Kampl: Der Ewiggestrige macht weiter

Kommentar2. März 2015, 13:52
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Ein Unbelehrbarer darf weitermachen: der Bürgermeister von Gurk, Siegfried Kampl

Nachdem die "Wende" in Kärnten hin zu einem relativ unauffälligen Bundesland nach den Wahlen am Sonntag voranschreitet, erstaunt das Ergebnis einer Gemeinde mehr denn je. Sturheit, dein Name ist Gurk, könnte man das zusammenfassen. Aber die Wiederwahl des dortigen Bürgermeisters, Siegfried Kampl, ist mehr als nur eine an Wirtshaustischen gepflegte Jetzt-erst-recht-Mentalität.

Der 78-Jährige ist nicht einer der vielen Ortschefs in ganz Österreich, die für völkische Sager in den Keller steigen. Kampl hat bis zuletzt so vehement immer wieder den Nationalsozialismus verharmlost, dass ihn selbst die nicht gerade antifaschistische FPÖ im Vorjahr aus der Partei ausschloss. Anlass und vorläufiger Tiefpunkt war ein Interview mit der "Kleinen Zeitung", in dem sich Kampl 2014 weigerte, sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren. Genau sagte er: "Nur von dem, was sie gemacht haben, distanziere ich mich, nicht vom Nationalsozialismus. Das darf man nicht sagen, dass der zum Teil schlecht war."

Altersdemenz? Auf keinen Fall. Schon in den 1990ern äußerte sich Kampl einschlägig. 2005 sorgte er für Entsetzen wegen seiner Aussagen gegen die Rehabilitierung von Deserteuren im NS-Regime oder der "brutalen Naziverfolgung", die er im Nachkriegsösterreich ortete. SPÖ, Grüne und schließlich auch ÖVP forderten seinen Rücktritt als Bundesrat, eine eigens erschaffene "Lex Kampl" verhinderte ihn als Bundesratspräsidenten. Ob FPÖ, BZÖ oder FPK-Mann: Kampl blieb ein Spieler ganz rechts außen.

Dass diesen Mann nun in der Bürgermeisterdirektwahl am Sonntag 544 Menschen wählten, also über 58 Prozent, ist so gesehen erschreckend. Es zeigt aber auch, wie sehr sich die unter Jörg Haider hierarchisch aufgestellte Partei mittlerweile auch intern verändert hat. Undenkbar, dass damals jemand nach einem Rauswurf aus der Landespartei einfach mit einer lokalen FPÖ-Liste, wie eben die Freiheitlichen Gurk, kandidiert hätte. Die Macht greift hier nicht mehr von ganz oben bis ganz unten durch. Gut möglich natürlich auch, dass Haider Kampl gar nicht ausgeschlossen hätte. Unberechenbar wie er war, kann das heute niemand mehr sagen.

Kampl macht weiter. Nicht nur seine Partei hat ihn fallen gelassen. Auch seine Tochter, eine in Wien lebende bildende Künstlerin und Schülerin der großen Maria Lassnig, hat sich erst kürzlich als Zeichen der Abgrenzung vom Vater und seinem Gedankengut ihres Familiennamens entledigt. Die Galerie, die sie in Wien vertritt, führt sie nunmehr unter ihrem Vornamen Gudrun.

Aber Kampl macht weiter. (Colette M. Schmidt, derStandard.at, 2.3.2015)

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