Bures startet Lehrlingsoffensive

2. März 2015, 12:47
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Eigenes Lehrlingsparlament und Lehrlingsmodul sollen Kluft zwischen Schülern und Lehrlingen überwinden

Wien - Eine neue Lehrlingsoffensive hat Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) am Montag bei einer Pressekonferenz präsentiert. Ein eigenes Lehrlingsparlament im März und ein Lehrlingsmodul im Rahmen der Demokratiewerkstatt im Herbst sollen die "große und wichtige Zielgruppe" der Lehrlinge mit Demokratie vertraut machen. Bundesjugendvertretung und Gewerkschaftsjugend begleiten das Projekt.

"Kompromissfähigkeit" lernen

Am 4. und 5. März werden 96 Lehrlinge aus zehn Betrieben am ersten Lehrlingsparlament teilnehmen. Indem sie ähnlich dem seit Jahren praktizierten Schülerparlament in die Rolle von Abgeordneten schlüpfen, würden die Lehrlinge aus ganz Österreich einen Einblick in den "Gesetzwerdungsprozess" bekommen und "Kompromissfähigkeit" lernen, so Bures. Begleitet werden sie von NR-Abgeordneten, Themenexperten und Mitarbeitern der Parlamentsdirektion.

Ziel der Lehrlingsoffensive ist die Überwindung der Kluft zwischen Schülern und Lehrlingen in Bezug auf politisches Wissen. Eine Studie der Universität Wien über Wählen mit 16 zeigt, dass die Wahlbeteiligung von Erstwählern und jungen Wählern deutlich unter der Gesamtwahlbeteiligung liege. Außerdem gehen Jugendliche, die länger in einer schulischen Ausbildung waren, eher wählen als Lehrlinge, so Eva Zeglovits vom Institut für Empirische Sozialforschung. Bures pochte darauf, dass demokratische Mitbestimmung "keine Frage der Schulbildung" sein dürfe.

Unzufrieden wegen Wahlbeteiligung

Die Bundesjugendvertretung und die Gewerkschaftsjugend bringen ihre Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen in die Lehrlingsoffensive ein. Die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung Laura Schoch betonte, dass es wichtig sei, jungen Menschen "so früh wie möglich ihre Teilhabemöglichkeiten aufzuzeigen". Sie müssen laut Schoch "Demokratie erleben" und "Partizipation spüren". Sascha Ernszt, Bundesvorsitzender der Gewerkschaftsjugend, zeigte sich unzufrieden über die geringe Wahlbeteiligung der Lehrlinge. Das Lehrlingsparlament könne genutzt werden, um Lehrlingen zu zeigen, "wie politische Meinungen im Parlament vertreten werden".

An der Demokratiewerkstatt haben seit 2007 rund 72.700 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Sie lernen dabei in Werkstätten zu unterschiedlichen Themen spielerisch, wie Demokratie funktioniert. Jugendparlamente werden für Schüler der neunten Schulstufe zwei Mal jährlich veranstaltet. Seit 2008 haben an dem Projekt 1.216 Jugendliche teilgenommen. (APA, 2.3.2015)

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