Milliarden Menschen mit Schmerzmitteln unterversorgt

3. März 2015, 13:52
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Fachleute haben errechnet, dass 92 Prozent des Morphins nur 17 Prozent der Weltbevölkerung zur Verfügung steht

London - 5,5 Milliarden Menschen haben keinen oder nur einen begrenzten Zugang zu Medikamenten, die Substanzen wie Codein oder Morphin enthalten. Somit bleibt drei Viertel der Weltbevölkerung im Notfall eine wirksame Schmerzbehandlung verwehrt. Auf dieses Manko verweist der in Wien ansässige UNO-Suchtstoffkontrollrat (INCB) in seinem in London präsentierten Jahresbericht 2014.

Insgesamt stehen 92 Prozent des Morphins nur 17 Prozent der Weltbevölkerung zur Verfügung - überwiegend in den USA, in Kanada, Westeuropa, Australien und Neuseeland, wie die Fachleute errechnet haben. Zugleich fordert der INCB die Staaten auf, die Bekämpfung des Drogenproblems als Priorität zu sehen und mehr Ressourcen zu Prävention, Behandlung von Abhängigen und deren Rehabilitation zur Verfügung zu stellen.

"Maßnahmen zur Drogenkontrolle existieren nicht in einem Vakuum", heißt es in dem Bericht, Staaten müssten bei deren Umsetzung ihren Verpflichtungen durch internationale Abkommen nachkommen. Welche Strafen verhängt werden, bleibe den Staaten überlassen, der Suchtstoffkontrollrat spricht sich aber eindeutig gegen die Todesstrafe nach Drogendelikten aus.

Starker Anstieg von Ritalin-Konsum

Als wachsendes Problem sehen die Experten der Vereinten Nationen die sogenannten neuen psychotropen Substanzen, die sich derzeit in rund 400 Designerdrogen nachweisen lassen.

Um 66 Prozent - im Vergleich zu 2013 - ist laut dem Bericht der Verbrauch von Methylphenidat (besser bekannt unter anderem als Ritalin) gestiegen, ein Amphetamin-Derivat, das zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt wird.

Als Gründe dafür nennt der INCB ein Anwachsen der potenziell betroffenen Altersgruppe, mangelnde Verschreibungsrichtlinien und ausgeprägte Marketingstrategien. "Allein in den USA wurde bei rund elf Prozent der Vier- bis 17-Jährigen ADHS diagnostiziert. In Deutschland ist die Zahl der ADHS-Diagnosen bei Kindern und Jugendlichen von 2006 bis 2011 um 42 Prozent gestiegen", heißt es in dem Bericht.

In Europa bleiben laut INCB die Verfügbarkeit und der Missbrauch von neuen psychoaktiven Substanzen ein großes Problem. In Ost- und Südosteuropa lagen die Raten der intravenös injizierenden Drogenkonsumenten und jener, die darüber hinaus mit HIV infiziert sind, höher als im weltweiten Schnitt. Während Todesfälle nach Heroinmissbrauch abgenommen hätten, seien mehr Menschen durch synthetische Drogen gestorben. (APA/red, derStandard.at, 3.3.2015)

Originalpublikation:

INCB Report 2014

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