Alles, was rechts ist

4. März 2015, 14:45
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Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit, "Rechtsextremismus"

Es ist paradox: Die Verurteilungen wegen NS-Wiederbetätigung steigen stetig, gleichzeitig beruhigt der Verfassungsschutz: Es gehe keine akute Gefahr von der rechtsextremen Szene aus. Auch der Umfang des Rechtsextremismus-Kapitels im jährlichen Verfassungsschutzbericht schrumpft beständig, 2007 waren es noch 36 Seiten, im Vorjahr nur noch neun.

Das sei kein Zufall, sondern Symptom, erklärt der kluge Analyseband Rechtsextremismus. Herausgegeben wurde dieser von jungen Forschern der Universität Wien mit dem eher sperrigen Dachnamen "Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit". Sie skizzieren, was es mit dem Schwinden der rechtsextremen Szene in der öffentlichen Debatte auf sich hat - und wie das mit der aktuell heiß diskutierten Frage der "linken Gewalt" zusammenhängt.

Verfassungsschutz, Polizei, auf Polizeiinformationen basierende Medienberichterstattung stützten sich auf eine sehr enge Definition von Rechtsextremismus, die nur Bewegungen meine, die sich gegen demokratische Einrichtungen stellen, so die Forscher. Damit werde aber ein wichtiger Teil der rechtsextremen Szene ausgeblendet - und zwar jener, der in die politischen Institutionen des Landes eingesickert ist und sich demokratischer Mechanismen bedient, um an Macht zu gewinnen.

Auch auf vernachlässigte Aspekte des Rechtsextremismus - wie dessen Antifeminismus - geht der Band ein. Wer sich einen raschen Überblick über rechtsextreme Gewalt der jüngsten Vergangenheit verschaffen will, wird im letzten Kapitel des Buchs bedient. (Maria Sterkl, DER STANDARD, 30.1.2015)

Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit, "Rechtsextremismus". Wien, 272 Seiten, € 19,90

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