Terrorist "Jihadi John" klagte 2009 über Verfolgung durch Spione

3. März 2015, 13:33
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Emwazi wandte sich an die muslimische Bürgerrechtsorganisation CAGE, um über Belästigung durch Agenten zu klagen

Der mutmaßliche IS-Terrorist Mohammed Emwazi, auch bekannt als "Jihadi John", soll sich in den vergangenen Jahren mehrmals über massive Überwachung durch Agenten des britischen Geheimdienstes MI5 beschwert haben. In einem Tonband, das von der BBC veröffentlicht wurde, spricht Emwazi von einem aufdringlichen Agenten namens "Nick", der ihn wiederholt mit Fragen gelöchert und bedroht hat.

Safari oder Terrorcamp?

So wollte Emwazi laut eigenen Angaben 2009 an einer Safari in Tansania teilnehmen. Der britische Geheimdienst vermutete – wohl nicht ohne Grund – dass Emwazi nach Somalia ausreisen wollte, um an Trainingslagern der Terrormiliz al-Shabaab (eines al-Kaida-Verbündeten) teilzunehmen. Allerdings schickte Tansania den britischen Staatsbürger sofort wieder nach Europa zurück, wo er in Amsterdam von einem britischen Spion verhört wurde.

Mitschnitt von Gespräch öffentlich

Dieser Agent soll Emwazi dann jahrelang verfolgt haben. Das erzählte Emwazi 2009 der Bürgerrechtsorganisation CAGE, die sich gegen die Diskriminierung von Muslimen stark macht. Diese fertigten auch einen Mitschnitt des Gesprächs an, der nun der BBC übergeben wurde. Ein Mitarbeiter der Organisation geriert nun in die Kritik, weil er die Geheimdienste für Emwazis Radikalisierung verantwortlich gemacht hatte. Dies relativierte der Mitarbeiter am Dienstag mit den Worten "Es geht nur um ein bisschen Verantwortung."

Verfolgung durch Spione

Denn die MI5-Agenten sollen Emwazis selbst beharrlich verfolgt haben, obwohl sich jener zu diesem Zeitpunkt noch nichts vorzuwerfen hatte. So wurde er mehrmals zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder späteren Anschlagen in London oder Madrid befragt. Emwazi soll damals abgestritten haben, mit den Attentätern zu sympathisieren. Die Spione hätten ihm aber konstant "Worte in den Mund gelegt", beschwerte er sich gegenüber CAGE.

Militärisches Ziel

Emwazi hatte letztmals 2013 Kontakt zu seiner Familie. Da habe er angegeben, "humanitär" in Syrien tätig zu sein. Tatsächlich soll Emwazi als "Jihadi John" das weltbekannte Gesicht der Terrormiliz IS sein. Jihadi John trat in mehreren Videos von Geiselermordungen in Erscheinung. Laut US-Pentagon sei er ein "militärisches Ziel". Der britische Premier David Cameron verteidigte die Arbeit der Geheimdienste, diese hätten "exzellente Arbeit" geleistet. Das Emwazi trotz der Überwachungsmaßnahmen nach Syrien reisen konnte, liege in der Natur der Personenüberwachung, die nicht ewig fortgeführt werden könne. (fsc, derStandard.at, 3.3.2015)

  • An dieser Adresse soll "Jihadi John" vor seiner Ausreise nach Syrien gelebt haben
    foto: reuters/wermuth

    An dieser Adresse soll "Jihadi John" vor seiner Ausreise nach Syrien gelebt haben

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