Autozulieferer Mubea Carbo streicht 220 Jobs

3. März 2015, 16:37
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Zwei größere Aufträge ausgelaufen - Soziale Härtefälle sollen abgefedert werden

Salzburg - Der Salzburger Automobilzulieferer Mubea Carbo Tech wird bis Mitte des Jahres 220 der 612 Stellen in der Mozartstadt abbauen. Das kündigte das Unternehmen am Dienstagnachmittag gegenüber der Belegschaft und danach vor Journalisten an. Am Standort Salzburg selbst wird aber nicht gerüttelt. Für die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlieren, soll es soziale Maßnahmen geben.

Laut Geschäftsführer Bernhard Spielvogel werden insgesamt 120 fixe Mitarbeiter und 100 Leiharbeiter Ende März beim Arbeitsmarktservice (AMS) angemeldet. Die ersten Kündigungen würden per 1. Mai erfolgen, bis Jahresmitte soll der Abbau abgeschlossen sein. Am Dienstagnachmittag saßen Betriebsrat und Personalabteilung zusammen, um einen detaillierten Plan zu erstellen. Auch wenn er auf die Schnelle noch keine Details kenne, soziale Härtefälle würden auf alle Fälle abgefedert, sagte der Geschäftsführer: "Es wird definitiv etwas geben."

Als Grund für die Kündigungen nannte Spielvogel das Auslaufen zweier Aufträge. Vor gut zwei Jahren sei zusätzliches Personal für diese Projekte aufgenommen worden, und zwar für die Fertigung der Monocoques (Fahrgastzellen) für den Porsche Spyder 918 und den VW XL 1 (Ein-Liter-Auto), schilderte der Geschäftsführer. Beide Projekte seien von Anfang an limitiert gewesen und würden Mitte 2015 auslaufen. "Wir haben lange um neue Aufträge gekämpft und auch einiges bekommen. Daher konnten wir die Zahl der Kündigungen von ursprünglich 300 auf 220 reduzieren." Bei den betroffenen Mitarbeitern handle es sich vor allem um Menschen Mitte 30, von denen fast alle eine abgeschlossene Lehre hätten, wenn auch zum Teil in anderen Berufen. "Wir haben nämlich alle selber ausgebildet."

Salzburger Standort nicht in Gefahr

Der Standort Salzburg ist aber laut Spielvogel nicht in Gefahr. Die Monocoques für McLaren, die Mubea Carbo Tech den Durchbruch auf dem Markt gebracht haben, würden weiterhin produziert. Nach Angaben des Geschäftsführers wurden bisher 5.600 Stück ausgeliefert, 25.000 weitere würden bis 2020 folgen.

Für die Zukunft des Unternehmens skizzierte Spielvogel vier Standbeine: Dies sei zum einen die Forschung und Entwicklung (F&E). Zweitens wolle man sich wieder verstärkt dem Rennsport widmen, mit dem Carbo Tech groß geworden ist, der aber zuletzt wegen der Serienproduktionen etwas vernachlässigt worden sei. Drittes Standbein seien die bereits erwähnten Monocoques. Und der vierte Bereich seien sogenannte CFK-Räder. "Hier sind wir dabei, die Serienproduktion für 20.000 Räder pro Jahr aufzubauen. Wir rechnen ab Ende 2016 mit großen Aufträgen, wenn diese Räder auf den Markt kommen", so Spielvogel. Bis dahin sei es aber ein zu langer Zeitraum, weswegen die Kündigen erfolgen. In Summe wird Carbo Tech 2015 und 2016 rund acht Mio. Euro investieren.

Mubea Carbo Tech erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von rund 75 Mio. Euro. 2013 und 2014 wurden Verluste geschrieben. "Wir haben seit drei Jahren die Räder entwickelt. Der Erfolg kommt jetzt", so der Geschäftsführer, der nicht unerwähnt ließ, dass sein Unternehmen mit den Sparmaßnahmen zunächst in der Chefetage begonnen habe: Von der vierköpfigen Geschäftsführung seien der Eigentümer und er übrig geblieben, und auch beim Overhead sei gespart worden. (APA, 3.3.2015)

  • Die 220 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, sollen durch "soziale Maßnahmen" aufgefangen werden, heißt es vonseiten Mubea Carbo.
    foto: apa/neumayr

    Die 220 Mitarbeiter, die ihren Job verlieren, sollen durch "soziale Maßnahmen" aufgefangen werden, heißt es vonseiten Mubea Carbo.

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