Tausende nehmen in Moskau Abschied von Nemzow

Ansichtssache3. März 2015, 12:53
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Moskau - Unter großem Polizeiaufgebot haben tausende Menschen in Moskau Abschied vom ermordeten Kremlkritiker Boris Nemzow genommen. Mit roten Rosen in den Händen zogen am Dienstagvormittag Freunde und Weggefährten am offenen Sarg des 55-jährigen Oppositionellen vorbei, der in den Räumen des Sacharow-Zentrums aufgebahrt war.

Vor dem Gebäude der Menschenrechtsorganisation bildete sich eine lange Schlange von Trauernden. Die Polizei sperrte die Umgebung weiträumig ab. Am Nachmittag sollte Nemzow beigesetzt werden. Er war am Freitagabend in Kremlnähe auf offener Straße erschossen worden. Der Täter entkam unerkannt.

Hauptaugenzeugin in Kiew

Die Lebensgefährtin von Nemzow, die Augenzeugin seines Mordes wurde, ist inzwischen wieder in ihrem Heimatland, der Ukraine, eingetroffen. Nach eigenen Angaben wurde der 23-Jährigen Ganna Durizka seit dem Verbrechen die Ausreise aus Moskau verweigert. Sie sagte dem russischen Oppositionssender Doschd am Montag, sie sei nicht verdächtig und habe deshalb "das Recht, Russland zu verlassen". Sie habe der Polizei bereits alles gesagt, was sie wisse. Durizkas Mutter appellierte an den ukrainischen Präsidenten und das Außenministerium, sich für die Rückkehr ihrer Tochter einzusetzen. "Sie ist unschuldig", sagte Inna Durizka dem ukrainischen Sender 1+1.

Einreiseverbote

Die EU hat ein russisches Einreiseverbot für die lettische EU-Abgeordnete und ehemalige EU-Kommissarin Sandra Kalniete verurteilt, die am Begräbnis des ermordeten russischen Oppositionellen Boris Nemzow teilnehmen wollte. Dies sei "ein klarer Bruch grundlegender Prinzipien", sagte Maja Kocijancic, Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini, am Dienstag in Brüssel.

Die Sprecherin wies darauf hin, dass Kalniete einen diplomatischen Reisepass habe. Die Angabe der russischen Behörden, wonach sie eine Bedrohung der Sicherheit darstelle, "scheint keine glaubwürdige Erklärung zu sein". Das Einreiseverbot sei auch nicht im Einklang mit den weiterhin geltenden Visa-Erleichterungen, die zwischen der EU und Russland vereinbart seien.

Das polnische Außenministerium hat ebenfalls mit einer Protestnote auf das Einreiseverbot gegen Senatspräsident Bogdan Borusewicz reagiert. (APA, 3.3.2015)

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Boris Nemzows Mutter steht mit Verwandten am Grab.

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