Honduras: Sagenumwobene "Stadt des Affengotts" im Dschungel entdeckt

3. März 2015, 11:48
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600 bis 1000 Jahre alte Überreste vermutlich Teil einer versunkenen Zivilisation

Tegucigalpa – Seit Jahrhunderten kursieren Legenden von der "Stadt des Affengotts", die von der Zeit vergessen im mittelamerikanischen Regenwald verborgen liegen soll. Abenteurer und Glücksritter wollen immer wieder von spektakulären weißen Ruinen gehört haben. Einheimische kennen sie als "Weiße Stadt" oder "Ort des Kakaos", in der sich einst die präkolumbischen Ureinwohner vor den spanischen Konquistadoren versteckt hatten – eine Art Garten Eden, aus dem jene, die ihn betraten, niemals mehr zurückkehrten.

Nun hat ein internationales Wissenschafterteam in Honduras die praktisch unberührten Überreste dieser sagenumwobenen Dschungelstadt entdeckt – mehr noch: Es scheint, als handelt es sich in Wirklichkeit um die Ruinen einer ganzen untergegangenen Zivilisation.

Erste Hinweise auf die Anlage in der Region La Mosquitia im Nordosten des Landes hatten die Forscher bereits 2012 mithilfe von Luftaufnahmen erhalten. Doch erst jetzt war eine Expedition in die entlegene, von Sümpfen, Flüssen und Bergen dominierte Gegend aufgebrochen, um zu sehen, was sich unter dem dichten Blätterdach des Regenwaldes tatsächlich befand.

Schätze über und unter der Erde

Wie die Zeitschrift "National Geographic" am Montag berichtete, dürften die Entdeckungen alle Erwartungen übertroffen haben: Überreste von Plätzen, Erdwällen und Pyramiden sollen die Wissenschafter ebenso vorgefunden haben wie über 50 aus dem Boden ragende Artefakte. Ganz bestimmt warten noch viel mehr archäologische Schätze unter der Erde auf ihre Entdeckung, sind die Wissenschafter überzeugt.

Christopher Fisher, Experte für Mesoamerikanische Archäologie von der Colorado State University, war Teilnehmer der Expedition. "Dass wir die Anlage unberührt und von Plünderern verschont vorgefunden haben, ist etwas unglaublich Seltenes", erklärt er nach der Rückkehr des Teams am vergangenen Mittwoch. Unter den Überresten fanden die Forscher auch ein ganzes Lager an Steinfiguren, vermutlich als Opfergaben für die Götter bestimmt.

Untergegangene Zivilisation

Eines der spektakulärsten Stücke ist der Kopf einer Statue, die ein mystisches Wesen – halb Mensch, halb Jaguar – darstellt. Oscar Neil Cruz, leitender Archäologe vom Honduran Institute of Anthropology and History (IHAH), schätzt die Artefakte auf ein Alter von 600 bis 1000 Jahre. Die Archäologen vermuten, dass Ciudad Blanca, die "Weiße Stadt", nur eine von mehreren noch unentdeckten Ruinen ist, die zu einer untergegangenen Zivilisation gehört hatten. Im Gegensatz zu den ebenfalls in der Region heimischen Maya ist der Wissenschaft über diese Kultur allerdings so gut wie nichts bekannt.

"Dies ist mit Sicherheit der unberührteste Regenwald von ganz Zentralamerika", meint auch der US-amerikanische Ethnobotaniker Mark Plotkin, ebenfalls Teilnehmer der Expedition mit 30-jähriger Forschungserfahrung in Amazonien. "Diese Entdeckung ist daher kaum zu überschätzen."

Deutscher Altamerikanist warnt vor übereilten Schlüssen

Skeptischer reagieren dagegen Berufskollegen auf den Fund: Der deutsche Altamerikanist Nikolai Grube warnte auf Anfrage vor zu großer Euphorie und Spekulationen. Von einer Kultur könne man frühestens sprechen, wenn man ein Netz von mehreren Dörfern entdeckt habe. Auch sei der Begriff "Weiße Stadt" mit Vorsicht zu verwenden, da es wohl eher um Überreste eines Dorfes gehe. "'Die Weiße Stadt' ist das sicherlich nicht, sondern eine wichtige archäologische Fundstätte von einer großen menschlichen Siedlung, die vielleicht der Sitz eines Häuptlings gewesen sein könnte", erklärte Grube. (tberg, red, derStandard.at, 3.3.2015)

  • Mitten im Regenwald im unberührten Norden von Honduras entdeckten Forscher die legendäre Ciudad Blanca. Erste Hinweise darauf ergaben bereits Luftaufnahmen im Jahr 2012.
    illu.: university of houston

    Mitten im Regenwald im unberührten Norden von Honduras entdeckten Forscher die legendäre Ciudad Blanca. Erste Hinweise darauf ergaben bereits Luftaufnahmen im Jahr 2012.

  • 3-D-Scans enthüllten einen beinahe quadratischen Platz, auf dem sich zahlreiche Strukturen erheben.
    grafik: university of houston

    3-D-Scans enthüllten einen beinahe quadratischen Platz, auf dem sich zahlreiche Strukturen erheben.

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