EZB beginnt Kauf von Staatsanleihen

2. März 2015, 11:51
67 Postings

Am Montag wird die Europäische Notenbank die Märkte mit 60 Milliarden Euro fluten - Die Kritik am Vorhaben bleibt

Frankfurt - Nun fließen die Milliarden: Am Montag beginnt die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem großangelegten Kauf von Staatsanleihen. 60 Milliarden Euro will die Notenbank auf diesem Weg in die Märkte pumpen - pro Monat und das mindestens bis September 2016.

Das Billionen-Programm soll die Wirtschaft im Euroraum ankurbeln und die zuletzt gefährlich niedrige Inflation anheizen. Doch die Maßnahme bleibt umstritten.

Für ihr neuestes Anti-Krisen-Paket druckt die EZB frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht "QE" ("Quantitative Easing"). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet, im Jänner gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht - gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger.

Schwung für Konjunktur

Das frische Geld kommt im Idealfall über die Geschäftsbanken, denen die Zentralbank Anleihen abkaufen will, in Form von Krediten bei Unternehmen und Verbrauchern an. Das könnte Konsum und Investitionen anschieben und so die maue Konjunktur in Schwung bringen. Denn während die deutsche Wirtschaft relativ gut in Schuss ist, sind die Wachstumsaussichten für den Euroraum nach wie vor bescheiden.

Die Währungshüter wollen auch einen Absturz in eine Deflation verhindern: Sinken die Verbraucherpreise über einen längeren Zeitraum auf breiter Front, könnte das die Konjunktur ausbremsen. Unternehmen und Konsumenten könnten in Erwartung weiter fallender Preise Investitionen aufschieben.

Inflation anheben

"Es gab aus unserer Sicht wenig Zweifel, dass wir handeln sollten", begründete Draghi im Jänner den Beschluss. "Wir sind überzeugt und haben gute Argumente zu glauben, dass diese Maßnahme dazu beitragen wird die Inflationserwartungen anzuheben", sagte der Italiener.

In der Tat ist die Inflation im Euroraum seit Monaten weit entfernt vom EZB-Ziel einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Nach jüngsten Berechnungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat sanken die Verbraucherpreise im Jänner weiter: Die jährliche Inflationsrate betrug minus 0,6 Prozent.

Die meisten Ökonomen sehen dennoch keine Deflations-Gefahr: Die sinkende Teuerungsrate sei vor allem eine Folge des drastischen Verfalls der Ölpreise - und der wirke auf der anderen Seite wie ein Konjunkturprogramm.

Preisblasen befürchtet

Kritiker sind skeptisch, dass EZB-Anleihenkäufe wie geplant wirken werden. Sie befürchten eher neue Preisblasen durch das viele billige Geld. Zudem könnten die Regierungen in Schuldenstaaten in ihrem Reformeifer nachlassen, wenn die Notenbank in großem Umfang staatliche Schulden finanziert. Fraglich ist auch, wo die EZB die Staatsanleihen herbekommen will: Mehrere Banken erklärten in den vergangenen Wochen, sie würde ihre Bestände nicht verkaufen. (APA, 2.3.2015)

  • "Es gab aus unserer Sicht wenig Zweifel, dass wir handeln sollten", begründete Mario Draghi im Jänner das Paket.
    foto: apa/dedert

    "Es gab aus unserer Sicht wenig Zweifel, dass wir handeln sollten", begründete Mario Draghi im Jänner das Paket.

Share if you care.