Hypo: Alte Balkan-Geschäfte in neuem Licht

3. März 2015, 13:01
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Ende 2014 lagen 42 Prozent des Kreditvolumens der Heta in Südosteuropa

Zurzeit wird gerade dem ehemaligen Direktor der Hypo Leasing in Kroatien, Drago Vidakovic wegen des Verdachts der Annahme von Bestechungsgeldern der Prozess in Zagreb gemacht. In Kroatien wurde im Rahmen der Hypo-Affäre aber bisher nur Ex-Premier Ivo Sanader verurteilt. Sanader hat demnach für umgerechnet etwa 500.000 Euro Provision, 1994 den Markteintritt der Hypo Bank ermöglicht. Alles andere liegt im Dunklen.

Laut Heta-Sprecher Alfred Autischer beliefen sich die aushaftenden Beträge der Hypo Bank Int mit Jahresende 2013 in Südosteuropa auf 2,2 Mrd., also 42 Prozent des gesamten Kreditvolumens. Besonders hoch ist der Anteil in Kroatien mit 29 Prozent. Der kroatische Journalist Domagoj Margetic, der sich seit Jahren mit der Hypo Causa beschäftigt, vermutet, dass das nun entdeckte neue "Loch" mit Geldtransfers vor vielen Jahren von Österreich nach Kroatien zu tun haben könnte.

Margetic behauptet, dass zwischen den Krediten, die von der Hypo in Klagenfurt und der Hypo-Tochter in Kroatien vergeben wurden, keine scharfe Trennung gemacht werden kann. "Alle Kredite kamen tatsächlich aus Klagenfurt. Die Hypo Klagenfurt hat der Hypo Zagreb das Geld als versteckten Anteil von Krediten gegeben", sagt er zum STANDARD. Er erklärt das Schema folgerndermaßen: Die Hypo Klagenfurt habe zum Beispiel in der Früh Einlagen über ein paar Millionen Euro an die Slavonska Banka Osijek geschickt. Diese habe am Nachmittag das Geld an die Hypo Zagreb überwiesen, allerdings nicht in den Bilanzen registriert, dass das Geld wieder weg war. Daraufhin sei ein Vertrag zwischen der Hypo Klagenfurt und der Hypo Zagreb gemacht worden.

Finanzinspektorat

Das Finanzinspektorat des kroatischen Finanzministeriums habe die Transkationen zwischen 1999 und 2001 entdeckt und sowohl die kroatische als auch die österreichische Nationalbank davor gewarnt, dass, wenn dies so weiter gehe, die Finanzsysteme beider Staaten gefährden könne, so Margetic. Das Finanzinspektorat des kroatischen Finanzministeriums hat bisher noch nicht auf eine Anfrage des STANDARD geantwortet.

Laut dem Sprecher der Heta, Alfed Autischer ist der Fall der Rechtsabteilung nicht bekannt. Autischer schließt aber "zu Hundert Prozent aus, dass diese Sache mit der derzeitigen Bewertung der Assets irgendetwas zu tun hat".

Margetic sagt, er habe die österreichischen Parlamentarier über seine Recherchen informiert, aber keine Antwort bekommen. Ein diesbezügliches Mail von Margetic vom 24. Juni 2007 liegt dem STANDARD vor.

Margetic selbst wurde übrigens am 14. August vergangenen Jahres in der Nacht vor seiner Wohnung in Zagreb überfallen. Ein Unbekannter versuchte ihn, mit einem Betonstück zu erschlagen. Er konnte sich wehren, lag aber ein paar Tage im Spital. Seitdem steht er unter Polizeischutz. Der investigative Journalist vermutet, dass der Angriff mit seinen Hypo-Recherchen zu tun hat.

Auf die Frage, welche Untersuchungen die kroatische Korruptionsstaatsanwaltschaft Uskok in der Hypo-Causa durchführt, antwortet die Uskok dem STANDARD so wie immer in den letzten Jahren: "Wir möchten Sie informieren, dass wir in Übereinstimmungen mit den Rechtsvorschriften, keine Information geben, ob wir etwas untersuchen oder nicht."(Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 3.3.2015)

  • Im Rahmen einer Sitzung des Kärntner Hypo-U-Ausschusses wurde im Dezember 2010, unter großer medialer Aufmerksamkeit der kroatische Ex-Premier Sanader per Videokonferenz einvernommen. Sanader saß in einer eigens dafür ausgestatteten Vernehmungszone der Justizanstalt Salzburg, die U-Ausschussmitglieder und Journalisten befanden sich in einem Verhandlungssaal des Landesgerichtes Klagenfurt.
    foto: apa/gert eggenberger

    Im Rahmen einer Sitzung des Kärntner Hypo-U-Ausschusses wurde im Dezember 2010, unter großer medialer Aufmerksamkeit der kroatische Ex-Premier Sanader per Videokonferenz einvernommen. Sanader saß in einer eigens dafür ausgestatteten Vernehmungszone der Justizanstalt Salzburg, die U-Ausschussmitglieder und Journalisten befanden sich in einem Verhandlungssaal des Landesgerichtes Klagenfurt.

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