Kletterboom: Der Kick in den Bergen und seine Gefahren

12. März 2015, 05:30
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Klettern ist angesagt. Weil die Nachfrage so groß ist, schossen in den letzten Jahren auch Klettersteige wie Schwammerln aus dem Boden. Das sorgt zunehmend für Kritik

In Österreich wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Klettersteige in die Felsen geschlagen. Auf diese Weise versuchen vor allem Orte mit Liftanlagen auch im Sommer Touristen anzulocken. 2013 kamen unter anderen der Gebirgsvereins Klettersteig in Niederösterreich und der Attersee Klettersteig in Oberösterreich dazu, 2014 der Klettersteig Gallugg und der Klettersteig Reintalersee in Tirol. Weiterhin werden neue Sportklettersteige, auch "Eisenwege" genannt, gebaut. Sie werden länger, höher und schwerer.

foto: peter von felbert
Auf der Südseite des Wilden Kaisers zwischen Gaudeamus- und Gruttenhütte und unterhalb des Ellmauer Tors, liegt der erste Sportklettersteig am Wilden Kaiser.

"Tourismusverbände, Hüttenwirte oder wer auch immer einen Sportklettersteig errichtet, will ein Highlight setzen. Sie locken mit den längsten, extremsten Klettersteigen. Der Höhepunkt ist aber erreicht", sagt der Alpinwissenschafter Walter Würtl. Dass der Sport immer populärer wird, freut nicht nur die Bergsportindustrie, auch Betreibern von Berghütten kommt der Trend entgegen. Nach einem anstrengenden Aufstieg ist eine Jause auf der Hütte genau das Richtige.

Leider treten durch die Zunahme an Klettersteigen auch immer mehr Probleme auf. Die Einsätze der Bergrettung häufen sich. "Die Zwischenfälle haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Wir bergen völlig erschöpfte, ausgepowerte Leute, die kaum noch selbst auf die Beine kommen", schildert Würtl der auch als Bergführer tätig ist.

Das Wetter in der Höhe

Immer wieder müssen erschöpfte und unterkühlte Bergsteiger aus den Klettersteigen geborgen werden. Zu oft überschätzen sie ihre Fähigkeiten, haben nicht die nötige Ausrüstung dabei und machen Fehler in der Planung. Zusätzlich spielt das Wetter eine große Rolle. Die meisten Klettersteige sollte man selbst nach kurzen Regenschauern nicht begehen. Abrutschgefahr und brüchige Felsen sind die Folge. Auch Blitze stellen eine große Gefahr dar. Außerdem kann es auf den oft hoch gelegenen Klettersteigen auch im Sommer zu Schneefall kommen, da das Wetter in den Bergen sehr schnell drehen kann.

"Besonders problematisch sind die Kaltfronten, denn sie sind schwer vorherzusagen. Auch im Sommer kann es so plötzlich zu Schneefall in den Bergen kommen." Würtl empfiehlt Wetterberichte zu studieren, bevor man den Einstieg in die Wand wagt. "Die Leute schauen morgens aus dem Fenster, sehen dass die Sonne scheint und gehen los, ohne genaue Informationen zum Bergwetter einzuholen."

Eine Auswahl bekannter Klettersteige in Österreich finden sie hier:

Königsjodler-Klettersteig. Nach dem langen Aufstieg bietet einem der Königsjodler einen atemberaubenden 360 Grad Ausblick.

Errichtet wurde der Königsjodler 2001. Er gilt als einer der anspruchsvollsten Klettersteige Österreichs und als der längste Salzburgs. Auch wenn der Steig am Hochkönig nur mit der Schwierigkeitsstufe D bewertet ist, sollte man ihn nicht unterschätzen. Aufgrund der Länge ist der Klettersteig nur für geübte Bergsteiger zu empfehlen. Immer wieder müssen Leute von der Bergrettung abtransportiert werden. Auch mehrere Todesopfer gab es hier schon. Meist schätzen sie ihre Fähigkeiten falsch ein und ermüden im Laufe des Aufstiegs.

Im Weißbach bei Lofer liegt der extreme Wilde Gams Klettersteig. Er ist sehr kurz, aber auch sehr belastend, vor allem für die Arme. Nach oben hin wird der Steig zunehmend schwerer. Kräftige Kletterer haben hier ihren Spaß. Der Schwierigkeitsgrad liegt bei E/F. Es wird empfohlen ein Sicherungsseil für den Nachsteigenden zu verwenden.

Bürgeralm-Klettersteig. Viel Kraft braucht es auf dem Weg nach oben.

