Indien: Interview mit Vergewaltiger darf nicht gesendet werden

4. März 2015, 13:00
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Innenminister Singh sieht in der Passage des Films "India's Daughter" einen "Angriff auf die Würde der Frauen", die Regisseurin spricht von Zensur

Neu-Delhi - Ein indisches Gericht hat die Ausstrahlung einer Dokumentation über die tödliche Vergewaltigung einer Studentin verboten. Zur Begründung erklärten die Richter am Dienstagabend, der "anstößige" Film zeige ein "sehr strittiges Interview" mit einem zum Tode verurteilten Vergewaltiger und bedrohe die öffentliche Ordnung.

Innenminister Rajnath Singh verteidigte am Mittwoch im Parlament ausdrücklich die Entscheidung: Die Worte eines der Vergewaltiger in dem Film seien "in hohem Maße herabwürdigend" und ein "Angriff auf die Würde der Frauen". Die britische Regisseurin des Films, Leslee Udwin, sprach dagegen von "willkürlicher Zensur".

Film sollte am Frauentag gesendet werden

Der indische Fernsehsender NDTV wollte den Film "India's Daughter" (Indiens Tochter) eigentlich zum internationalen Frauentag am Sonntag ausstrahlen. Am selben Tag soll er auch in sechs anderen Ländern zu sehen sein. Der Fall der 23-jährigen Studentin hatte Ende 2012 weltweit für Empörung gesorgt. Die Frau war in Anwesenheit ihres männlichen Begleiters von einer Gruppe Männer in einem Bus in Neu-Delhi so schwer misshandelt und vergewaltigt worden, dass sie knapp zwei Wochen später ihren Verletzungen erlag.

Massenproteste nach tödlicher Vergewaltigung

In Indien wurde daraufhin bei Massenprotesten die alltägliche Gewalt gegen Frauen verurteilt. In der Folge wurden auch die Gesetze gegen Vergewaltigung verschärft. AktivistInnen beklagen jedoch, dass sich nur wenig geändert habe.

In dem Dokumentarfilm kommt einer der Vergewaltiger ausführlich zu Wort. In dem im Gefängnis geführten Interview gibt er dem Opfer die Schuld an der Tat. Eine Frau sei "weitaus mehr verantwortlich für eine Vergewaltigung" als ein Mann. Die Studentin hätte "nicht abends um 21 Uhr herumstreunen" sollen. Nach Angaben von Filmemacherin Udwin zeigte der Mann "nicht eine Sekunde lang Reue". Aktivisten zufolge sind derartige Auffassungen tief in der indischen Gesellschaft verankert.

Udwin zeigte sich überzeugt, dass NDTV das Verbot anfechten werde. Meinungs- und Redefreiheit seien auch in Indien ein hohes Gut, so die Regisseurin. Im Übrigen verhelfe das Verbot ihrem Film nur noch zu mehr Publizität, jetzt würden ihn alle ihn sehen wollen. NDTV äußerte sich zunächst nicht. (red, APA, 4.3.2015)

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