Studie: Elektronische Geräte gehen schneller kaputt

15. März 2015, 09:07
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Deutsches Umweltbundesamt stellt "auffallende" Steigerung fest – Kauflust von Konsumenten als Umweltproblem

Schon länger sehen sich Hersteller von Elektronikgeräten dem Vorwurf ausgesetzt, ihre Produkte absichtlich so zu bauen, dass sie bereits nach wenigen Jahren ersetzt werden müssen. Ein Vorwurf, dem das deutsche Umweltbundesamt nachgegangen ist.

Im Hinblick auf die Elektroschrott-Problematik wurde auch erörtert, wie lange Konsumenten ihre Geräte nutzen, ehe sie diese mit neueren Modellen ersetzen. Nun liegen erste Zwischenergebnisse vor.

Mehr Defekte

Bei Elektronikgeräten wie Fernsehern oder Notebooks wurden auf Basis von Befragungen Daten zwischen 2004 und 2012 erhoben. Wurden im Erstjahr noch 3,5 Prozent aller Geräte, die vor fünf Jahren oder einem kürzeren Zeitraum gekauft worden waren, aufgrund technischer Defekte ausgetauscht, waren es acht Jahre später 8,3 Prozent.

Eine Steigerung, die die durchführenden Forscher des Öko-Instituts als "auffallend" beschreiben. Bei Großgeräten wie Kühlschränken stieg der Anteil von sieben Prozent im Jahr 2004 auf 13 Prozent im Jahr 2013. Allerdings konnte man bislang keine Beweise dafür finden, dass einzelne Firmen gezielt die Lebensdauer ihrer Elektronikartikel reduzieren würden.

Nutzungsdauer nimmt ohne Not ab

Problematisch ist, dass die durchschnittliche Erst-Nutzungsdauer von Elektronik teils deutlich sinkt, während die Bereitschaft steigt, Geräte zu ersetzen, die noch funktionstüchtig sind. Bei Produkten, die fünf Jahre oder jünger waren, entschlossen sich etwa 2004 nur 2,3 Prozent der Befragten zu einem "Upgrade". 2012/13 waren es 3,8 Prozent.

Bei Fernsehern sank die durchschnittliche Verwendungsdauer nach Kauf von zehn bis zwölf auf 5,6 Jahre, bei Großgeräten von vierzehn auf dreizehn Jahre. Bei Laptops hingegen blieb die Nutzungsdauer ungefähr gleich, die tragbaren Computer werden mittlerweile aber zunehmend aufgrund von Defekten getauscht. Vor einigen Jahren griffen viele Konsumenten noch rein aus dem Wunsch nach einem neueren Modell zu einem Neukauf.

Umweltbundesamt will Prüfkriterien für Mindestlebensdauer

Nicht erhoben wurde im Rahmen der Befragung die Zweitnutzung funktionstüchtiger Geräte. Darunter versteht man etwa die Wiederveräußerung nach Reparatur, die Weiterverwendung im eigenen Haushalt oder die Veräußerung als Second-Hand-Ware.

Die Gesamtstudie soll Ende 2015 zu Ende gehen. Dann will das Umweltbundesamt auch Empfehlungen für Verbraucher, Hersteller und Gesetzgeber diskutieren Ziel ist es, Möglichkeiten zur Ausweitung der Mindestlebensdauer und Prüfkriterien für selbige zu erarbeiten. (gpi, derStandard.at,15.03.2015)

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    Elektronik wird heute tendenziell schneller kaputt als noch vor einigen Jahren, allerdings werden auch immer mehr Geräte ersetzt, obwohl sie noch funktionieren.

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