FRITZ!WLAN Repeater DVB-C im Test: Kabelfernsehen für die Smartphone-Ära

1. März 2015, 10:13
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2-in-1-Gerät speist TV-Inhalte ins Netzwerk ein und erhöht die Reichweite des WLAN

Klassisches Fernsehen hat vor allem in technikaffinen Haushalten zunehmend ausgedient. Mit Video-on-Demand, zeitversetztem Fernsehen und dem Medienkonsum über Computer, Laptops, Tablets oder Smartphones kann der Kabelfernsehanschluss einfach nicht mithalten. Eine Lösung für zumindest eine dieser Herausforderungen verspricht das deutsche Unternehmen AVM mit dem FRITZ!WLAN Repeater DVB-C. Die kleine Box schickt das Fernsehsignal ins heimische WLAN und erlaubt so zahlreichen Endgeräten den Live-Empfang von ORF, ATV und Co.

2-in-1-Gerät

Wie der Name bereits vermuten lässt, übernimmt der rund 100 Euro teure FRITZ!WLAN Repeater DVB-C außerdem noch eine weitere Funktion. Als Repeater wird das Gerät per WLAN oder Netzwerkkabel mit dem bestehenden Router verbunden und erweitert – je nach Positionierung des Gerätes – die Reichweite des kabellosen Netzwerks. Im WebStandard-Test zeigt das 2-in-1-Gerät seine Vorzüge, gleichzeitig offenbaren sich jedoch auch ärgerliche Probleme, die sich eigentlich über Firmware- und Software-Updates beheben lassen würden.

Unboxing

Die kleine Verpackung des FRITZ!WLAN Repeater DVB-C erweckt zwar nicht den Eindruck, AVM hat jedoch an alles gedacht. Im Lieferumfang sind neben dem WLAN-Repeater selbst auch ein Flachband-Ethernet-Kabel, ein Koaxialkabel, ein T-Adapter und die Anleitung – diese ist auch erforderlich – enthalten. Kurzum: Alles, das zum Betrieb des WLAN-Repeaters notwendig ist, liegt bei. Lediglich das Antennenkabel ist mit einer Länge von etwa einem Meter etwas kurz geraten.

Einrichtung

Der Anschluss des Gerätes ist eigentlich selbsterklärend. Der WLAN-Repeater wird direkt mit einer Steckdose in der Nähe der Kabelbuchse verbunden, der T-Adapter kommt in die Kabelbuchse und Fernseher und WLAN-Repeater werden mit den Koaxialkabel an den T-Adapter angeschlossen. Soweit, so einfach. Wenn es jedoch darum geht, den Repeater per WLAN in das Netzwerk einzubinden, muss das Handbuch her.

Handbuch, zur Hilfe!

Sollte der heimische Router nämlich nicht über eine WPS-Funktion (Wi-Fi Protected Setup) verfügen, muss der WLAN-Repeater händisch mit dem Netzwerk verbunden werden – so auch im Rahmen des WebStandard-Tests. Laut Anleitung soll das Gerät dazu über ein Ethernet-Kabel direkt an den Computer angeschlossen werden, im Browser sollte man dann nach Eingabe von http://fritz.repeater die Weboberfläche des WLAN-Repeaters erreichen. Die Betonung liegt dabei auf sollte, denn beim ersten Versuch im Test wollte das nicht klappen.

IP-Adresse herausfinden

Stattdessen wurde, wie im Handbuch angegeben, von der Webseite des Herstellers der Einrichtungsassistent geladen, der jedoch nur für Windows angeboten wird. Die weitere Einrichtung und Verbindung mit dem heimischen WLAN klappte dann problemlos. Zu Testzwecken wurde das Gerät anschließend noch einmal eingerichtet – plötzlich öffnete sich die Weboberfläche auch ohne Assistent. Weitere Verbindungen mit der Weboberfläche waren jedoch wiederum nur nach Eingabe der IP-Adresse, die über den WLAN-Router herausgefunden wurde, möglich. Warum der Start der Weboberfläche so unzuverlässig funktioniert, blieb unklar.

FRITZ!App TV ohne HD

Nach geglückter Einrichtung begibt sich der WLAN-Repeater direkt auf Sendersuche nach Fernseh- und Radiokanälen. Parallel kann man sich nun erst einmal mit der FRITZ!App TV die mobile Anwendung für Android- und iOS-Geräte aus Google Play bzw. dem App Store herunterladen. Diese erlaubt auf Mobilgeräten den Zugriff auf die Fernsehkanäle des Kabelanschlusses – jedoch nicht auf alle Sender. Denn bisher stehen in den mobilen Apps nur SD-Kanäle zur Verfügung, auf die HD- oder Radio-Senderliste hat man keinen Zugriff.

Update soll kommen

Kurioserweise hat sich beim WebStandard-Test im Netz des Betreibers Kabelplus mit Servus TV ein einziger HD-Kanal in die SD-Senderliste verirrt. Dieser lässt sich auf den mobilen Endgeräten sogar vollkommen problemlos abspielen. Technisch ist die App also durchaus in der Lage, HD-Material wiederzugeben. Warum Hersteller AVM den Schalter dafür bis dato nicht umgelegt hat, ist unbekannt. Es wurde zwar bereits ein Update mit HD- und Radio-Unterstützung bestätigt, ein genaues Datum dafür wurde jedoch nicht genannt.

