Grazer Forscher wollen Weltraumwetter berechenbarer machen

2. März 2015, 13:04
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Neue Methoden sollen dreidimensionale grafische Darstellung und Analyse des zeitlichen Verlaufs von Vorgängen im Sonneninneren erlauben

Graz - Das "Weltraumwetter", vor allem Sonnenwinde und -eruptionen, kann technische Systeme im Weltraum und auf der Erde schwer beeinträchtigen. Um dies besser verstehen aber auch prognostizieren zu können, wurde in einem Projekt des Wissenschaftsfonds FWF nun ein räumlich hochauflösendes Beobachtungs- und Berechnungsverfahren entwickelt. Besonderes Augenmerk liegt dabei den sogenannten solaren Flussröhren, die sich einige Tage vor Sonneneruptionen bilden und deren Entstehung bisher weitgehend unerforscht ist.

In weiterer Folge wollen nun die Forscher um Arnold Hanslmeier vom Institut für Physik der Grazer Karl-Franzens-Universität neue Methoden entwickeln, die eine dreidimensionale grafische Darstellung und das Studium des zeitlichen Verlaufs von Vorgängen im Inneren der Sonne erlauben. Dadurch soll es möglich werden, detailgetreue Beobachtungsdaten der Sonne mit komplexen Computersimulationen dortiger Vorgänge in Verbindung zu setzen.

2D- und 3D-Algorithmen

Dabei sollen sowohl Daten von hochauflösenden Teleskopaufnahmen als auch von komplexen Computer-Simulationen miteinander in Zusammenhang gesetzt werden. "Neue hochauflösende Sonnenteleskope und Supercomputer liefern solche Mengen an Daten, dass es unmöglich ist, alle Daten im Einzelnen zu analysieren. Dazu sind Automatisierungen notwendig - die wir nun entwickeln", erklärte Hanslmeier.

Konkret wird an 2D- und 3D-Algorithmen gearbeitet, die anhand von Bild- und Simulationsdaten solare Flussröhren in kleinsten Segmenten berechnen können. Dieses Phänomen wurde erst vor wenigen Jahren entdeckt und stellt eine Vorstufe der Sonneneruption dar. "Man nimmt an, dass Flussröhren sich ein paar Tage vor einer Eruption unter der Sonnenoberfläche bilden. Doch wie es dazu kommt, ist weitestgehend unbekannt", so Hanslmeier.

Ergänzt werden diese Untersuchungen mit vergleichbaren Segmentierungen von konvektiven Auf- und Abwärtsströmungen des heißen Sonnenplasmas. Dadurch soll eine dreidimensionale grafische Darstellung der solaren Flussröhren und Konvektionsströme möglich werden und sich außerdem die zeitliche Entwicklung dieser dreidimensionalen Darstellung verfolgen lassen. "Damit erhalten wir ein wichtiges Bindeglied zwischen tatsächlichen Beobachtungen und theoretischen Simulationen", erklärte der Projektleiter. (APA/red, derStandard.at, 2.3.2015)

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