Drogenclan: 18 Verhaftungen bei Großrazzia in Wien

3. März 2015, 06:15
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"La Familia" soll seit Sommer 2014 monatlich rund 56.000 Euro umgesetzt haben – 43-jähriger Vater soll sogar die eigenen Kinder kokainabhängig gemacht haben

Wien – Die Wiener Polizei hat einer mutmaßlich kriminellen Organisation das Handwerk gelegt: Vergangene Woche wurden 18 Personen verhaftet – Mitglieder eines Familienclans, Dealer und Abnehmer. Der Kopf der Bande, ein 43-Jähriger, soll sogar seine Kinder kokainabhängig gemacht haben, um sie "besser" als Dealer einsetzen zu können. Seit Sommer soll der Clan monatlich Drogen im Straßenverkaufswert von 56.000 Euro umgesetzt haben.

Vater, Stiefmutter, zwei 19-jährige Zwillingssöhne, eine 22-jährige Tochter, zwei Ex-Schwiegersöhne im Alter von 32 und 37 Jahren sowie der aktuelle Freund der Tochter – das sind die Hauptakteure des Clans. Sie werden verdächtigt, Teil einer kriminellen Organisation zu sein. Gemeinsam mit zwei Dealern – einem 44-Jährigen aus Niederösterreich sowie einem 49-jähriger Sozialhilfebezieher mit Einfamilienhaus in Wien-Donaustadt – zog "La Familia", wie sich der Clan selbst bezeichnete, den groß angelegten Handel mit Kokain und Marihuana in Wien auf.

Verkauf und Verwaltung

Vormittags arbeitete der 43-Jährige in einer Werkstatt nördlich von Wien, nachmittags soll er Drogen verkauft beziehungsweise den Verkauf über die Familienmitglieder von seiner Wohnung in der Donaustadt aus organisiert haben. Seine 46-jährige Ehefrau dürfte das Geld verwaltet und das Abmischen und die Ausgabe der Drogen organisiert haben. Ihr wird vorgeworfen, die Suchtmittel an die Firmenadresse ihres Mannes transportiert zu haben.

Die Kinder sollen die Kunden beliefert haben, wobei einer der Zwillinge gemeinsam mit dem 37-jährigen Ex-Freund der Tochter laut Polizei zu den "fleißigsten" Dealern gezählt habe. Zudem dürfte der 19-Jährige für den Betrieb einer Marihuanaplantage mit rund 350 Pflanzen neben einem Tennisplatz in Floridsdorf zuständig gewesen sein. Der zweite Sohn dürfte die Drogen in der Nähe seiner Wohnung in Meidling vertrieben haben.

Verkauf im Imbisslokal

Die 22-Jährige und ihr Lebensgefährte bezogen gemäß den Aussagen der Polizei die Suchtmittel direkt vom Vater der jungen Frau und lieferten an ausgewählte Abnehmer – teilweise bedienten sie die Kunden auch in ihrer Wohnung im Bezirk Landstraße. Ein weiterer ehemaliger Freund der Tochter, der 32-Jährige, soll sich mehrmals wöchentlich bei seinem Ex-Schwiegervater Suchtmittel abgeholt und sie sowohl in seiner Wohnung als auch an seinem Arbeitsplatz – einem Imbisslokal in Kaisermühlen – verkauft haben. Um die Drogen beim Familienvater bezahlen zu können, bediente sich der 32-Jährige in der Kassa seines Arbeitgebers, so die Ermittlungen der Polizei.

Ein- bis zweimal pro Woche dürfte sich der 43-Jährige das Kokain beim 44 Jahre alten Dealer in Niederösterreich besorgt haben, der das Suchtmittel wiederum vom unauffällig in der Donaustadt lebenden 49-Jährigen bezog. Anschließend bestätigte der Vater seinem Familienclan, dass die Geschäfte "weitergehen" können. "La Familia" soll laut Schätzungen mit den Geschäften einen monatlichen Umsatz von rund 56.000 Euro erwirtschaftet haben. Gestreckt habe der Clan seit Sommer 2014 mindestens ein Kilogramm Kokain verkauft, ergaben die Erhebungen der Polizei.

Großrazzia am 23. Februar

Am Abend des 23. Februar wurde die Tätigkeit der Bande von Suchtgiftermittlern des Landeskriminalamtes beendet. Rund 130 Beamte, darunter die Spezialeinheit Wega, schlugen zeitgleich an 15 Adressen in Wien und Niederösterreich zu. Binnen einer Stunde wurden 18 Personen – Clan, Dealer sowie acht Abnehmer – festgenommen, teilweise aus fahrenden Autos heraus. Die Familienmitglieder zeigten sich großteils geständig.

Bei den zahlreichen Hausdurchsuchungen stellte die Polizei neben 28.000 Euro Bargeld und Drogen auch Schrotgewehre, Gaspistolen, eine Armbrust sowie einen Dolch und eine Machete mit je 50 Zentimeter Klingenlänge sicher. Die rund 350 Cannabis-Pflanzen wurden vernichtet. (APA, 3.3.2015)

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