Wie Pinguine die letzte Eiszeit überstanden

8. März 2015, 13:30
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Als die Eiskappe am Südpol ihr Maximum erreichte, fanden Kaiserpinguine nur an wenigen Orten Asyl

Southampton - Die Kaltzeiten des Eiszeitalters mögen sich auf der Nordhalbkugel stärker bemerkbar gemacht haben als in der südlichen Hemisphäre. Spurlos gingen sie am Süden jedoch auch nicht vorbei - erst recht nicht in der Nähe des Pols.

Ein Team britischer und australischer Forscher hat untersucht, wie sich die vorerst letzte dieser Kaltzeiten auf ein Tier ausgewirkt hat, das eigentlich an einen bitterkalten Lebensraum angepasst ist: den Kaiserpinguin (Aptenodytes forsteri). Wie das Team im Fachjournal "Global Change Biology" berichtet, stand es damals tatsächlich schlecht um die Pinguine. Aus Analysen der genetischen Diversität schlossen die Forscher, dass der Kaiserpinguinbestand vor etwa 30.000 Jahren nur etwa ein Siebtel des heutigen ausmachte und die Spezies nur in einigen Restpopulationen an geschützten Orten überlebte.

Nicht mehr bewältigbare Strecke

Das eigentliche Problem für die Vögel, die immerhin eine Kälte von minus 30 Grad und Schlimmeres gewöhnt sind, waren aber nicht die Temperaturen an sich. Es war das Eis: Pinguine finden ihre Nahrung im offenen Meer. Gebrütet wird jedoch im Landesinneren, wo das Eis auch im antarktischen Sommer nicht schmilzt - um solche Gebiete zu erreichen, nehmen Kaiserpinguine Märsche auf sich, die 100 bis 200 Kilometer lang sein können.

Während der Kaltzeit war die polare Eiskappe jedoch deutlich ausgedehnter als heute - und mit ihr auch die instabile Zone, die zum Brüten ungeeignet ist. Laut Gemma Clucas von der Universität Southampton war der Weg zwischen Fischgründen und Brutplätzen damit zu weit. Nur in einigen wenigen begünstigten Regionen konnten die Tiere ihren gewohnten Lebenszyklus aufrechterhalten.

Asyl im Rossmeer

Die Forscher glauben, dass damals nur drei Populationen von Kaiserpinguinen überlebten. Ihr wahrscheinlichstes Eiszeit-Asyl dürfte das Rossmeer im Neuseeland zugewandten Teil der Antarktis gewesen sein. Dort dürfte den Tieren eine sogenannte Polynja zur Verfügung gestanden haben: eine offene Wasserfläche, die durch besondere Wind- und Strömungsverhältnisse weitgehend eisfrei gehalten wird.

Ein Indiz für diese Vermutung ist, dass sich die heute im und am Rossmeer lebenden Kaiserpinguine von ihren Artgenossen in anderen Teilen der Antarktis genetisch unterscheiden, wie Analysen der mitochondrialen DNA zeigten. Dies weist auf eine Population hin, die über eine lange Zeit hinweg isoliert war. (jdo, derStandard.at, 8.3. 2015)

  • Gewaltmärsche durchs antarktische Eis gehören zu einem Kaiserpinguinleben dazu. Aber es gab Zeiten, da wurden den Tieren die Strecken zu lang.
    foto: ap photo/courtesy thomas beer

    Gewaltmärsche durchs antarktische Eis gehören zu einem Kaiserpinguinleben dazu. Aber es gab Zeiten, da wurden den Tieren die Strecken zu lang.

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