Bilanzen der Hypo/Heta geraten ins Rampenlicht

3. März 2015, 20:22
6 Postings

Absturz bei Bewertungen lässt Neos und Experten an Hypo-Bilanzen zweifeln - Branche verteidigt sich

Das plötzlich aufgetauchte Riesenloch in den Heta-Zahlen hat das Interesse der Politik und Öffentlichkeit nun auf die Bilanzen der vormaligen Hypo Alpe Adria gelenkt. Wie berichtet, beträgt der Wertberichtigungsbedarf laut jüngster Asset Review bis zu 8,7 Milliarden Euro.

Die Neos haben angesichts dessen Bilanzfälschung in den Raum gestellt; sie wollen laut ihrem Finanzsprecher Rainer Hable Anzeige gegen unbekannten Täter erstatten. Finanzminister Hans Jörg Schelling hält das für "politisches Geplänkel", wiewohl er selbst in einem ORF-Interview gemeint hat, seit 2000 hätten "die Zahlen (der Hypo; Anm.) nie gestimmt" . Der Chef der Heta-Abwicklerin FMA, Klaus Kumpfmüller, sagte, man habe "derzeit keine Hinweise auf eine Bilanzfälschung". Ein "Schönrechnen" der Bilanzen der vergangenen Jahre könne er aber nicht ausschließen. Auch Finanzexperte Werner Doralt vermutet, dass schon frühere Bilanzen falsch gewesen seien.

Die Hypo wird seit 2010 von EY (früher Ernst & Young) geprüft, davor waren Deloitte und PwC Abschlussprüfer. EY prüft gemeinsam mit der KPMG auch den Jahresabschluss 2014 der Heta. Die aufregende Asset Review wurde im Auftrag der Heta von PwC und Alvarez durchgeführt.

EY-Sprecher und -Partner Helmut Maukner weist die Vorwürfe strikt zurück. Man habe alle bisherigen Bestätigungsvermerke zu den vom Vorstand aufgestellten Jahres- und Konzernabschlüssen "mit umfangreichen Ergänzungen zu diversen Problemen versehen". Die Voraussetzungen für die Bilanzierung hätten sich grundlegend geändert, habe sich die Republik doch vor einem Jahr (Bilanzerstellung 2013) noch zur Finanzierung der Hypo verpflichtet. Das hat sich nun ja geändert. Zudem habe man 2013 gemäß Fortführungsprinzip bewertet, in der jetzigen Abbaugesellschaft gelten ganz andere Bewertungskriterien.

Ganz generell sorgt die Diskussion über den Absturz der Heta-Zahlen bei Wirtschaftsprüfern für helle Aufregung. Der Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner, will zwar zum konkreten Fall keinen Kommentar abgeben, relativiert aber trotzdem. Der in der jüngsten Vermögensbewertung genannte Abwertungsbedarf klinge zwar hoch, aber gerade auf den Märkten der Hypo habe es bei den Immobilien einen großen Preisverfall gegeben. Ähnliches habe sich beim Platzen der Internetblase 2000 abgespielt. Ob man aus dem Boden gestampfte Unternehmen mit einer im Jahr 1896 gegründeten Bank vergleichen könne? Hübner: "Nein, aber es zeigt, wie rasend schnell sich Märkte verändern können."

"Es herrscht nackte Angst"

In den Augen des Kammerpräsidenten hat sich das Sensorium der Wirtschaftsprüfer laufend geschärft. Bis jetzt sei noch "kein Fall aufgekommen, in dem das Versagen eines Wirtschaftsprüfers festgestellt wurde". Auch in der Causa Bawag sei der Wirtschaftsprüfer freigesprochen worden. Allerdings stellt Hübner eine Verunsicherung in der Branche fest. "Die Kollegen, die ständig mit Haftungen konfrontiert werden, fürchten, einsitzen zu müssen. Es herrscht die nackte Angst." Der Beruf sei "nicht mehr attraktiv", 2014 habe man nur noch 37 Wirtschaftsprüfer vereidigt, früher seien es 50 bis 60 pro Jahr gewesen.

Auch der Chef des Arbeitsausschusses für externe Qualitätsprüfungen (AeQ), Wirtschaftsprüfer Hans Hammerschmied, verteidigt seine Kollegen. Der AeQ ist eine Behörde, die Qualitätsprüfungen in der Branche durchführt; es geht dabei um formale Kriterien. Hammerschmied: "Der Abschlussprüfer muss nur prüfen, ob der Abschluss richtig erstellt ist. Um Unterschlagungen geht es nicht."

Der Grazer Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner, der im Hypo-Auftrag etliche Gutachten erstellt hat, sieht es ganz anders. Er findet den Bruch in der Heta-Bilanz seltsam, "eine Bank bricht nicht in einem Jahr zusammen", meinte er in Ö1.

In seinem Gutachten zu den Hypo-Leasinggesellschaften hat Kleiner zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf in Milliardenhöhe errechnet. Die Zahlen dienen als Basis in Prozessen gegen die BayernLB. Aufgemacht wurden die Hypo-Bilanzen aber nie. (gra, DER STANDARD, 4.3.2015)

Share if you care.