Bei Aflenz in der Steiermark liegt der Bürgeralm Klettersteig. Eigentlich unspektakulär, ist der Steig, durch eine Variante mit dem Schwierigkeitsgrad F, zu einem absoluten Publikumsliebling geworden. Die so genannte Arenavariante fordert dem Athleten alles ab. Geklettert wird meistens im Überhang. Nur Klettersteiggeher mit langer Erfahrung und viel Kraft, sollten sich für diese Route entscheiden. Die Arenavariante lässt sich aber auch umgehen.

foto: alpenvereinaktiv.com
Kaiser Max-Klettersteig. Aus der Wand hat man einen herrlichen Blick auf Zirl.

Bei Zirl, in der Nähe von Innsbruck, liegt der Kaiser Max Klettersteig an der Martinswand. Ist der Einstieg noch etwas leichter zu bewältigen, wird es nach oben hin zunehmend schwieriger. Vor allem die Vertikale am Ende des Steigs hat es in sich. Darum ist er auch umstritten, denn die zweite Passage gilt als eine der schwierigsten Europas. Sie sollte nur von erfahrenen Bergsteigern geklettert werden.

Der Kristall Klettersteig liegt ebenfalls in Salzburg. Zwar ist er um ein vielfaches kürzer, als etwa der Königsjodler, dafür verlangt er einem ein hohes Maß an Konzentration und Kraft ab. Zusätzlich ist der Klettersteig äußerst steil. Für geübte Bergsteiger stellt der Steig aber keine größeren Probleme dar. Besonders schön ist der Blick auf den Weißsee, der als Aufsteigenden als ständiger Begleiter zu Füßen liegt.

foto: apa
Im Mai 2014 mussten drei Tschechen, die trotz des Unwetters auf die Seewand in Hallstatt geklettert waren, aus dem Steig gerettet werden.

Ein weiterer Sportklettersteig befindet sich im Salzkammergut in Oberösterreich. Der Seewand Klettersteig bei Hallstatt führt fast durchgehend über steile Felswände. Durch seinen Höhenunterschied von fast 800 Meter ist er fast so lange wie der Königsjodler. In Kombination mit teils sehr schwierigen Passagen, verdient der Steig somit die Einstufung in die Kategorie E. Während dem Aufstieg hat man einen tollen Ausblick auf Hallstatt und den anliegenden Hallstätter See. Der Steig ist von Ende Juni bis Mitte Oktober begehbar.

foto: alpenvereinaktiv.com
Drachenwand-Klettersteig mit Blick auf den Mondsee.

Der Drachenwand Klettersteig bei St. Lorenz in Oberösterreich ist einer der beliebtesten Österreichs. Er liegt über dem Mondsee und bietet abenteuerlustigen Kletterern einen atemberaubenden Ausblick. Wer diesen Eisenweg bezwingen möchte, sollte stets auf dem Pfad bleiben. Daneben herrscht eine sehr hohe Steinschlaggefahr. Auch wenn der Steig nicht zu den schwierigsten Österreichs zählt, sollte man ihn aufgrund seiner Länge trotzdem nicht unterschätzen.

Hohensalzburg. Der City Wall Klettersteig liegt am Fuße des Bergs. Beim Klettern in der Wand wird man von Touristen beobachtet, die die Burg besichtigen wollen.

Der City Wall Klettersteig befindet sich in der Stadt Salzburg. Wie der Name schon verrät, wird hier direkt über den Dächern der Stadt geklettert. Ursprünglich war der Steig ausschließlich für fortgeschrittene Bergsteiger zu bewältigen. Die Originalroute überwiegend überhängend und sehr Kraft raubend. Im Jahr 2014 wurde aber eine alternative Route angebracht. Seither können auch Anfänger den Steig hinauf klettern.

Im Ort Dornauberg-Ginzling in Tirol liegt die Nasenwand. Dieser Sportklettersteig bietet sowohl Passagen für Anfänger, als auch für Profis. Der erste Teil des Steigs ist mit der Schwierigkeitsstufe C/D bewertet und für Fortgeschrittene sicher ein leichter. Wer Lust auf mehr hat, der kann sein Können am zweiten Teil des Steigs testen. Durch Überhänge wird der weitere Aufstieg besonders für die Armmuskulatur zur Belastung. Der obere Teil ist mit Schwierigkeitsgrad E bewertet. (Johannes Wagner, derStandard.at, 11.3.2015)

Informationen und Bilder zu allen genannten und weiteren Klettersteigen in Österreich finden sie auf bergsteigen.com.

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