Fehlende Senderlogos

Die App selbst bietet sonst eher rudimentäre Funktionen. In einer Rasterübersicht werden alle Fernsehkanäle angezeigt, die Lieblingssender können als Favoriten definiert und in einer gesonderten Übersicht nach Wunsch sortiert werden. Leider fehlt bei einigen Kanälen das Senderlogo, wodurch die eigentlich übersichtliche Darstellung verloren geht. Selbst nach einer vollständigen Sendersuche und einer Neueinrichtung des Gerätes blieben viele Senderlogos weiß. Worin genau das Problem besteht, ist unbekannt. Auch in der Weboberfläche des WLAN-Repeaters werden einige Sender ohne Logo angezeigt.

TV-Programm

Ansonsten erledigt die App das, was man von ihr erwarten würde – Zusatzfunktionen gibt es kaum. So lassen sich Fernsehsendungen etwa nicht zeitversetzt schauen oder über eine Rekorder-Funktion aufnehmen – hier dürfte es wohl vor allem technische Limitierungen geben. Wünschenswert wäre aber zumindest ein ausführlicherer TV-Programmführer. Derzeit informiert die App nur über das aktuell laufende Programm – und das auch nur für den gerade laufenden Sender. Auch eine Suchfunktion, um in der langen Senderliste die richtigen Kanäle schnell auszufiltern, würde die Einrichtung der Favoriten und die Bedienung deutlich verbessern.

VLC-Player am Computer

Auf dem Computer kann mit einem Videoplayer wie VLC auf das Fernsehprogramm zugegriffen werden. Dazu müssen über die Weboberfläche des WLAN-Repeaters die Senderlisten im M3U-Format heruntergeladen werden. Öffnet man diese in VLC, können die einzelnen Sender direkt aus einer Wiedergabeliste aufgerufen werden. Sender wie Servus TV, die in Full-HD ins Kabelnetz eingespeist werden, stehen dabei sogar in voller Auflösung zur Verfügung. Da im WLAN-Repeater zwei DVB-C-Tuner eingebaut sind, können bis zu zwei Geräte gleichzeitig auf unterschiedliche TV-Sender zugreifen.

Bildqualität

An der Bildqualität der HD-Sender gibt es dabei nichts auszusetzen – das Bild ist scharf und es gibt keine Artefaktbildungen. Bei SD-Sendern zeigt sich bei schnelleren Bildbewegungen jedoch der typische, durch das Zeilensprungverfahren von Fernsehbildern hervorgerufene, Treppeneffekt. Am Computer kann dieser Effekt in VLC durch Aktivierung des Deinterlacings (Zeilenentflechtung), also der Umwandlung des Videosignals in Vollbilder, abgemildert werden. Mit der TV-App auf den mobilen Endgeräten, die derzeit ja nur SD-Kanäle unterstützt, besteht diese Möglichkeit aber nicht.

Fazit: Solides Gerät mit Softwareschwächen

Insgesamt hat AVM mit dem FRITZ!WLAN Repeater DVB-C ein solides Produkt herausgebracht, das vor allem in größeren Haushalten den Streit um die Fernbedienung beenden könnte. Leider kränkelt das Produkt jedoch an so mancher Softwareschwäche, vor allem die fehlende HD-Unterstützung für mobile Endgeräte wiegt schwer. AVM hat zwar bereits ein Update der App versprochen, eine so wichtige Funktion zur starken Verbesserung der Bildqualität sollte jedoch nicht erst Monate nach dem Produktstart nachgereicht werden. (Martin Wendel, derStandard.at, 1.3.2015)


Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde von AVM zur Verfügung gestellt.

Links

FRITZ!WLAN Repeater DVB-C

FRITZ!App TV in Google Play

FRITZ!App TV im App Store

  • Im Lieferumfang liegen alle notwendigen Kabel und Adapter bei.
    foto: martin wendel / derstandard.at

    Im Lieferumfang liegen alle notwendigen Kabel und Adapter bei.

  • Der Anschluss des Gerätes an die Kabelbuchse ist eigentlich selbsterklärend.
    foto: martin wendel / derstandard.at

    Der Anschluss des Gerätes an die Kabelbuchse ist eigentlich selbsterklärend.

  • Die App zeigt Informationen zum derzeit laufenden Programm an.
    foto: martin wendel / derstandard.at

    Die App zeigt Informationen zum derzeit laufenden Programm an.

  • In der Senderübersicht fehlt bei einigen Kanälen das Logo.
    foto: martin wendel / derstandard.at

    In der Senderübersicht fehlt bei einigen Kanälen das Logo.

  • Durch das Zeilensprungverfahren entstehen bei schnelleren Bildbewegungen – wie etwa bei Sportübertragungen – unschöne Treppeneffekte.
    foto: martin wendel / derstandard.at

    Durch das Zeilensprungverfahren entstehen bei schnelleren Bildbewegungen – wie etwa bei Sportübertragungen – unschöne Treppeneffekte.

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