Masern-Impfstoff wirkt modifiziert auch gegen das Chikungunya-Virus

2. März 2015, 11:10
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Das Chikungunya-Fieber verursacht unter anderem Muskel- und starke Gelenkschmerzen sowie hohes Fieber.

Ein modifizierter Masern-Impfstoff hat das Potenzial, gegen das Chikungunya-Virus zu wirken. Das ist das Ergebnis einer Studie, die unter anderem an der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie der MedUni Wien durchgeführt und jetzt im Top-Journal "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht wurde.

Bislang kein Impfstoff

Das Chikungunya-Virus verursacht eine fiebrige Erkrankung, die tödlich enden kann und vor allem in Lateinamerika und in der Karibik auftritt. Bisher gibt es dagegen weder einen Impfstoff noch wirksame Medikamente, erläuterte die MedUni Wien. Deren Wissenschaftern ist es unter der Leitung von Bernd Jilma, des Instituts Pasteur in Paris, des Walter Reed Army Institute of Research in den USA sowie der Wiener Biotechfirma Themis Bioscience GmbH gelungen, winzige Oberflächenpartikel des Chikungunya-Virus mit Hilfe des Masern-Impfstoffs in den menschlichen Körper zu bringen und deren Wirksamkeit nachzuweisen.

"Das modifizierte Masern-Virus wird wie ein trojanisches Pferd in den Menschen eingeschleust und produziert dort die entsprechenden Oberflächenpartikel des Chikungunya-Virus", erläuterte Jilma. Dies geschieht in so geringer Konzentration, dass keine Krankheitssymptome auftreten. Die Chikungunya-Partikel sind dennoch in der Lage, das lymphatische System anzuregen und eine Antikörper-Produktion auszulösen.

Diese Antikörper stehen dann für jenen Zeitpunkt bereit, wenn wirklich eine Ansteckung mit dem Chikungunya-Virus erfolgt. Damit kann die Erkrankung nicht ausbrechen. Die Technologie wurde am Institut Pasteur entwickelt, von Themis Bioscence GmbH umgesetzt und nun an der MedUni Wien an 42 Probanden klinisch getestet.

Aktive Immunisierung

Das modifizierte Virus verstärkt laut MedUni auch die Immunität gegen die klassische Masern-Infektion. "Wenn der Impfstoff entsprechend verändert ist, könnte er auch gegen Dengue-Fieber oder andere Viren wirksam sein", erklärte Jilma. Die Erkenntnisse müssen nun in Phase II- und Phase III-Studien klinisch evaluiert werden, ein Einsatz in der Praxis sei in drei bis fünf Jahren denkbar, so die Wissenschafter. Eine aktive Immunisierung sei mit ein bis zwei Teilimpfungen möglich.

In Österreich gab es im vergangenen Jahr 20 Fälle von Chikungunya-Fieber. In der Karibik, Zentral- und Südamerika sowie auf den pazifischen Inseln, aber auch in den USA, hat das Virus, das durch Stechmücken übertragen wird, spätestens seit dem Jahr 2013 eine Epidemie ausgelöst. Nach Angaben der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation OPS sind seither mehr als 1,2 Millionen Menschen in Lateinamerika an dem Virus erkrankt, wobei die Karibik-Region besonders betroffen ist.

Das Chikungunya-Fieber verursacht unter anderem Muskel- und starke Gelenkschmerzen, die Monate bestehen bleiben können, sowie hohes Fieber. Betroffene leiden außerdem oft an Übelkeit und Erbrechen. Bei Menschen mit einem gesunden Immunsystem verläuft die Erkrankung in der Regel ohne Komplikationen. Bei geschwächten Patienten kann sie tödlich enden. Menschen, die in betroffene Länder reisen, wird empfohlen, sich vor Mückenstichen zu schützen. (red, derStandard.at, 2.3.2015)

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