AMS-Reform: 20 Prozent mehr Arbeitslose in Wien

2. März 2015, 20:32
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Die Arbeitslosenrate ist im Februar leicht gestiegen. Das liegt an der weiterhin schwachen Konjunktur, aber auch am AMS

Wien - Das Arbeitsmarktservice (AMS) krempelt sein Kurssystem in Österreich seit geraumer Zeit massiv um. Es gibt mittlerweile deutlich weniger Kurse, die viel kritisierten Bewerbungstrainings wurden stark zurückgeschraubt. Arbeitslose Menschen sollen sich in längeren Kursen künftig besser fortbilden können.

Dass von der AMS-Reform nicht nur geredet wird, zeigt sich deutlich in den Arbeitslosenzahlen vom Februar. Im Vergleich zum Vorjahr befanden sich mehr als 15.000 Menschen weniger in einer Schulung. Das ist ein Rückgang von nahezu 20 Prozent.

In der Vergangenheit wurde zudem immer wieder Kritik von Akademikern laut: Arbeitslose würden unabhängig von ihrer bisherigen Ausbildung in die gleichen Kurse gepackt. Damit sei jetzt Schluss, sagt die Chefin des AMS Wien, Petra Draxl, zum STANDARD. "Seither haben wir auch keine Beschwerden mehr." Derzeit würden sich Akademiker vielmehr darüber aufregen, dass es in der neuen Akademikerschiene zu wenige Plätze für sie gebe. Wartezeiten von sechs bis sieben Wochen für einen Kurs seien die Konsequenz.

Arbeitslosigkeit in Wien explodiert

Dass man mit Kursen mit zweifelhaftem Wert die Statistik schönen wollte, wurde von der Politik immer bestritten. Jedenfalls werden jetzt viele Arbeitslose, die früher in Schulungen steckten, auch in der offiziellen Statistik als arbeitslos ausgewiesen. In Wien, wo das AMS seine Politik am radikalsten umgestellt hat, ist die Arbeitslosigkeit im Februar dadurch explodiert. Im Vergleich zum Vorjahr wurde ein Anstieg von mehr als 20 Prozent verzeichnet. In den anderen Bundesländern ist der Anstieg nur halb so groß oder gar um drei Viertel kleiner. Das liegt aber nicht an einer plötzlichen massiven Verschlechterung der Lage auf dem Jobmarkt, sondern an der bisherigen Schulungspolitik.

Das bereitet nun auch Ökonomen Kopfschmerzen, die die Lage bisher an der offiziellen Arbeitslosenrate beurteilt haben. Das Wifo hat deswegen am Montag extra neue Berechnungen angestellt. Die Zahl der Schulungen war bisher immer relativ konstant, das trübte den Blick auf den Arbeitsmarkt kaum. Jetzt hat sich das aber geändert.

Mehr Arbeitslose in Österreich

Im Februar ist die Zahl der Arbeitslosen inklusive Schulungen im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent gestiegen. Gegenüber dem Jänner ist die Arbeitslosenrate aber leicht von 12,1 Prozent auf 11,9 Prozent gesunken. Das sagt aber wenig aus, denn je näher der Frühling kommt, desto mehr Jobs gibt es traditionell. Im Bau fallen im Winter zum Beispiel viele Jobs weg. Das ist traditionell so und wird bei der Beurteilung der aktuellen Lage daher ausgeblendet.

In Summe verschlechtert sich die Lage derzeit etwas. Im Schnitt kommen pro Monat etwa 1.500 bis 2.500 zusätzliche Arbeitslose dazu, sagt Wifo-Ökonom Helmut Mahringer. Gesamt gibt es derzeit über 466.000 Arbeitslose. Zwischenzeitlich gab es in den vergangenen Monaten aber auch leichte Rückgänge. Der Trend zeigt aber weiterhin in die falsche Richtung.

Ausländer stark betroffen

Die Arbeitslosenrate der über 50-Jährigen ist zwar überdurchschnittlich, steigt derzeit überraschenderweise aber langsamer an als in anderen Altersgruppen. Im Februar ist die allgemeine Arbeitslosenrate im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozentpunkte gestiegen, die der Altersgruppe 50+ um 0,7 Prozentpunkte. "Das liegt daran, dass die geburtenstarken Jahrgänge jetzt den 50er überschreiten", sagt Mahringer. Es gebe also mehr jüngere Ältere in dieser Gruppe.

"Besorgniserregend ist die Entwicklung bei den ausländischen Beschäftigten", sagt der Ökonom. Dort beträgt der Anstieg 1,6 Prozentpunkte. Durch die Zuwanderung sei die Konkurrenz in einigen Sektoren, etwa dem Bau, dem Gastgewerbe oder unter Leiharbeitern, gestiegen.

Weniger Arbeitslose in Eurozone

Bessere Nachrichten gab es gestern hingegen von der Eurozone. Dort ist die Arbeitslosigkeit weiter gesunken. Ende Jänner lag sie bei 11,2 Prozent und damit so niedrig wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Vor der Krise betrug sie freilich nur 7,2 Prozent. In Spanien, Portugal, Irland und Zypern ist die Arbeitslosenrate weiter gesunken. Für Griechenland gibt es noch keine Daten.

Die Arbeitslosenrate von Eurostat ist mit der des AMS nicht vergleichbar. Wer keine Arbeit sucht, weil er schon eine Jobzusage hat oder es gänzlich aufgegeben hat, fällt aus der Statistik. Für Österreich weist die Statistikbehörde zwischen Jänner 2014 und 2015 einen Rückgang von 5,1 auf 4,8 Prozent aus. Dass die europäische Rate sinkt, während die österreichische stark steigt, kann sich Wifo-Ökonom Mahringer nicht erklären: "Das ist verwunderlich." (Andreas Sator, DER STANDARD, 3.3.2015)

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