Zuckerberg: Internet.org soll Nutzer zu kostenpflichtigen Datentarifen bringen

2. März 2015, 19:21
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Initiative soll Anbietern mehr Kunden und Einnahmen für Netzausbau zuschanzen

Facebook ist eine starke Triebfeder hinter der Initiative Internet.org. Das Programm bietet in einigen Ländern einen Basisdienst mit kostenlosen Zugang zu verschiedenen Online-Diensten. Dahinter steht keine großzügige Geste für Menschen in Entwicklungsländern. Vielmehr soll ihnen der Mund für kostenpflichtige Datentarife wässrig gemacht werden.

Mehr Kunden, mehr Geld

Internet.org soll Mobilfunkern mehr Kunden und dadurch steigende Einnahmen zuspielen, um ihre Infrastruktur weiter ausbauen zu können, sagte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Rahmen einer Keynote auf dem Mobile World Congress. "Man kann Leuten keine Datentarife verkaufen, wenn sie davor noch nie einen Computer oder das Internet genutzt haben."

Internet.org dient als Teaser für mehr, denn der komplette Internetzugriff ist damit nicht möglich. Bislang ist die App in sechs Ländern verfügbar. Und der Ansatz scheint aufzugehen. Mobilfunk-Manager aus den Länder, in den Internet.org bereits gestartet ist, berichteten auf der Keynote von steigender Datennutzung und mehr Smartphone-Verkäufen. Internet.org wird als Akquisitionswerkzeug gesehen. Und nur als solches ist es für die dahinter stehenden Unternehmen sinnvoll. Solange das Programm funktioniert und den Unternehmen mehr Kunden bringt, wird es Internet.org weiterhin gratis geben, sagte Zuckerberg und impliziert damit, dass die Initiative auch wieder eingestellt werde könnte.

Letztendlich, sollen die Mobilfunker mit den steigenden Einnahmen in der Lage sein, ihre Netze weiter ausbauen zu können. Und das wiederum würde mehr Menschen die Möglichkeit geben das Internet zu nutzen, mit ihren Freunden und Familien in Verbindung zu bleiben, Kunden für neue Geschäfte zu finden oder Zugang zu Informationen zu erhalten, so der Facebook-CEO.

Keine Kannibalisierung

Ganz spannungsfrei verläuft die Partnerschaft zwischen dem sozialen Netzwerk und den Mobilfunkern nicht ab. So brechen klassische Einnahmequellen wie SMS und Telefonate immer stärker weg, unter anderem durch Apps wie Facebook Messenger und WhatsApp. Ein Kritikpunkt, der auch bei der Keynote angesprochen wurde. Zuckerberg sieht es so: das soziale Netzwerk treibe selbst den Datenverbrauch und damit ja auch wieder die Einnahmen der Telekomunternehmen.

Allerdings: kostenlose Internetanrufe, die Facebook über seinen Messenger bietet, seien bewusst kein Teil von Internet.org, weil das für Mobilfunker kannibalisierend wäre. Einem weiteren Kritikpunkt, dass so immer mehr Menschen zuerst zu Facebook kommen, bevor sie zu anderen Diensten gelangen, wich der CEO etwas aus. Es sei nicht das soziale Netzwerk, das die Infrastruktur ausbaue, sondern die Mobilfunker. Internet.org sei daher auch nicht mit Facebook gleichzusetzen. (Birgit Riegler aus Barcelona, derStandard.at, 2.3.2015)

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    foto: reuters/gea

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