im Bett. Denn die Bloggerinnen sind nicht nur auf ihrem Blog präsent, sondern auch auf Facebook, Instagram, Pinterest oder anderen Plattformen. "An den meisten Tagen stehe ich um Acht auf und sitze dann bis 20 Uhr vor dem Computer", sagt Madeleine Alizadeh, die als dariadaria bloggt und mittlerweile auch auf Youtube sehr aktiv ist. Zwischendurch gebe es Termine oder Besprechungen - "an aufregenderen Tagen fliege ich zu Modewochen oder Events in europäischen Städten", meldet sich Alizadeh aus Paris. Auf ihrem Instagram-Profil schreibt sie, dass sie im Jänner nur sieben Tage in Wien war. Trotz ihrer Reiselust sei das zu viel gewesen.

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Eine der bekanntesten Modebloggerinnen der Welt heißt Tavi Gevinson. Mit 12 begann sie zu bloggen, mit 14 hatte sie 50.000 Zugriffe pro Tag - heute ist sie ein Star.

Alizadeh kann seit etwa 1,5 Jahren von ihrem Blog leben. "Die ersten drei Jahre war ich aber bettelarme Studentin", schreibt sie in einer Anleitung, wie man erfolgreiche Bloggerin wird. Tipp 1: Fange nicht an zu Bloggen, weil du dir Reichtum und gratis Produkte erwartest. Wie viel Geld macht man mit so einem Blog also? Die Angaben sind sehr unterschiedlich - von ein paar hundert Euro bis 1900 Euro Netto geben die Bloggerinnen auf Anfrage von derStandard.at an. Dazu kommen Produkte, die zum testen oder als Werbung verschenkt werden.

Das Geschäft mit der Werbung

Werbung ist fürs Geld verdienen mit einem Blog der Schlüsselpunkt. Diese kann auf unterschiedliche Weise passieren: Maria Ratzinger verdient ihr Geld vor allem mit Advertorials, das sind bezahlte Artikel, die als solche gekennzeichnet werden. Alizadeh schaltet Bannerwerbung, geht bezahlte Kooperationen ein und setzt auf Affiliate Marketing. Darunter kann man sich eine Art Provisionsgeschäft vorstellen: die Blogger stellen Unternehmen freie Werbefläche zur Verfügung. Führt dieser Link zum Erfolg, bringt den Unternehmen also Klicks oder neue Kunden, wird Provision bezahlt. Durch gesponserte Beiträge und Affiliate Marketing finanziert auch Anna Heuberger das bloggen. Ihren Blog h.anna betreibt sie seit 2009, daneben hat sie noch zwei andere Blogprojekte. Vom Blog zu leben ist nicht ihr Ziel, denn: "Wenn ich nur mehr meinen Blog als Einkommensquelle hätte, wäre der finanzielle Druck zu groß auch mit Unternehmen zu kooperieren, die ich nicht gut finde". sagt Heuberger. Neben ihrer Tätigkeit als Bloggerin arbeitet sie deshalb als freie Jourmalistin und ist selbstständig als Online-Marketer tätig.

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Werbung ist das Schlüsselwort beim Bloggen - von vielen Unternehmen bekommt man die neuesten Produkte zum Bewerten zugeschickt.

Besteht also die Gefahr von Werbepartnern gekauft zu werden, wenn man den Blog als Haupteinnahmequelle sieht? Der Tenor unter den österreichischen Modebloggerinnen: Das kann der Fall sein, hängt aber von der jeweiligen Person ab. Die befragten Bloggerinnen sehen diese Gefahr bei sich selbst jedenfalls nicht. Keine würde ein Produkt bewerben, hinter dem sie nicht steht. Die Liste an Unternehmen, die zur Kooperation ausgeschlossen werden ist teilweise sehr lang. "Nur weil Sponsored Post unter einem Beitrag steht bedeutet das nicht, dass der Inhalt des Beitrags für das Unternehmen geschrieben wird", sagt Anna Heuberger. "Ich glaube jeder Leser versteht, dass sich das Medium Blog, das kostenlos konsumiert wird, irgendwie finanzieren muss. Aus diesem Grund sind aber bezahlte Kooperationen auch als solche deklariert", sagt Madeleine Alizadeh.

Ehrlichkeit zählt in Modeblogs und ist auch bei Leserinnen und Lesern beliebt. "Ich finde immer noch, dass ein Blog die ehrliche Alternative zu einem Hochglanzmagazin sein sollte. Das nette, ehrliche Mädchen von nebenan, welches seiner Freundin die besten Tipps in Sachen Mode, Reisen, Essen und Kosmetik gibt - ganz ohne finanzielle Hintergedanken", sagt Anna Phoenix. Ehrlichkeit ist auch in Sachen gratis Produkte die Maxime. Wenn ein Produkt nicht gefällt wird den Leserinnen und Lesern erklärt warum. Oder man schickt es zurück: "Das habe ich schon oft gemacht", sagt Alizadeh.

Durchhaltevermögen und eine dicke Haut

Bis es zu genügend Anfragen und Kooperationen kommt, kann es mitunter lange dauern. Eine dicke Haut und Geduld sind Eigenschaften, die Bloggerinnen mitbringen sollten, sind sich die Befragten einig. "Vom Bloggen kann ich erst seit 2013 leben, es hat viel Sitzfleischund Kaffeebohnen gekostet um aus "Fleur de Mode" ein Unternehmen zu machen", sagt etwa Hristina Micevska. Sie gewann dieses Jahr den Madonna-Award für den besten Fashion Blog. Für sie zählen außerdem Mut, Kreativität, Zielstrebigkeit und Computeraffinität zu den Charaktereigenschaften, die man als Modebloggerin mitbringen sollte.

Monatliche Ausgaben haben natürlich auch die Bloggerinnen. Dazu zählen neben der Selbstversicherung vor allem das digitale Equiment, bzw. Server- und Domainkosten. Die meisten schreiben von zuhause aus, manche Bloggerinnen haben aber ein eigenes Büro, Alizadeh sogar einen Praktikanten, der ihr zweimal pro Woche hilft. Dass sie arbeiten kann wann und wo sie will ist für Anna Heuberger beispielsweise das schönste am Blogger-Leben. "Vielleicht werde ich ja auch noch als alte Omi übers stricken, kochen und backen berichten." (lhag, derStandard.at, 06.03.2015)

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