Hochegger bekämpft Telekom-Kronzeugen

2. März 2015, 20:39
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Der Ex-Lobbyist der TA lässt nicht locker. Nach rechtskräftiger Einstellung des Verfahrens hat er neuerlich Anzeige gegen Schieszler erstattet

Wien – Peter Hochegger gibt nicht auf. Nach erfolgter Einstellung der bei der Staatsanwaltschaft Wien als mutmaßlicher Korruptionsfall angezeigten Causa "Spot AG" erstattete der Ex-Lobbyist der Telekom Austria (TA), Ende Jänner eine "Nachtragsanzeige". Deren Inhalt: Der Kronzeuge in der TA-Korruptionsaffäre, Ex-TA-Festnetz-Finanzvorstand Gernot Schieszler, genieße zu Unrecht Kronzeugenstatus, denn er sei den Justizbehörden in zumindest in einem Fall keine Hilfe gewesen, Licht ins Dunkel zu bringen: beim Mergers-&-Akqusitions-Berater Spot AG. Im Gegenteil, der Kronzeuge und sein Anwalt hätten die Aufklärung behindert.

In der Causa geht es, wie berichtet, um insgesamt 5.423.445,16 Euro (brutto), die von 2005 bis 2009 in 51 Tranchen von der TA an Spot geflossen sind; davon 2,5 Mio. Euro für Beratung beim Kauf des Konkurrenten E-Tel durch die TA. Welche Leistungen den vom späteren Kronzeugen freigegebenen Honoraren gegenüberstanden, vermochte der mit der forensischen Prüfung von der TA beauftragte Wirtschaftsprüfer BDO nicht zu erhellen. Als "dolos" stuften die Prüfer die Zahlungen aber nicht ein.

Die Stiftung als Aktionär

Pikant klingen die Spot-Aufträge der TA schon allein aufgrund der Akteure. Die auf M&A spezialisierte Spot wurde einst von Rechtsanwalt Stefan Prochaska gegründet (er zog sich bald in den Aufsichtsrat zurück) und hatte mit der Lasal Privatstiftung einen Aktionär, dessen Stifter später als rechtsfreundlicher Vertreter Schieszlers fungieren und mit der Justiz dessen Kronzeugenstatus ausverhandeln sollte: Stefan Prochaska.

Dass die aktuell in Liquidation befindliche Lasal Privatstiftung (mit Sitz an der Geschäftsanschrift der Spot AG in Wien I) von Kick-back-Zahlungen der TA _profitiert habe, wie Hochegger mutmaßt, bestreitet Prochaska: "Die Lasal-Stiftung würde dann profitiert haben, wenn es strafbare Handlungen gegeben hätte. Aber es gab keine." Im Gegenteil, Spot sei im Zuge einer Betriebsprüfung auch von der Finanzverwaltung genau geprüft worden - ohne Beanstandung. Diesen Steuerakt möge die Staatsanwaltschaft nun anfordern und überprüfen.

Nie operativ

Im Übrigen sei er einer von drei Aufsichtsratsmitgliedern, aber nie operativ tätig gewesen in der Spot, betont Prochaska der aktuell für die Spitze der Wiener Rechtsanwaltskammer wahlkämpft und Hocheggers Anschuldigungen im Lichte dieser Kandidatur sieht.

Den Vorwurf, der Kaufpreis, den die Telekom für E-Tel gezahlt habe, sei von 93 auf 140 Millionen Euro in die Höhe getrieben worden und mit ihm das Honorar für die Spot AG sei völlig aus der Luft gegriffen, betont Prochaska. Laut BDO-Bericht zahlte die TA an Spot ein Erfolgshonorar für E-Tel, und zwar 3,0 Prozent, dies aber auf Basis des Transaktionspreises von 140 Mio. Euro. Weil zu den 93 Mio. Euro noch Verlustvorträge von rund 60 Mio. Euro kamen.

Hochegger, respektive die (zwischenzeitlich in Sicon umgetaufte und insolvente) Valora AG hingegen hatte vom damaligen TA-Festnetz-Chef Rudolf Fischer und seinem Finanzvorstand Gernot Schieszler im Juli 2006 auf Basis des Kaufpreises von 93 Millionen Euro Kaufpreis 696.000 Euro Honorar erhalten, was der Vereinbarung (1,5 Prozent des Kaufpreises) entsprochen habe, gibt Hochegger an.

Bei der Staatsanwaltschaft Wien war am Montag nicht in Erfahrung zu bringen, ob nun doch ein Ermittlungsverfahren gegen den Kronzeugen der Anklage eingeleitet wurde. (ung, DER STANDARD, 2.3.2015)

  • Dass Kronzeuge Gernot Schieszler zu den Telekom-Prozessen als Zeuge kommt, der Angeklagte wie Peter Hochegger belastet, ist für frühere Geschäftspartner tendenziell unangenehm.
    foto: apa/helmut fohringer

    Dass Kronzeuge Gernot Schieszler zu den Telekom-Prozessen als Zeuge kommt, der Angeklagte wie Peter Hochegger belastet, ist für frühere Geschäftspartner tendenziell unangenehm.

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