Überraschung: Am Rand der Milchstraße entstehen neue Sterne

1. März 2015, 17:25
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Brasilianische Astronomen entdecken Molekülwolken im vermeintlichen Leerraum - eine davon trägt sogar zwei junge Sternhaufen in sich

Paris - Brasilianische Astronomen berichten von einem unerwarteten Ort der Sternentstehung: Das Team um Denilso Camargo von der Federal University of Rio Grande do Sul in Porto Alegre gab die Entdeckung von zwei Sternhaufen am äußeren Rand unserer Heimatgalaxie bekannt. Dort werden aus einer großen Molekülwolke tatsächlich neue Sterne geboren - fernab der bekannten Sternentstehungsgebiete innerhalb der Milchstraße.

"Es ist das erste Mal, dass Astronomen die Geburt von Sternen an einem so abgelegenen Ort beobachtet haben", erklärte die britische Königliche Astronomische Gesellschaft, welche die Entdeckung des Forscherteams veröffentlichte.

Die nötige Grundlage für neue Sterne

Sterne entstehen aus sich verdichtenden Materieballungen in riesigen Molekülwolken, die sich hauptsächlich in den inneren Bereichen der Milchstraße finden lassen. Meist geschieht dies gruppenweise, was zur Entstehung von Sternhaufen führt. Mit Hilfe des Infrarot-Weltraumteleskops WISE der NASA fanden die brasilianischen Wissenschafter nun jedoch solche Molekülwolken weit außerhalb der Milchstraße. Sie befinden sich tausende Lichtjahre oberhalb beziehungsweise unterhalb der Milchstraßen-Scheibe.

Überraschend entdeckte das Forscherteam in einer dieser weit entfernten Wolken auch zwei Sternhaufen, die nun die Namen Camargo 438 und 439 tragen. Die sie umgebende Wolke mit der Bezeichnung HRK 81.4-77.89 ist Schätzungen zufolge erst etwa zwei Millionen Jahre alt und 16.000 Lichtjahre von der galaktischen Scheibe entfernt. "Unsere Arbeit zeigt, dass der Raum in der Umgebung der Milchstraße weit weniger leer ist, als wir dachten", so Camargo.

Mögliche Erklärungen

Nun wollen die Astronomen noch die plausibelste Erklärung dafür finden, wie sich solche Wolken so weit entfernt von den Sternpopulationen der Milchstraße bilden konnten. Im Wesentlichen gibt es dafür zwei Hypothesen: Entweder hat eine Reihe von Supernovae Materie aus der Milchstraße hinausgeblasen, die sich später zu einer Wolke ballte. Oder gravitative Wechselwirkungen mit den kleinen Satellitengalaxien der Milchstraße - wie den Magellanschen Wolken - hat diese Ballungen verursacht.

Sicher ist aber immerhin eines, wie Camargo sagte: Sollte künftig ein Planet einen dieser Exil-Sterne umkreisen, hätte man von dort einen unschlagbar spektakulären Panoramablick auf die Milchstraße. (red/APA, derStandard.at, 1.3. 2015)

  • Negativaufnahmen der Sternhaufen Camargo 438 (links) und 439. Die Seitenlänge jedes Bilds entspricht 24 Lichtjahren.
    fotos: d. camargo/nasa/wise

    Negativaufnahmen der Sternhaufen Camargo 438 (links) und 439. Die Seitenlänge jedes Bilds entspricht 24 Lichtjahren.

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