Causa Alijew: Die Wahrheit der Akte A.

Kommentar2. März 2015, 17:30
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Beide Seiten decken einander mit Klagen ein und schwärzen sich unter und über der Hand gegenseitig an

Trust no one" - vertraue niemandem - war der Leitspruch von FBI-Agent Fox "Spooky" Mulder in der TV-Serie Akte X. Ein Grundsatz, der im Fall Alijew passend wie sonst keiner ist. Denn jeder einzelne Beteiligte in der Causa hat ein Interesse daran, Fakten zu lancieren, zu unterdrücken, zu manipulieren und zu fabrizieren.

Es ist natürlich das tägliche Geschäft von Verteidigern, ihre Mandanten in der Öffentlichkeit in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Und es ist das tägliche Geschäft von Journalisten, herauszufinden, was davon stimmt.

In dieser Causa geht es aber um viel mehr. Um Geld, Politik - und die persönlichen Animositäten zwischen den Verteidigern des toten kasachischen Ex-Botschafters Rachat Alijew und den Anwälten der Witwen jener Manager, die Alijew und zwei Mitangeklagte ermordet haben sollen.

Beide Seiten decken einander mit Klagen ein und schwärzen sich unter und über der Hand gegenseitig an. Auf vielfältigen Wegen: Die Opfervertreter sollen in Wahrheit von der kasachischen Regierung bezahlt werden, sagt die eine Seite. Die verbreite offen Lügen, um eine Verschwörung zu konstruieren, die den Angeklagten in dem wohl im April beginnenden Prozess helfen soll, sagt die andere. Auf Polizei und Justiz prügeln im Zweifel beide ein.

"The truth is out there" - die Wahrheit ist dort draußen - ist eine weitere Phrase aus Akte X. In der Akte A. findet man sie jedenfalls nicht bei den Anwälten. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 3.3.2015)

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