Warum sich Apple anstrengen muss, um seine Watch zu verkaufen

2. März 2015, 09:51
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Smartwatches stoßen bislang auf mittelprächtiges Interesse – Apple will Enthusiasmus erzeugen, doch schon die Entwicklung war schwierig

In genau einer Woche geht das Projekt Apple Watch in die heiße Phase: Am 9. März will der IT-Konzern mit einem eigenen Event nochmals Medienvertreter und Blogger von den Vorteilen seiner neuen Smartwatch überzeugen, die wenig später in den Handel gelangen wird. Für Apple wird das eine ungewöhnlich schwierige Aufgabe, meinen Analysten: Denn bislang stoßen Smartwatches auf eher geringes Interesse. Gerade einmal 720.000 Geräte mit Googles Android Wear sollen 2014 verkauft worden sein, Start-Up Pebble brachte eine Millionen smarte Uhren an den Nutzer.

Die "richtige" Smartwatch?

Nun könnte Apple hoffen, dass die meisten Konsumenten einfach nur auf die richtige Smartwatch warten. So wie zig Millionen an Kunden nur auf das – aus Apples Perspektive – richtige Smartphone (iPhone) oder Tablet (iPad) gewartet haben. Denn auch in diesen zwei Produktkategorien hatte es vor Apples Einstieg wenige erfolgreiche und noch viel mehr erfolglose Konkurrenten gegeben.

Vor allem eine Uhr

Um Nutzer zu überzeugen, betont Apple überraschend stark das "Watch" in Apple Watch: Denn an eine schicke Uhr sind viele Menschen gewöhnt. Das Unternehmen versucht daher, sein Modell auch ohne die Software-Features zunächst einmal als gut designte Armbanduhr zu etablieren. Daher wird die Watch auch über einen "Power Watch"-Modus verfügen, bei dem nur die Uhrzeit angezeigt wird – und der Akku dafür länger hält. Zweitens will Apple auf Fitness-Apps fokussieren, denn Fitnessbänder finden um einiges mehr Akzeptanz als klassische Smartwatches.

Nur mit iPhone

Problematisch könnte werden, dass die Apple Watch anfangs zunächst nur mit einem iPhone funktioniert. Die Abhängigkeit soll in Zukunft gekappt werden, anfangs fällt so aber naturgemäß ein großer Markt an potenziellen Kunden aus. Die fehlende Autonomie der Apple Watch könnte dabei ein anfänglicher Kompromiss sein, um den Verkaufstermin der Smartwatch nicht weiter nach hinten zu schieben: Denn wie die New York Times berichtet, wollte Apple den Verkauf schon weitaus früher starten.

Schwierige Entwicklung

Doch die Entwicklung der Apple Watch entpuppte sich zusehends als Herkulesaufgabe, obwohl ein "All-Star-Team" aus allen Abteilungen daran beteiligt war. Anonyme Insider aus dem Apple-Hauptquartier verraten gegenüber der New York Times, dass beispielsweise im Bereich Akku sehr viele Experimente durchgeführt wurden. Unter anderem stand auch eine solarbetriebene Variante zur Debatte. Auch der kleine Chip der Apple Watch bereitete den Entwicklern Kopfzerbrechen, da einige Funktionen Platz verlangten. Schließlich wurden auch noch wichtige Mitarbeiter von dem zu Google gehörenden Smartwatch-Spezialisten Nest abgeworben.

Werbung in Apps gefährdet

Als die Apple Watch dann als Prototyp verfügbar war, testeten Mitarbeiter die Smartwatch intensiv auch außerhalb des geschützten Entwicklungslabors – übrigens verpackt in eine Samsung Smartwatch-Hülle, um kein Aufsehen zu erregen. Jetzt ist Apple-CEO Tim Cook offenbar zufrieden genug, um die Smartwatch ausführlich der Öffentlichkeit zu präsentieren – auch wenn sich bis Sommer mit wichtigen Entwickler-Kits noch einiges ändern soll. Zwar boomt die Entwicklung von Smartphone-Apps, doch warnen Analysten, dass Werbekunden den Smartwatch-Bildschirm als zu klein empfinden. Dadurch ent gingen Entwickler wertvoller Einnahmen. So müssten viele Apps kostenpflichtig angeboten werden, was wiederum die Innovationskraft mindert.

Für Apple Zusatzgeschäft

Es wird auf jeden Fall spannend zu sehen, ob Apple mit der Apple Watch die Trendumkehr bei Smartwatches schafft. Aber selbst bei einem Desaster ist der Konzern selbst nicht gefährdet: Er verfügt über derartige Reserven, dass er eine Fehlentwicklung locker auffangen kann. Schwierig wäre es eher für die Produktkategorie Smartwatches selbst: Denn wenn Apple nicht auf Akzpetanz beim Mainstream stößt, könnten andere Unternehmen wohl die Hoffnung aufgeben. (fsc, derStandard.at, 2.3.2015)

  • Ob sich Apple-CEO Tim Cook Ende 2015 noch immer so über die Watch freut, steht in den STernen
    foto: reuters/lam

    Ob sich Apple-CEO Tim Cook Ende 2015 noch immer so über die Watch freut, steht in den STernen

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