Schweizer Medien-Qualitätsforscher Kurt Imhof starb mit 59 an Krebs

2. März 2015, 07:06
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"Diktatur der Reichweite" - RTR untersucht gerade nach Vorbild seiner Schweizer Studie Qualität in Österreich

Zürich/Wien - Der Schweizer Soziologe Kurt Imhof, bekannt für seinen Bericht zur Qualität der Schweizer Medien, starb Sonntag mit 59 Jahren an einem Krebsleiden. Seine regelmäßige Studie war Vorbild für eine derzeit laufende Untersuchung der Qualität österreichischer Medien im Auftrag der Rundfunk- und Telekomregulierung. Imhof hat die Studie für Österreich laut RTR-Chef Alfred Grinschgl angeregt.

Matthias Ackeret, Chefredakteur des Branchendiensts persönlich.com würdigt Kurt Imhof so: "Auch wenn der streitbare, aber brillante Soziologieprofessor alljährlich mit seinem Jahrbuch 'Qualität der Medien' die Leviten las, stiess er bei den Gescholtenen auf grosse Resonanz - und manchmal sogar auf leise Zustimmung. Imhof war – auch wenn er es lauthals dementierte – ein "Popstar der Branche", der mit einem umtrügerischen Faible für die medialen Gesetzmässigkeiten für seine Zwecke nutzte."

Ackeret über Imhofs Befunde: "Der Verstorbene bediente sich dabei jenen Instrumenten, die er in seiner Analyse immer geisselte: der Zuspitzung, der Verkürzung, der Provokation und des Witzes. 'Die Diktatur der Reichweite' oder der 'qualitätsniedrige Journalismus' waren seine Klassiker. Das Reflektionsniveau der Branche, so folgerte Imhof noch vor drei Monaten im Bellevue, sei grottenschlecht. Dabei lachte er und freute sich auf den Widerspruch."

NZZ-Medienredakteur Rainer Stadler in seinem Nachruf über Imhof und seinen Qualitätsbericht: "Von da an wurde Imhof für einflussreiche Personen in der Verlagsbranche zum roten Tuch. Er wurde dabei selber zur Zielscheibe dessen, was er als fragwürdigen Trend diagnostizierte: Journalismus im Dienste von Konzerninteressen, Reduktion von Sachfragen auf Personalisierung, Rudeljournalismus und mangelnde Sachkompetenz." (red, derStandard.at, 2.3.2015)

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